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Kritik an neuem Altenhilfekonzept

Zahl der Pflegeplätze Kritik an neuem Altenhilfekonzept

Die Debatte um die Marburger Altenhilfe geht weiter: Kritiker vom Richtsberg fürchten, dass die reduzierte Zahl der Pflegeplätze für die Bedürfnisse des großen Stadtteils nicht ausreichen werden.

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Die Zukunft der Marburger Altenhilfe, vor allem der Zahl der Pflegeplätze und das Für und Wider einer Sanierung des Standorts Sudetenstraße wird seit vielen Jahren in der Politik debattiert.

Quelle: Jens Kalaene

Marburg. „Beim Blick auf einen 9000 Einwohner zählenden Stadtteil überzeugt mich das vorgestellte neue Konzept nicht“, sagt Professor Heinz Stoffregen während der Sitzung des Richtsberger Ortsbeirats. Zuvor hatte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) die Grundzüge des neuen Altenhilfemodells vorgestellt (die OP berichtete).

Vaupels Vorschläge für den Standort Sudetenstraße: Eine energetische Sanierung der Außenhaut, wobei die bisherigen Balkons zukünftig als Wohnfläche mitgenutzt werden sollen. Das Erdgeschoss bleibt größtenteils wie bisher als Verwaltungstrakt und als Treffpunkt erhalten. Die Stockwerke fünf bis sieben sollen nach der Sanierung für Mieter aller Altersgruppen angeboten werden.

In den Stockwerken eins bis vier sollen vier mal zwölf neu gestaltete Wohneinheiten nach dem neuesten Konzept der Hausgemeinschaften aufgebaut werden. Der Umbau sieht weiterhin vor, dass vier mal acht Wohneinheiten, also 32 Plätze für vollstationäre Pflegeplätze übrig bleiben.

Vaupel: Mitarbeitern eröffnen sich neue Möglichkeiten

„All dies bedeutet natürlich auch eine Veränderung der inneren Struktur der Altenhilfe GmbH. Es werden Stellen gestrichen, aber auch neue Stellen mit anderem Tätigkeitsprofil geschaffen“, sagt Vaupel. Stoffregen fürchtet angesichts der angekündigten Umstrukturierung, dass Arbeitsplätze am Richtsberg verloren gehen.

Zuletzt beschäftigte die Marburger Altenhilfe St. Jakob GmbH rund 190 Mitarbeiter. Aktuell gibt es 78 befristete Arbeitsverhältnisse. Zwischen 2008 und 2014 wurden insgesamt 340 Arbeitsverträge abgeschlossen, davon sind wiederum 175 beendet und 53 Arbeitsverhältnisse bis jetzt in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis gemündet. Das teilte der Magistrat mit.

Der Arbeitgeber stelle in der Regel immer zunächst befristet für zwölf Monate ein. Der überwiegende Anteil werde „dann für ein weiteres Jahr befristet und dann unter Umständen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen“, heißt es in einer Auswertung des Magistrats, die der OP vorliegt. Vaupel zu den Strukturveränderungen: „Den Mitarbeitern werden sich künftig vielfältigere, neue Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen.“

Für den Inhalt der Neukonzeptionierung gelten die Ergebnisse einer Befragung in Marburg. Demnach müssten Hilfeleistungen weitaus vielfältiger als bisher angeboten werden. Im Wesentlichen gehe es dabei um Servicewohnen, wo einzelne Dienstleistungen zugekauft werden können, um betreutes Wohnen sowie die ambulante Unterstützung.

Detailplanung soll im Spätsommer erfolgen

Erst „ganz am Ende“ stehe die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung, was auch den Wünschen aller befragten Einwohner entspreche. „Noch nie kam jemand zu mir mit dem Wunsch, einen vollstationären Pflegeplatz für sich oder Angehörige zu bekommen“, sagt Vaupel während der vergangenen Sitzung des Stadtparlaments.

Ziel sei es demnach die älteren Marburger so lange wie möglich in gewohnter Umgebung zu belassen. Vaupel sprach mehrfach von einer kleeblattförmigen Ausdehnung der unterschiedlichen Hilfen, die letztlich das ganze Stadtgebiet abdecken müssten. Auf Nachfrage von Ortsbeiratsmitglied Bernd Hannemann beschrieb Vaupel den Zeitplan für das Altenhilfe-Konzept: Bis April sollen alle Grundsatzbeschlüsse gefasst sein, die Vergabe der Detailplanung solle im August oder September geschehen.

Das im Mai 1975 eröffnete Altenzentrum St. Jakob ist inzwischen in die Jahre gekommen und dringend sanierungsbedürftig. Wie in der Stadtverordnetenversammlung nannte Vaupel für eine Sanierung, die keine Wünsche offenlasse, einen Betrag von 18,5 Millionen Euro. „Das ist nicht finanzierbar“, betonte der Rathauschef. Zu den für die Sudetenstraße nun tatsächlich anfallenden Sanierungskosten machte Vaupel während der Ortsbeiratssitzung keine Angaben.

von Heinz-Dieter Henkel und Björn Wisker

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