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Kreistag soll die zweite Stufe zünden

EAM-Beteiligung Kreistag soll die zweite Stufe zünden

Fast ein Jahr nach der Übernahme der Eon Mitte wollen die derzeitigen Anteilseigner, darunter der Kreis Marburg-Biedenkopf, den nächsten Schritt machen: bis zu 49,99 Prozent der EAM sollen verkauft werden.

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Ein Stück von der EAM können nun auch Städte und Gemeinden im Netzgebiet des Versorgers erwerben. Der Kreistag stimmt morgen über die Freigabe von Anteilen ab.Foto: Michael Agricola

Marburg. Als Altaktionäre halten zwölf Landkreisen im EAM-Netzgebiet und die Stadt Göttingen derzeit 100 Prozent an der EAM. Etwa 130 Städte und Gemeinden in den fünf Bundesländern, in denen der Stromversorger tätig ist, haben ihrerseits Interesse an einer Beteiligung signalisiert.

Um deren Einstieg möglich zu machen, müssen die Altaktionäre über ihre Parlamente dem Umbau des Konzerns zustimmen. Der Kreistag Marburg-Biedenkopf wird dies voraussichtlich in seiner morgigen Sitzung tun. Zumindest gab es im Haupt- und Finanzausschuss eine einstimmige Empfehlung (bei einer Enthaltung der Linken) für den von der EAM vorgeschlagenen Weg. Die Städte und Gemeinden im EAM-Gebiet können zu relativ günstigen Konditionen in die EAM einsteigen. Sie müssen dazu für ihren Anteil zum jetzigen Zeitpunkt nur zehn Prozent des Eigenkapitals einbringen.

Diese Summe wird über einen gemeinsamen Kredit aller Kommunen in Höhe von bis zu 45 Millionen Euro finanziert und über gemeinsame, in die Regionen Nord, Süd und Mitte aufgeteilte Vorschalt-Gesellschaften abgewickelt. Das bewahrt die Gemeinden davor, dass sie jeder einzeln zur Hausbank gehen und einen Kredit abschließen muss, so Jörg Hartmann, Geschäftsführer der EAM-Tochter Energie-Netz Mitte, bei der Vorstellung der geplanten Transaktion im Haupt- und Finanzausschuss des Kreistages.

Zins, Tilgung und der Erwerb der restlichen 90 Prozent der Anteile (bis 2034) werden aus den Gewinnausschüttungen der EAM an die Kommunen finanziert, sodass die Haushalte der Städte und Gemeinden nicht zusätzlich belastet werden sollen. Die Städte und Gemeinden, die sich an der EAM beteiligen, übernehmen allerdings Bürgschaften. Dem steht bis zum Jahr 2032 ein erwarteter Vermögensaufbau in Höhe von rund 12 Millionen Euro je Prozent Anteil an der EAM gegenüber.

Zeit drängt

Für die Altaktionäre reduziert sich natürlich im Gegenzug die Höhe ihrer Bürgschaften erheblich, von 568 Millionen auf 124 Millionen Euro. Die „Vertriebsprämie“ über 30 Millionen Euro, die als Entschädigung für die beim Eon-Mitte-Kauf im Eon-Konzern verbliebenen Vertriebs-Kunden fließt, kommt nur den Altaktionären zugute, berichtete Hartmann. Die aus Eon-Mitte-Zeiten gewohnten Dividenden von insgesamt etwa einer Million Euro bleiben den beteiligten Landkreisen ebenfalls erhalten.

Am Ende werden wohl nicht alle interessierten Kommunen zugreifen, sagte Hartmann. Deshalb steht auch noch nicht fest, wie viele der 49,99 Prozent am Ende wirklich an Städte und Gemeinden abgegeben werden. Nach derzeitigem Stand schätzt man die Größenordnung bei der EAM aber auf mehr als 40 Prozent der Anteile, so Hartmann.

Wer mitmachen will, muss sich allerdings sputen. Die Entscheidungen in den politischen Gremien müssen durchaus unter Zeitdruck gefasst werden. Damit die zweite Stufe der Rekommunalisierung zum Jahreswechsel in Kraft treten kann, müssten alle notwendigen Schritte vom Erwerb der Anteile bis zum Austausch der Bürgschaften bis spätestens 19. Dezember abgeschlossen sein. Das bedeutet, dass alle Beschlüsse der Kommunalparlamente bis zum 7. November vorliegen müssten, betonte Hartmann.

Ausgeschlossen von dem Angebot zur Beteiligung bleiben dabei alle Städte und Gemeinden im Netzgebiet, die ihre Strom- oder Gaskonzession nicht an die damalige Eon Mitte beziehungsweise die EAM vergeben haben. In unserem Landkreis sind das derzeit elf, also die Hälfte der Kommunen.

Auswirkungen hat der Verkauf von EAM-Anteilen an die Städte und Gemeinden auch auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Dort fielen bis zu sieben Sitze an die neuen Teilhaber, genausoviele Altaktionäre verlören ihren Sitz im Aufsichtsrat, in dem derzeit in dem Vorsitzenden und Ex-Landrat Robert Fischbach und seiner Nachfolgerin Kirsten Fründt gleich zwei Vertreter unseres Landkreises sitzen.

von Michael Agricola

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