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Kritik und Verständnis für Vaupel

Marktfrühschoppen Kritik und Verständnis für Vaupel

Der Marktfrühschoppen sorgt auch nach der Ankündigung von Oberbürgermeister Egon Vaupel, das Fest wahrscheinlich zu erlauben, für Diskussionsstoff.

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Der Marktfrühschoppen ist auch ein Treffpunkt für Mitglieder von Studentenverbindungen. Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Marktfrühschoppen sorgt auch nach der Ankündigung von Oberbürgermeister Egon Vaupel, das Fest wahrscheinlich zu erlauben, für Diskussionsstoff.

Ablehnung und Zustimmung erhielt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) für seine Ankündigung, den Marktfrühschoppen höchstwahrscheinlich zu genehmigen, vorausgesetzt, die Veranstalter vom Marktfrühschoppenverein distanzieren sich von den als rechtsextrem geltenden Marburger Burschenschaften, die der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) angehören.

Eva Gottschaldt ist "entsetzt"

„Entsetzt“ zeigte sich Eva Gottschaldt vom Antifaschistischen Ratschlag, in einer Pressemitteilung, über Vaupels Entscheidung. „Offenbar sind weder der Marktfrühschoppenverein noch die ‚bürgerlich-konservativen‘ Verbindungen in der Lage zu begreifen, dass der Marktfrühschoppen seit Jahren verdorben ist und von seiner Funktion, Rechtsextremisten eine Plattform zur verharmlosenden Selbstdarstellung zu bieten, nicht mehr gereinigt werden kann“, heißt es in der Mitteilung.

In einer Pressemitteilung des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) wird Vaupel als „Wegbereiter“ des Marktfrühschoppens bezeichnet. „Durch das Aushebeln der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung agiert Vaupel nicht nur undemokratisch, sondern leistet zudem vorauseilenden Gehorsam“, kritisierte Zuhal Demir vom Asta-Vorstand.

Verärgerung herrscht bei der Marburger Linken: „Man hätte es auf eine juristische Auseinandersetzung ankommen lassen sollen“, sagt Jan Schalauske. Die politische Willensbildung, die Ablehnung des Fests, sei somit ausgeschaltet.  Zudem sei ihm unklar, wie der Veranstalter sich von den rechten Gruppierungen distanzieren, gar auf sie einwirken solle.

"An der Grenze der des politischen Handelns"

„Das wird nicht gelingen, der Marktfrühschoppen war, ist und bleibt nun ein zentrales Fest der Rechten. Sie haben wieder ihre Bühne“, sagt er. Der Marburger SPD-Fraktionsvorsitzende Steffen Rink äußerte Verständnis für die Vorgehensweise von Oberbürgermeister Egon Vaupel in Sachen Marktfrühschoppen. „Politische Einschätzungen und die rechtliche Situation sind verschiedene Dinge“, sagte Rink gestern auf Anfrage der OP. Vaupel stoße jedoch jetzt an die Grenzen des politischen Handelns, weil ihm die rechtliche Situation keine andere Handhabe lasse, als für den Marktfrühschoppen eine Sondernutzungserlaubnis zuzulassen.

Der auf Initiative von Rot-Grün mehrheitlich gefasste Beschluss des Stadtparlaments mit dem entscheidenden Satz „Der Marktfrühschoppen findet nicht statt“ sei aus Sicht der SPD eine politische Willenserklärung gewesen und habe keinen Handlungsauftrag beinhaltet, erläuterte Rink. Und er kritisierte den Marktfrühschoppenverein. Dessen „Kopf-durch-die Wand“-Politik führe dazu, dass das Fest wieder in eine Konfrontation hineingetrieben werde. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Philipp Stompfe erklärte: „Selbstverständlich halte ich die Genehmigung des Marktfrühschoppens für eine richtige Entscheidung“, auch wenn Vaupel diese nur „halbherzig“ erteilen werde.  „Es ist und bleibt ein Traditionsfest in Marburg“. Vom Marktfrühschoppenverein kam gestern noch keine Reaktion auf Vaupels Ankündigung.

von Manfred Hitzeroth und Björn Wisker

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Verboten, genehmigt und wieder verboten: Jetzt hat die lange Geschichte um den Marktfrühschoppen in Marburg doch noch einmal eine Wendung erlebt. Foto:Thorsten Richter

Nun gibt es wohl doch keine Genehmigung für den Marburger Marktfrühschoppen in diesem Jahr. Das Regierungspräsidium empfiehlt dem Magistrat, den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zu folgen. Diese hatte das Volksfest verboten.

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