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Kritischer Theologe zweifelte an Wundern

Biographie Kritischer Theologe zweifelte an Wundern

Der Marburger Theologie-Professor Rudolf Bultmann ging als „frommer Bibelstürmer“ in die Geschichte der evangelischen Theologie ein.

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Seinen letzte Marburger Vortrag hielt Rudolf Bultmann 1963: Dieses Bild stammt aus Konrad Hammanns neuer Bultmann-Biographie.

Marburg. Die tägliche Bibellektüre, Tischgebete und regelmäßige sonntägliche Kirchenbesuche waren für den Marburger Theologie-Professor und Sohn eines Pfarrers aus Wiefelstede bei Oldenburg Pflicht. „Rudolf Bultmann, der sein Leben lang gepredigt hat, führte ein frommes Familien- und Glaubensleben“, erklärt der Marburger Theologie-Dekan Professor Peter Dabrock. Doch zugleich stellte er auch in Frage, „wie man in der Gegenwart des 20. Jahrhunderts noch an der Botschaft des Evangeliums festhalten konnte, ohne die kritische Weltsicht des modernen Menschen über Bord zu werfen“, so Dabrock.

In seiner 1941 mitten im Zweiten Weltkrieg nach einem Vortrag in Alpirsbach veröffentlichten Schrift „Neues Testament und Mythologie“ schrieb Bultmann Klartext: „Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht“.

Die Himmelfahrt Christi, die Darstellung der Wunder Jesu als reale Geschehnisse oder das Verständnis der Auferstehung eines physischen Geschehens: Alle diese Motive aus dem Neuen Testament „erklärte Bultmann schroff für erledigt“, schreibt Konrad Hammann in seiner aus Anlass des 125. Geburtstags erschienenen Bultmann-Biographie. Bultmanns radikale Ansichten stießen schon bald auf Kritik, besonders bei evangelikalen Christen. Und es kam in den 1950er und 1960er Jahren zu einem regelrechten „Kulturkampf“.

von Manfred Hitzeroth

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