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Kritik an Fahrrad-Feindlichkeit

Grünen-Versammlung Kritik an Fahrrad-Feindlichkeit

Ein Großteil der Studenten benutzt das Fahrrad oder geht zu Fuß, aber die Bedingungen in Marburg sind dafür ungenügend. Die Mitgliederversammlung der Stadtgrünen wandte sich diesem Problem zu.

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Ein Radfahrer fährt im Marburger Pilgrimstein auf dem Radweg. In der Stadt entbrennt eine Diskussion um die Verkehrsführung für Zweiräder – und den Vorrang von Autos. 

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Bereits die Demonstration Marburger Fahrradfahrer am vergangenen Freitag hat gezeigt, dass ein Teil der Bevölkerung mit den Bedingungen für den Nahverkehr unzufrieden ist. Die Radwege seien zu schlecht, die Sicherheit der Radfahrer im Stadtverkehr gefährdet und generell sei die Aufmerksamkeit zu sehr auf Autofahrer gerichtet.

In ihrer Stadtmitgliedsversammlung machten die Grünen am Mittwoch dieses Thema zum Schwerpunkt der Diskussion.

Als Gast war Uwe Wöll vom VSF, dem Verein „Verbund Service und Fahrrad“, eingeladen. Mit seinem Vortrag wollte der Produktmanager des VSF einen Impuls geben, damit in Marburg in Sachen Mobilitätsfragen Reformen angepackt werden. Unter dem Stichwort „Nahmobilität in Marburg“ analysierte er, dass der Großteil junger Erwachsener, besonders Studenten, vermehrt Fahrräder oder den öffentlichen Nahverkehr benutzen. „Nur etwas mehr als fünf Prozent benutzen ein Auto. Der Bedarf an nachhaltiger Mobilität und Nahverkehr ist in Marburg da, die Bedürfnisse werden aber nicht erfüllt“, sagte Wöll.

In einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) belegte Marburg in der Kategorie der Städte unter 100 000 Einwohnern Rang 237 von 252. „Im Punkt Sicherheit der Radfahrer bekam die Stadt die Note fünf minus. Es ist katastrophal, besonders wenn man Kinder zur Schule schicken will. Es gibt in Marburg auch keine Fahrradampelschaltung, was die Fahrradfahrer zur Weißglut bringt“, sagte Anke Lindemann, Sprecherin des Stadtvorstands der Marburger Grünen. „Die Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern sind vorprogrammiert, denn geteilte Wege für beide funktioniert einfach nicht. Die Marburger Verkehrsmobilität richtet sich nicht nach den modernen Verhältnissen“, sagte Wöll.

Weniger Aufmerksamkeit den Autos, mehr dem Rad

Wölls Anliegen ist es, das der Radverkehr auf die Straße gehört und das hierzu ein neues Nahmobilitätskonzept erarbeitet werden muss. Gerade im Austausch mit anderen Städten, wo der Verkehr besser funktioniert, liege der Erfolg. In der anschließenden Diskussion teilten die Mitglieder der Grünen Wölls Ansichten, auch wenn ein gemeinsames Konzept zur Lösung der Probleme noch nicht vorliegt.

Dass den Autos aber zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, war ein Grundkonsens an diesem Abend. Vor allem bei jungen Erwachsenen merke man, dass das Auto längst nicht mehr das Statussymbol ist, wie es früher einmal war. Daher sollten in Zukunft finanzielle Aufwendungen für den Radverkehr angehoben werden, um auch ein besseres Verhältnis zum motorisierten Verkehr zu schaffen. Gerade weil es in Marburg auch viele Sehbehinderte gebe, müsse ein neues Verkehrskonzept entwickelt werden. Besonders über die Problematik am Pilgrimstein wurde diskutiert, auch wenn Lösungs- und Verbesserungsvorschläge weitere Schwierigkeiten mit sich bringen würden. Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) räumte dennoch ein, dass in der Vergangenheit, trotz aktueller Probleme, viel erreicht worden sei. „Wir brauchen trotzdem Anstöße und Kritik, um dadurch in Zukunft Akzente setzen zu können“, sagte er.

Ebenfalls wurde an diesem Abend ein neues Mitglied für den Stadtvorstand gewählt. Mit einer deutlichen Mehrheit gewann die 20-jährige Lavinia Frank. Seit zwei Semestern studiert sie Psychologie an der Philipps-Universität.

Darüber hinaus kam bei der Mitgliederversammlung auch das Marburger Marktfrühschoppen zum Gespräch, bei welchem die Grünen nochmals betonten, dass sie auch künftig ihre Einwände gegen diese Veranstaltung haben und äußern werden. „Das Marktfrühschoppen bietet Platz für drei rechtsextreme Studentenverbindungen“, sagte Kahle.

von Matthias Weber

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