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Landkreis will Fahrradwege verbessern

20 Kilometer Netzlücken Landkreis will Fahrradwege verbessern

Rund 80 Vertreter aus dem Kreis, den Kommunen und Verbänden, aber auch viele interessierte Bürger kamen am Dienstagabend zur ersten Radverkehrskonferenz im Landratsamt zusammen.

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Das Fahrrad aus der Nische „Freizeit“ herausholen und in den Alltag integrieren – das ist der Wunsch des Landkreises.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Was braucht es, um im Alltag öfter aufs Fahrrad zu steigen? Wie steht es um die Sicherheit auf den Fahrradwegen in und rund um Marburg? Welche Infrastruktur ist nötig? Um diese Fragen ging es bei der ersten Radverkehrskonferenz des Landkreis Marburg-Biedenkopf, die am Dienstagabend im Landratsamt stattfand.

Grundlage der Diskussionen und Gespräche auf der Konferenz war unter anderem die Analyse des aktuellen Radroutennetzes im Landkreis. Diese wurde von der touristischen Vermarktungsorganisation TOuR GmbH vorgenommen und von Thomas Meyer vorgestellt.

„Im Landkreis sind sehr viele Menschen mit dem Auto unterwegs. Das möchten wir zugunsten des Radverkehrs ändern“, so Meyer. Ziel ist es, den Radverkehrsanteil von aktuell rund vier Prozent (hessenweit) auf acht Prozent im Jahr 2020 zu erhöhen.

Insgesamt umfasst das Radroutennetz im Landkreis 1240 Kilometer. Über die Hälfte davon sind Wirtschafts- und Waldwege, 201 Kilometer Gemeindestraßen und 79 Kilometer Radwege. Bei über 20 Kilometern handelt es sich um sogenannte „Netzlücken“, die es zu schließen gilt. „Wir wissen jetzt Dank der Analyse des Radroutennetzes im Detail schon, wo es Probleme im Netz gibt“, so Meyer.

In einem nächsten Schritt wird die TOuR GmbH zusammen mit einem Ingenieursbüro einen noch detaillierteren Radverkehrsplan auf den Weg bringen. Dafür sind im diesjährigen Haushalt 20000 Euro vorgesehen. Dieser Schritt ist auch Teil des Koalitionsvertrages.

Der Kreistag hatte im Oktober 2014 zudem den Beschluss gefasst, einen Radverkehrsbeauftragten zu ernennen. Wann und wer - das steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Derzeit werde noch über eine genaue Zuordnung und die Beschreibung des genauen Aufgabenfeldes diskutiert, heißt es aus dem Kreishaus.

Radverkehrsbeauftragte gibt Einblick in ihre Arbeit

Um den Konferenzteilnehmern aus Politik und Verbänden einen Einblick in die potentielle Arbeit eines Radverkehrsbeauftragten zu geben, referierte Friederike Christian aus dem ländlich geprägten Landkreis Göppingen nahe der schwäbischen Alb über ihre Aufgaben.

Seit 2014 ist sie beim Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur als Radverkehrsbeauftragte eingesetzt und konnte als solche dazu beitragen, dass einschlägige Fahrradrouten in der süddeutschen Region fahrradfreundlicher gestaltet werden. „Es ist wichtig, dass es jemanden gibt, der einen Blick auf den gesamten Kreis hat und die Politiker überzeugt“, so Christian.

„Wenn wir über den Radverkehr sprechen, müssen wir auch mit den Akteuren sprechen“, betont Ruth Glörfeld. Die Leiterin des Fachdienst Bürgerbeteiligung führte von August bis Anfang September eine Onlinebefragung zum Radverkehr im Landkreis Marburg-Biedenkopf durch, an der sich knapp 230 Menschen aus allen Kommunen rund um Marburg beteiligten. Dabei zeigte sich unter anderem, dass ein großer Teil (69 Prozent) der Befragten ihr Fahrrad ausschließlich in ihrer Freizeit nutzen. „Dies ist ein deutlicher Appell an uns, die Menschen zu motivieren, ihr Fahrrad mehr zu nutzen“, so Glörfeld.

Eines der größten Hindernisse liegt laut Umfrageergebnis in der sogenannten „Mobilitätskette“. So würden über 50 Prozent der Beteiligten ihr Fahrrad öfter in Verbindung mit dem Öffentlichen Personenverkehr (ÖPNV) nutzen, wenn die Infrastruktur besser wäre. Bus und Bahn stellen also noch große Hürden dar.

„Die Umfrageergebnisse senden einen klaren Auftrag an uns, das Fahrrad aus der Nische ‚Freizeit‘ herauszuholen und mehr in den Alltag zu integrieren“, so Görlind am Ende der Konferenz.

von Ruth Korte

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