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Kritik an Wohnungsnot-Prognose

Mieten Kritik an Wohnungsnot-Prognose

Reaktionen auf die Wohnungsmarktstudie des Instituts Inwis: Die Linke fordert schnelle Umsetzung von Handlungsvorschlägen, die Marburger Bürgerliste ist von der Studie enttäuscht, der Magistrat sieht sich bestätigt.

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Mietpreise in Marburg: Laut Wohnungsmarktstudie fehlen derzeit vor allem im unteren und mittleren Preissegment mehr als 300 Wohnungen, perspektivisch rund 1600. Archivfoto

Quelle: DB Dieter Assmann

Marburg. „Die Studie fördert keine Neuigkeiten zutage. Vor allem aber ignoriert sie Dinge, die in der Stadt schon gemacht werden oder 2014 angelaufen sind“, sagt Hermann Uchtmann (MBL). Die 300 Sozialwohnungen, die ab jetzt am Richtsberg entstehen, seien aus dem ermittelten Zukunfts-Bedarf (1600 Wohnungen, davon 270 bis 450 preisgünstige) nicht herausgerechnet worden. Auch die Bauaktivitäten des Studentenwerks, der geplante Umbau des ehemaligen Arbeitsgerichts in der Gutenbergstraße, seien bei der Bedarfs-Prognose bis 2020 nicht eingefloßen.

Mitglieder des „Runden Tischs Preiswerter Wohnraum“ kritisieren indes den Magistrat dafür, dass dieser erst jetzt auf den Kurs für eine Sozialwohnungs-quote einzuschwenken scheint. „Von 100 Wohnungen müssten künftig eigentlich etwa 20 öffentlich gefördert sein, um den Bedarf zu decken“, sagte Janine Constant, Ingenieurin von Inwis während der Studien-Präsentation vergangene Woche. OB Vaupel signalisierte, dass er eine Sozialquote für die Erteilung von Baugenehmigungen einführen will: „Wir werden um diesen Schritt nicht herumkommen.“ Zwischen zehn und 20 Prozent solle diese betragen, um Investoren nicht zu verschrecken.

Lokale Agenda und linke wollen höhere Quote

„Seit 2010, als wir die Forderung nach einer solchen Quote erhoben haben, hat sich die Bauverwaltung dagegen gesperrt“, sagt Gerhard Haberle von der Lokalen Agenda Stadtentwicklung. Eine Quote von zehn bis 20 Prozent hält er für zu gering, sie solle eher 30 Prozent plus betragen. „Rechtlich sei das gar nicht möglich, hieß es immer. Und jetzt haben wir Zeit verloren, könnten schon weiter sein“, sagt Jan Schalauske (Linke). Er verlangt daher nach einer schnellen Umsetzung der dringendsten Handlungsempfehlungen von Inwis.

Der Magistrat sieht seinen grundsätzlichen Stadtplanungs-Kurs durch die Inwis-Studie bestätigt: „Wir haben gesagt, dass die Innenentwicklung Vorrang hat, dass wir vor allem in und nahe an der Kernstadt mehr bezahlbaren Wohnraum brauchen“, sagt Vaupel.

Die Inwis-Studie rechnet mit einem Bevölkerungswachstum von 1500 in Marburg bis 2020. Neben Studenten seien vor allem junge Familien, Berufseinsteiger und Alleinerziehende von der Wohnungsnot betroffen. Es fehle vor allem an Angeboten im unteren und mittleren Preissegment. Der Wohnungsbau-Fokus solle auf der Kernstadt sowie zentrumsnahen Stadtteilen wie Wehrda, Cappel und Marbach liegen - durch Verdichtung, Aus- und Hochbau. Bauplätze in Außenstadttteilen (400) gebe es genug.

von Björn Wisker

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