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Kussversuch oder Kopfnuss?

Aus dem Amtsgericht Kussversuch oder Kopfnuss?

Schmerzhaftes Ende einer Beziehung: Im Streit soll ein ehemaliger Marburger seine Freundin auf offener Straße attackiert und Geld von ihr gefordert haben. Dafür hat er sich vor dem Marburg Schöffen­gericht zu verantworten.

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Die Verhandlung fand vor dem Marburger Amtsgericht statt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ein Sammelsurium an Vorwürfen und verschiedenen Anklagen füllen die Akte des 23 Jahre alten Beschuldigten, der derzeit wegen mehrerer angeblicher Gewaltdelikte sowie Beleidigung vor Gericht steht.

Da nicht alle Zeugen zur Verhandlung erschienen, konnte so mancher Punkt noch nicht geklärt werden. Ein Vorwurf steht derzeit im Mittelpunkt des Verfahrens: Vor gut einem Jahr war der Mann, der heute im Raum Waldeck-Frankenberg lebt, mit seiner Freundin in Marburg unterwegs. Während eines Streits soll er ihr auf offener Straße „eine schmerzhafte Kopfnuss“ verpasst haben, so die Anklage. Nachdem die Geschädigte in ein nahe gelegenes Hotel geflüchtet war, folgte er ihr in die Lobby, wo die Auseinandersetzung weiterging. Aufgebracht verlangte der Mann Geld von der Partnerin. Den Stuhl, auf dem die junge Frau Platz genommen hatte, warf er angeblich um, die Freundin ging zu Boden und überließ ihm schließlich einen Geldschein.

Zu den Vorwürfen bezog der Beschuldigte Stellung vor Gericht, stellte die Situation dabei ganz anders dar. Seiner Ansicht nach geriet das Paar auf dem Weg in seine ehemalige Marburger Wohnung zwar in einen heftigen Streit, zu körperlicher Gewalt sei es dabei jedoch nicht gekommen. Die angebliche Kopfnuss war ein Versehen: Er wollte der Freundin doch nur einen Kuss geben, dabei seien beide mit den Köpfen zusammengestoßen, versuchte der Mann zu erklären. Das Geld habe er in dem Hotel von ihr verlangt, das gab er zu - jedoch soll es sich dabei um sein eigenes Bargeld gehandelt haben, das die Freundin zuvor für ihn eingesteckt hatte.

Nachdem die Geschädigte im Streit mitgeteilt hatte, dass sie wieder nach Hause fahre, hätte er von ihr Bares und den Haustürschlüssel gefordert, und das „vielleicht in einer impulsiven Art und Weise“ getan, gab der 23-Jährige an. Dabei sei die junge Frau vom Stuhl gestürzt, nachdem er sie am Arm gezogen hatte. Das bedauere er ja auch, erklärte er kurz und knapp. ­Diese Anklagepunkte werden weiterhin Gegenstand des Verfahrens sein.

Eigener Mutter den Stinkefinger gezeigt

Ein anderer Vorwurf konnte indes geklärt werden: Ende vergangenen Jahres pöbelte der junge Mann auf der Straße seine eigene Mutter an, bezeichnete sie unter anderem als „hässliche Kuh“ und zeigte ihr den Stinkefinger.

Gegen den vorliegenden Strafbefehl legte der Sohn Einspruch ein, nahm das Rechtsmittel noch während der Verhandlung wieder zurück und akzeptierte die Geldstrafe von 60 Tagessätzen.

Dabei stand er nicht zum ersten Mal vor Gericht, leistet zurzeit eine Arbeitsauflage aus einem vorangegangenen Urteil ab. Daneben wartet noch eine weitere Anklageschrift auf Verlesung, der Beschuldigte soll erneut eine junge Frau angegriffen haben.

Da die Zeugin jedoch nicht vor Gericht erschienen war, bisher auch nicht von der Polizei gefunden werden konnte, musste die Verhandlung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden. „Wir kommen so nicht weiter“, stellte der Vorsitzende Richter Thomas Rohner fest. Die Verhandlung wird wohl erst im kommenden Jahr fortgesetzt.

von Ina Tannert

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