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Lästige Besucher im Ringeldress

Tipps zum Umgang mit Wespen Lästige Besucher im Ringeldress

Jetzt haben sie Hoch­saison. Sie schwirren um Mülltonnen, machen sich über Kuchen, Getränke und Grillgut her und sind ganz einfach lästig: Wespen auf der Suche nach Nahrung.

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Wespen haben jetzt wieder Hochsaison.

Quelle: Peer Grimm

Marburg. „Wespen sind jedes Jahr ein Thema“, sagt Monika Fett von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. „Aber dieses Jahr sind sie besonders zahlreich.“ Von einer Wespenplage möchte sie als Naturschützerin allerdings nicht sprechen.Auch bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Marburg registriert man ein „starkes Wespenaufkommen“. „Wir merken das deutlich an der Zahl der Anrufer bei der Unteren Naturschutzbehörde und bei der Einsatzzentrale unserer Feuerwehr“, so Pressesprecherin Sabine Preisler.

Grund dafür ist ein trockenes Frühjahr, in dem der Nestbau erfolgreicher verlaufen ist als dies bei Nässe der Fall ist.

„Die Wespennester haben ihren Zenit aber jetzt fast überschritten, es werden keine neuen Larven mehr großgezogen“, erklärt Ortrud Simon vom Fachdienst Stadtgrün, Klima und Naturschutz der Universitätsstadt Marburg. Zugleich seien die Arbeiterinnen der Wespennester aber nun unterwegs, um sich beispielsweise mit Süßigkeiten zu „belohnen“.

Zwei verschiedene Arten

Es sind nur zwei Arten der Insekten im Ringeldress, die den Menschen das Leben schwer machen: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Sie sind es, die sich so ziemlich über alles hermachen, was essbar ist. „Zu bestimmten Zeiten gehen sie gern an Fleisch, dann wieder an Fallobst, Kuchen oder auch Schinken“, erklärt Monika Fett. Wer im Freien isst, sollte deshalb besonders achtsam sein.

Hornissen, die ebenfalls zur Familie der Wespe gehören, sind nach den Worten der Expertin weniger aggressiv. „Sie fressen Insekten und gehen nur an unseren Kuchen, wenn dort ein Insekt sitzt“, sagt Monika Fett. Hornissen stehen unter besonderem Schutz und dürfen nicht einfach abgetötet werden. Das ist bei Wespen anders. Sie stehen zwar auch unter allgemeinen Schutz, dürfen aber abgetötet werden. „Ich würde nie raten, selbst tätig zu werden, denn die Wespen können gefährlich werden“, so Fett.

Hilfe beim Landkreis

Wer ein Nest auf dem Dachboden oder im Rollokasten hat, kann sich beim Kreis oder der Stadt Marburg Hilfe holen. „Wir haben ein großes Beratungsnetz unter anderem aus Mitgliedern des Naturschutzbundes und auch Imker“, sagt Monika Fett. Die Berater schauen sich die Situation vor Ort an, dann wird über das weitere Verfahren entschieden. Monika Fett vertritt die Auffassung, das Töten der Tiere zu vermeiden. „Sie sind wichtig für die Blütenbestäubung und gehören zu unserem Ökosystem.“ Leben und Leben lassen lautet das Motto der Naturschützerin.

In der Stadt waren die Insektenberater der Marburger Feuerwehr in dieser Saison bisher 91 Mal im Einsatz, um telefonisch zu beraten oder vor Ort Wespennester unter die Lupe zu nehmen. Je nachdem ob das Nest entfernt oder umgesiedelt werden muss, übernimmt die Feuerwehr diese Aufgabe sofern es ihre Zeit zulässt. Anderenfalls werden Spezialisten, die beim Regierungspräsidium gelistet sind, beauftragt. Ingmar Zech-Schlee ist Schädlingsbekämpfer und Techniker bei ProDefensio Schädlingsbekämpfung Wohra. „Dieses Jahr haben wir wesentlich mehr Einsätze als im Vorjahr“, erzählt er. Doch nur die Gemeine und die Deutsche Wespe dürfen „wir beseitigen“. Für andere Arten wie die Mittlere und die Sächsische Wespe bedarf es einer Genehmigung der Naturschutzbehörde. Allerdings gibt es auch meist keinen Grund, deren Neste zu beseitigen. „Die Mittlere und die Sächsische Wespe fliegen nicht auf Süßes und belästigen auch keine Menschen“, sagt Ingmar Zech-Schlee. Sie bauen freihängende Nester, oft in Hecken, Gebüschen oder Dachunterständen.

Wer sich an die Schädlingsbekämpfung Wohra wendet, wird zunächst beraten. „Wir klären, um welche Wespenart es sich handelt und ob das Nest wirklich stört“, sagt Ingmar Zech-Schlee. Keinesfalls wird sofort beseitigt. Sollte es sich aber als unumgänglich erweisen, wird ein Insektizid ins Nest eingebracht und ein Schaum in die Umgebung des Nests. Der Schaum wirkt länger. „Das muss er auch, denn es sind ja auch einige unterwegs und kehren erst später zurück. Auch Umsiedlungen werden ausgeführt, sofern die Nester erreichbar sind. „Die Wespen werden dann abgesaugt und kommen in eine Umsiedlungskiste“, erklärt der Experte. Ausgesetzt werden sie dann in der freien Natur, auf einem Grundstück, wo sich möglichst keine Menschen aufhalten. Allerdings kann man keine Nester nebeneinandersetzen. „Die Wespen bringen sich sonst um.“

Tipps von der Unteren Naturschutzbehörde
  •  Keine heftigen Bewegungen machen
  • Die Tiere nicht wegpusten
  • Nahrungsmittel im Freien sollten abgedeckt und Reste weggeräumt werden
  • Kindern nach dem Essen/Trinken Mund und Hände abwischen
  • Ablenkfütterung mit überreifen Weintrauben in fünf bis zehn Meter Entfernung hat sich bewährt
  • Düfte von Parfums, Cremes oder Haarspray können eine anlockende Wirkung auf Wespen haben
  • Auch bunte Kleidung kann die Tiere anziehen
  • Fliegengitter können die Wespen aus dem Haus halten
  • Distanz zum Nest einhalten: Sicherheitsabstand von mindestens zwei bis drei Meter
  • Befallenes Obst rechtzeitig abernten oder aufsammeln
  • Mülleimer geschlossen halten

Viele Fragen zum Thema Wespen beantwortet bereits ein Flyer von Stadt und Landkreis, der unter www.marburg.de beziehungsweise www.marburgbiedenkopf.de unter dem Stichwort Wespen abrufbar ist. Telefonisch ist die Untere Naturschutzbehörde der Stadt unter Telefon 06421/201-1709 oder -1708 erreichbar und die Leitstelle Feuerwehr unter 201-9922. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises ist erreichbar unter den Telefonnummern: 06421/405-1390, -1394 und -1395.

von Heike Horst

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