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Kreis lässt Auto von Abschleppunternehmen umparken - Hund noch drin

Tierschutz Kreis lässt Auto von Abschleppunternehmen umparken - Hund noch drin

Weil sie ihren Hund nicht in der Sonne schwitzen lassen wollte, parkte eine Rauschenbergerin ihr Auto unter einem Baum, um „kurz“ etwas im Landratsamt zu erledigen. Eine Entscheidung mit Folgen.

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Weil sie „nur kurz“ etwas im Landratsamt erledigen wollte, parkte eine Frau ihr Auto auf einem nicht ausgeschriebenen Parkplatz, so dass ihr Hund nicht in der Sonne schwitzen musste.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Elke Herwig ist sauer. „Das ist reine Schikane!“, sagt die Rauschenbergerin über das, was sie bei ihrem letzten Besuch im Landratsamt erlebt hat.

Dort will die 54-Jährige eigentlich „nur kurz“ eine Kopie beim Bauamt abholen. Wie immer hat sie ihren Hund dabei, einen „Kangal“, ein türkischer Herdenschutzhund, der als Welpe von seinem Halter zum Kampfhund ausgebildet wurde und den Herwig selbst als „brandgefährlich“ beschreibt. Heißt: „Er geht auf alles drauf, was sich bewegt.“

Statt ihn an dem Eingang des Landratsamts festzubinden, will sie ihn deshalb im Auto lassen. Doch auf dem Parkplatz des Landratsamts findet sie keinen Schattenplatz. Es ist ein sonniger und sehr warmer Sommermorgen und so beschließt sie, ihr Auto unter einem Baum auf einer Wiese vor dem Eingang des Landratsamtes zu parken – ein Fehler, wie sich später herausstellt.

Aus ein paar Minuten weden eineinhalb Stunden

Denn als sie das Gebäude nicht, wie geplant, nach wenigen Minuten, sondern erst nach eineinhalb Stunden verlässt und zum Parkplatz zurückkehrt, hängt ihr Auto bereits am Haken eines Abschleppunternehmens.

„Der Hund hat gebellt und versucht, aus dem Auto rauszukommen. Sowas verstößt doch ganz klar gegen den Tierschutz!“, echauffiert sich Herwig noch jetzt, knapp eine Woche nach dem Ereignis, im Gespräch mit der OP. „Außerdem stand da nirgendwo ein Schild mit ‚Parken verboten‘ unter dem Baum.“

Das sieht das Landratsamt anders. Die Grünfläche, auf der Elke Herwig ihr Auto abgestellt habe, sei weder als Parkplatz gedacht noch als solcher ausgewiesen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, die der OP vorliegt. Die Kreisverwaltung habe daher mehrere Male versucht, die Fahrerin per Lautsprecherdurchsage im Hause oder der auf dem Auto angebrachten Telefonnummer ausfindig zu machen und sah sich letztendlich dazu gezwungen, ein Abschleppunternehmen zu benachrichtigen.

Landkreis-Sprecher Dr. Markus Morr erklärt, dass nach Rücksprache mit der Polizei, dem städtischen Ordnungsamt und dem Tierheim das Auto mitsamt Hund auf einen schattigen Parkplatz umgesetzt werden sollte, den es, entgegen Herwigs Auffassung, durchaus gab.

Tierschützer warnen: Tiere nie im Auto lassen

Was ist dran an dem Vorwurf, dass das Vorgehen der Kreisverwaltung gegen das Tierschutzrecht verstößt? Ein Auto mit einem Hund im Innenraum darf tatsächlich  nicht abgeschleppt werden, heißt es in einer Stellungnahme des Deutschen Tierschutzbunds. Es bestehe die Gefahr, dass der Hund mit dem Auto in ein Lager gebracht und dort vergessen werde. Auch wird die Fahrt ohne Herrchen und Frauchen zusätzlichen Stress für das Tier verursachen, sagen die Tierschützer.

„Wenn das Auto nur ein paar Meter weiter versetzt wird, so wie es hier der Fall war, hält sich der Stress für das Tier natürlich in Grenzen“, räumt Tierschutzbund-Sprecher Marius Tünte gegenüber der OP ein. Die beste Lösung für das Tier sei es jedoch nicht. „Wir raten Hundehaltern generell davon ab, ihr Tier im Auto zu lassen“, so Tünte. Es gäbe zu viele Geschichten von Tieren, die qualvoll im Auto gestorben seien, wo ihre Besitzer sie eigentlich nur „ganz kurz“ alleine lassen wollten.

Das Auto als tödliche Falle
„Einen Hund bei wärmeren Temperaturen im Auto zurückzulassen ist völlig verantwortungslos“, warnt der Deutsche Tierschutzbund. Selbst wenn das Auto bei bewölkten Himmel oder im Schatten geparkt wird oder ein Fensterspalt offen bleibt, können die Temperaturen im Inneren des Fahrzeugs schnell auf mehr als 50 Grad ansteigen und zur tödlichen Falle für die Tiere werden. Außerdem muss immer bedacht werden, dass die Sonne wandern kann.

Wie ging es nun auf dem Parkplatz des Landratsamtes weiter? „Versuche, der Autofahrerin die Situation zu erläutern, schlugen leider fehl – sie war völlig uneinsichtig und wurde gegenüber den Mitarbeitern der Kreisverwaltung ausfallend und beleidigend“, so Morr.

Das streitet Herwig ab. Tatsächlich hätten sich die Mitarbeiter ihr gegenüber beleidigend verhalten – so beleidigend, dass sie sich nicht mehr daran erinnern könne, ob tatsächlich auf ihrem Handy, das sie im Auto liegengelassen habe, angerufen wurde. „Per Lautsprecheransage kam da jedenfalls gar nichts“, so Herwig.

"Ich bezahle nichts, ich habe ja keine Schuld"

Dass sie nun die Kosten des abgebrochenen Abschlepp-Auftrags tragen soll, sieht sie nicht ein. „Ich bezahle nichts, ich habe ja keine Schuld.“ Noch am gleichen Tag fährt sie zur Polizei, um wegen des Abschleppens Anzeige zu erstatten. Dort fühlt sie sich nicht ernst genommen. „Sie waren unfreundlich und haben nur so getan, als hätten sie meine Anzeige aufgenommen“, vermutet Herwig. Als sie darauf besteht, dass man ihr die Anzeige vorlegt, damit sie sie unterschreiben kann, legt man ihr ein blankes Blatt Papier vor. „Was soll ich denn da bitte unterschreiben?“, habe sie gefragt, woraufhin sie ein Polizist angeschrien habe, sie solle das Gebäude sofort verlassen. Als sie sich weigerte, habe er sie vom Stuhl gerissen und in Richtung Tür geschuppst, wobei sie ihre Schulter am Türrahmen gestoßen habe.

Polizeisprecher Martin Ahlich. erinnert sich an den Besuch von Elke Herwig. „Sie war sehr aufgebracht.“ Ob man sich ihr gegenüber tatsächlich so rüde verhalten habe, wie sie der OP berichtet, kann er nicht bestätigen. „Wenn die Dame das so behauptet, möge sie eine Strafanzeige erstatten“, tut Ahlich das Thema ab. Grundsätzlich sei es so, dass Abschleppen keine Straftat oder Ordnungswidrigkeit ist und deshalb nicht angezeigt werden könne. Ein Kollege habe den Sachverhalt aber schriftlich aufgenommen und bei der Staatsanwaltschaft vorgelegt, die über das weitere Vorgehen entscheiden wird.

von Ruth Korte

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