Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Kreistag stärkt Hebammen einmütig den Rücken

Resolution Kreistag stärkt Hebammen einmütig den Rücken

Im Kreistag waren sich die Fraktionen einig: Die finanzielle Situation der Hebammen seit dramatisch. Zu geringe Bezahlung und exorbitant gestiegene Haftpflicht-prämien zwängten den Berufsstand in die Knie.

Voriger Artikel
Von Helene Fischer bis zur Muppet-Show
Nächster Artikel
Polizei klärt Raubüberfall auf 23-Jährige auf

Begleiterin für werdende Mütter: Hebamme Kerstin Hielscher aus Kirchhain misst den Bauchumfang bei einer Schwangeren. Für ihren Berufsstand gibt‘s jetzt politische Unterstützung aus dem Landkreis.

Quelle: Archivfoto: Tobias Hirsch

Marburg. „Das Thema sollte uns nicht kaltlassen - Familien und Mütter sollten die Wahlfreiheit haben bei der Geburt“, sagt Landrätin Kirsten Fründt und freute sich über den Schulterschluss aller Fraktionen in einem Dringlichkeitsantrag: „Hebammen unterstützen, flächendeckende Geburtshilfe sichern, Wahlfreiheit werdender Mütter stärken“.

Die flächendeckende Versorgung mit Hebammenleistungen sei im Landkreis Marburg-Biedenkopf nicht mehr gewährleistet. „Freiberufliche Hebammen könnten die verpflichtende Haftpflichtversicherung häufig nicht mehr bezahlen. Die Prämien sind explodiert und der Markt zusammengebrochen“, heißt es in dem Antrag, der darauf verweist, dass die Regionen zunähmen, in denen für es Frauen keine Alternativen mehr gebe zur Klinikgeburt. Zudem sei die Vor- und Nachsorge von Wöchnerinnen nicht mehr flächendeckend gesichert. Hintergrund seien die niedrigen Honorare der Krankenkassen - Hebammen könnten aus finanziellen Gründen oftmals keine Wochenbettbetreuung anbieten. Dabei sei der Bedarf gestiegen, weil Wöchnerinnen meist schnell aus der Klinik entlassen würden, da diese über Fallpauschalen abrechnet. Der Kreistag verweist in seinem Antrag auf die wichtigen Aufgaben von freiberuflichen Hebammen, die auch als Beleghebammen in Krankenhäusern arbeiten.

Haftungsfonds als Vorschlag

Wie bei Hausgeburten oder in Geburtshäusern werde so meist eine „Eins-zu-eins-Betreuung von Hebamme zu Wöchnerin möglich, die zur optimalen Versorgung wünschenswert ist“. „Doch nach und nach schließen immer mehr Kliniken ihre Geburtshilfestation.“ Somit sei ein ganzer Berufsstand „qualifizierter und hochmotivierter Hebammen und Entbindungspfleger existenziell gefährdet“.

Der Kreistag richtet sich an den Bund - unter anderem mit der Forderung, eine „erweiterte Trägerhaftung“ zu schaffen oder zu prüfen, ob ein steuerfinanzierter Haftungsfonds eingerichtet werden kann. Der Gesetzgeber soll in einem Leistungskatalog verankern, „dass alle Kinder das Recht auf eine Leistung von Hebammen bei der Geburt bekommen“ und somit eine „Eins-zu-eins-Betreuung der Schwangeren durch eine Hebamme während der Geburt gewähleisten, egal an welchem Ort eine Entbindung stattfindet“, heißt es in dem Antrag.

Auch die Landesregierung bekommt einen Handlungsauftrag aus Marburg-Biedenkopf, der beispielsweise darauf abzielt, dass Hebammen durch landesgesetzliche Regelungen besser gefördert werden und eine „qualitativ hochwertige Geburtshilfe in allen Teilen des Landes sichergestellt werden kann“.

Der Antrag sieht auch vor, dass der Landkreis selbst tätig wird, um die Situation der Hebammen zu verbessern. So soll der Kreisausschuss unter anderem „das Gespräch mit allen beteiligten Akteuren der Geburtshilfe in der Region suchen, um ein gemeinsames Konzept für ein breites Angebot aller Möglichkeiten der Geburtshilfe, Entbindung und Wöchnerinnenbetreuung zu sichern und sowohl Wahlmöglichkeiten wie Sicherheitsempfinden werdender Mütter auf höchsten Niveau zu gewährleisten“.

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr