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Kühles Refugium war heißer Feierort

Serie "Kalte Orte", Teil 5 Kühles Refugium war heißer Feierort

Ein Keller für drei Häuser: Im Tiefkeller der Familie Urff in der Oberstadt herrscht immer eine angenehme Temperatur.

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Der Gewölbekeller von Alfred Urff (hinten Mitte) in der Marburger Oberstadt verfügt über dicke Mauern und liegt acht Meter unter dem Niveau der Barfüßerstraße. Dort herrschen konstant 16 bis 18 Grad Celsius.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Wenn es draußen ­affenheiß ist, dann ist es hier drinnen schön kalt“: Auf diese Weise bringt Hausherr Alfred Urff die Temperatur-Verhältnisse ganz unten in seinem Haus auf den Punkt. Denn im tiefen Keller des Wohnhauses an der Barfüßerstraße herrschen das ganze Jahr über zwischen 16 und 18 Grad, erklärt der 85-jährige Oberstädter anlässlich einer kleinen Führung für die OP.

Es ist schon ein sehr beeindruckender „kalter Ort“, der bis acht Meter tief unterhalb des Straßenniveaus der Barfüßerstraße reicht. Über einen Seiteneingang unterhalb der Buchhandlung Arcularius gelangt man über eine kleine Treppe hinunter in den Keller. Dieser besteht aus einer beeindruckenden Anzahl von verwinkelt angelegten Räumen, die teilweise mit Gewölben und Rundbögen ausgestattet sind.

Das Besondere daran: Es gibt hier einen langgezogenen Keller für ein Haus, dort wo früher drei Einzelhäuser waren. Ausweislich der kleinen Haus­-Chronik, die Alfred Urffs Ehefrau Rotraut zusammengestellt hat, geschah diese „Hauszusammenlegung“ durch Umbau zwischen den Jahren 1842 und 1845. Die Hausgeschichte der einzelnen Häuser geht aber noch viel weiter zurück - bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Seit 1899 ist das Gesamthaus im Besitz der Familie Urff.

Während der Keller momentan von den Urffs vor allem als Lager für unterschiedliche Dinge genutzt wird, hatte er früher auch schon einmal andere Funktionen.

So war er ein besonderer Partykeller, erinnert sich Alfred Urffs Schwiegertochter Claudia Urff. Ausgestattet war er natürlich mit einer Bar, es gab zudem auch einen „Tanzraum“ und einen großen Raum, in dem man gemütlich sitzen konnte. Bei diesen Feiern sei es immer angenehm frisch gewesen, erzählt Claudia Urff. Nur zu später Stunde habe man sich vielleicht mal eine Jacke anziehen müssen. Die Tradition der Kellerfeiern wollen die Urffs übrigens wieder aufnehmen.

Die einzelnen Kellerabschnitte hatten in der Vergangenheit aber auch noch andere Funktionen. So wurde zum Beispiel ein Anschnitt Richtung Barfüßerstraße als Kohlenkeller genutzt, was man heute noch an der verrußt aussehenden größtenteils schwarz aussehenden Kellerwand erahnen kann.

Zudem war dort während des Zweiten Weltkriegs auch ein damals vorgeschriebener Luftschutzkeller eingerichtet worden.

Das Mittelhaus hat übrigens eine lange Tradition als Hotel vorzuweisen. Daran anknüpfend hatten die Urffs, die heute einen Teil der Wohnungen vermietet haben, auch im vergangenen Jahrhundert noch einige Gäste auf Zeit aufgenommen.

Auch Adenauer war zu Gast bei den Urffs

Zu den bekanntesten zählte sicher der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer, der auf einer Vortragsreise in Marburg Station machte und im „Spitzwegzimmer“ der Urffs logierte. Gut möglich, dass also auch Adenauer einmal den Keller besichtigt hat.

Imposant ist der unterste Gebäudeteil des heute für Wohn- und Geschäftszwecke genutzten Hauses auch heute noch allemal.

So weist Alfred Urff beispielsweise darauf hin, dass die Kellermauern direkt auf den Fels des Schlossberges aufsetzen, so dass das Haus nicht so einfach umfallen könne.

Besonders eindrucksvoll ist auch die Höhe der Kellerräume, und das in der Oberstadt, wo die Häuser eigentlich traditionell eher nicht so hohe Geschosshöhen aufweisen.

von Manfred Hitzeroth

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