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Landärztin will Rathauschefin werden

Elke Neuwohner Landärztin will Rathauschefin werden

Beruf, Familie, politische Ehrenämter: Die 38-Jährige vereinbart viele Aufgaben und ist offen für weitere Herausforderungen. Für sie startet nun der Wahlkampf.

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Dr. Franz Kahle verzichtete, Dr. Elke Neuwohner nahm an: Die Grünen schlagen die Ärztin als OB-Kandidatin vor.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mutter von fünf Kindern. Dr. Elke Neuwohner weiß, dass dieser Satz in ihrer Biografie ins Auge fällt. Die 38-jährige Ärztin, die mit ihrem Ehemann und ihren Kindern am Ortenberg lebt, stellte sich am Dienstag der Presse als Bewerberin für die OB-Wahl im Juni vor. Fraktion und Parteivorstand der Marburger Grünen schlagen sie einstimmig vor, die Mitglieder müssen sie noch offiziell nominieren (die OP berichtete am Montag exklusiv).

"Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiges Thema"

Neuwohner wäre damit die einzige Frau, die sich für die Nachfolge von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bewirbt. „Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiges Thema“, sagt Neuwohner. Seit der Geburt ihres ersten Kindes vor 16 Jahren wisse sie, was dies im Alltag bedeutet. Geboren in Lage in Nordrhein-Westfalen studierte sie zunächst in Köln erst Geisteswissenschaften, dann Medizin. In Köln sei ein Studium für junge Eltern viel schwieriger als in Marburg, daher habe sie sich bewusst entschieden, in die Lahnstadt zu ziehen. Auch ihr Ehemann studierte Medizin in Marburg, gemeinsam waren die beiden hochschulpolitisch bei den Grünen engagiert. Elke Neuwohner war Präsidentin des Studierendenparlaments und trat 2001 als Stadtverordnete in die Kommunalpolitik ein.

Sie traut sich einen Vollzeit-Job zu

Seit zwei Jahren arbeitet sie halbtags als Hausärztin in einer Praxis im Ebsdorfer Grund und hat noch eine Teilzeitstelle am Uni-Klinikum. Auch einen Vollzeit-Job im Rathaus könne sie meistern, sagt sie. „Ich arbeite seit zehn Jahren als Ärztin, davon fünf Jahre in Vollzeit - auch mit 24-Stunden-Diensten. Außerdem haben mein Mann und ich ein ausgeklügeltes System, auf das ich bei der Kinderbetreuung zurückgreifen kann.“

Allerdings sei sie auch „ganz entspannt“ und erinnert beim Pressegespräch daran, dass die Grünen bei den letzten OB-Wahlen fast in Augenhöhe mit der CDU auf Platz 3 gelandet seien. Grünen-Fraktionschef Dietmar Göttling sagt dagegen: „Elke Neuwohner hat gute Chancen in die Stichwahl zu kommen, und in der Stichwahl hat sie gute Chancen, die erste Oberbürgermeisterin in Marburg zu werden.“ Neuwohner sei keine Zählkandidatin, sondern eine erfahrene und in Marburg verankerte Kommunalpolitikerin und Haushaltsexpertin, betonte er. Die Veränderungen bei der Marburger Altenhilfe habe sie stark begleitet, erklärte Göttling weiter. Er betonte aber auch, dass Bürgermeister Dr. Franz Kahle das Erstzugriffsrecht auf die Kandidatur gehabt habe.Während sie Kahle Bedenkzeit gegeben habe, habe die Parteispitze zeitgleich mehrere Personen angesprochen, ob sie sich eine Kandidatur im Falle von Kahles Absage vorstellen könnten. Elke Neuwohner sei dabei Wunschkandidatin gewesen. Kahle erklärte, dass er nach seiner schweren Erkrankung vor einigen Jahren sich nicht gesundheitlich übernehmen möchte. Er sei als Bürgermeister gut ausgelastet. „Ich möchte nicht noch eine Schippe drauf legen. Der Oberbürgermeister hat noch mehr repräsentative Aufgaben, sagte er. Das weiß auch Neuwohner. „Ich habe lange mit meiner Familie darüber nachgedacht, so etwas entscheidet man nicht von heute auf morgen.“

Neuwohner könne Grünen-Inhalte sehr gut vertreten

Nachdem zwischenzeitlich der SPD-Bewerber Matthias Acker zurückgetreten war, berieten die Grünen intern auch über den neuen Vorschlag des Koalitionspartners, Dr. Thomas Spies (SPD) als gemeinsamen Kandidaten aufzustellen. Doch man wollte lieber mit Elke Neuwohner „ein Gesicht zeigen, dass Grünen-Inhalte sehr gut vertreten kann“, so Göttling.

Sie wolle die Weiterentwicklung der Marburger Altenhilfe, den Ausbau von Kinderbetreuung sowie Erneuerbarer Energie und dabei vor allem die Windkraft vorantreiben, kündigte die Marburgerin an. Es sind die Themen, mit denen die Grünen auch in die Kommunalwahl 2016 ziehen wollen. „Elke Neuwohner steht für eine rot-grüne Koalition. Und wir gehen mit einer klaren Koalitionsaussage in die Kommunalwahl. Schwarz-Grün ist in Marburg undenkbar“, so Kahle. Ähnlich äußerte sich auch Göttling.

von Anna Ntemiris

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