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Krebserregende Stoffe im Teddy

Stiftung Warentest: Zwei Drittel der Plüschtiere sind „mangelhaft“ Krebserregende Stoffe im Teddy

Vier Wochen vor der Bescherung warnt die Stiftung Warentest vor krebserregenden Stoffen in Plüschtieren. Der Marburger Spielwarenhändler Wieland Sulzer hält die Einwände für überzogen.

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Die Stiftung Warentest hat für ihre Dezember-Ausgabe 30 Plüschtiere untersuchen lassen und 21 davon mit „mangelhaft“ bewertet. Hauptgrund für dieses Ergebnis sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, die die Tester in den Kuscheltieren fanden.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es sei schon sehr verwunderlich, dass diese Testberichte stets in der Vorweihnachtszeit publiziert würden, unterstellt Sulzer der Stiftung Warentest gezielt das Weihnachtsgeschäft zu instrumentalisieren. „Was mich ärgert, ist, dass man eigene Testkriterien anlegt und nicht die bestehenden Normen zum Maßstab nimmt“, bemängelt der Marburger.

30 Plüschtiere untersucht, 21 davon „mangelhaft“

Die Stiftung Warentest hat für ihre Dezember-Ausgabe 30 Plüschtiere untersuchen lassen und 21 davon mit „mangelhaft“ bewertet. Hauptgrund für dieses Ergebnis sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, die die Tester in den Kuscheltieren fanden. „Das sind Farbstoffe, mit denen die Stofftiere eingefärbt werden“, erläutert Wieland Sulzer. Unter diesen Stoffen fanden die Tester auch Chrysen, das als krebserregend eingestuft wird, und Naphthalin, das als krebsverdächtig gilt.

Auf Initiative der Bundesregierung werde die Verwendung von Chrysen EU-weit beschränkt, allerdings erst ab dem 27. Dezember, also wenige Tage nach der Bescherung, kritisieren die Warentester. In der EU gilt dann ein Grenzwert von 0,5 Milligramm pro Kilogramm Spielzeug. Für ihre Untersuchung hatte Stiftung Warentest aber einen Grenzwert von 0,2 Milligramm zugrundegelegt, was der Empfehlung der Bundesregierung entspricht. Deutschland hatte sich auf EU-Ebene aber mit diesem niedrigeren Wert nicht durchsetzen können.

Holger Brackemann, der zuständige Bereichsleiter bei Stiftung Warentest, rät Eltern und anderen Spielzeugkäufern deshalb, beim Kauf die Plüschtiere „im Laden mit geschärften Sinnen zu betrachten“. Was auffällig rieche oder schlecht verarbeitet sei, davon solle man lieber die Finger lassen.  

„Kein Kind darf weltweit zu Schaden kommen“

Wieland Sulzer hält dem entgegen, dass die Produktsicherheit und das Wohl der Kinder für den Fachhandel oberste Priorität habe. „Kein Kind darf weltweit zu Schaden kommen“, versichert Sulzer und erinnert daran, dass mittlerweile 280 Stoffe gelistet würden, die nicht mehr bei der Spielzeug-Herstellung verwendet werden dürften.

Der Marburger Spielwarenhändler hält einen Teil der Vorgaben allerdings auch für völlig überzogen und benennt Beispiele für seine Kritik. So dürften Weichmacher, sogenannte Phthalate, seit einigen Jahren nicht mehr verwendet werden. Die dienten etwa dazu, Plastik nicht spröde werden zu lassen, das ansonsten brechen könne, was wiederum durch scharfe Kanten das Verletzungsrisiko erhöhe. Ein Test habe aber gezeigt, dass ein Kind das beanstandete Spielzeug 96 Stunden ununterbrochen im Mund haben müsse, um zumindest einen Messwert zu erzielen. Der freilich liege noch weit unter jedem Grenzwert.

An der Lebensrealität gehe auch ein anderes Verbot vorbei: So war bemängelt worden, dass Kabel innerhalb eines Elektromotors bei Lego-Spielwaren Weichmacher enthielten. Um mit den Kabeln in Berührung zu kommen, hätte der Motor allerdings zerstört werden müssen. Zugleich gebe es diese Beschränkungen für herkömmliche Elektrokabel aber nicht und auch in der Medizintechnik, etwa bei Infusionsgerätschaften, dürften Weichmacher verwendet werden.

Und mit Blick auf die jetzt in den Fokus gerückten PAK verweist Sulzer auf einen anderen Test, den der Spielwarenverband in Auftrag gegeben hatte. Untersucht worden war da allerdings ein Heft von Ökotest. Und das habe beim einmaligen Durchblättern schon mehr PAK freigesetzt als jedes Spielzeug.

Kunden sollten Spielzeug im Fachhandel kaufen

„Die Wirkung bei den Kunden ist gleich null“, glaubt Wieland Sulzer nicht, dass der aktuelle Beitrag von Stiftung Warentest negative Auswirkungen auf das anstehende Weihnachtsgeschäft haben wird. Er rät Kunden, Spielzeug im Fachgeschäft zu kaufen. Dort könnten sie auch sicher sein, Markenwaren zu erwerben. Und die seien, anders als viele illegale Imitate, bei deren Herstellung nur auf möglichst niedrige Kosten geachtet werde, sicher und unbedenklich.  

von Frank Rademacher

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