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Kranke kämpfen für Diabetes-Medikamente

Arzneimittel Kranke kämpfen für Diabetes-Medikamente

Leben mit Diabetes: In Marburg gibt es eine Selbsthilfegruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig helfen und über aktuelle Probleme diskutieren. Etwa den Zoff um die Wirksamkeit und Zulassung neuer Medikamente.

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Sich selbst Insulin – ein Hormon für die Steuerung des Zuckerstoffwechsels – zu spritzen gehört für Diabetiker zum Alltag. Derzeit tobt auch in Marburg ein Streit um neue Medikamente. Archivfoto

Marburg. Blutzucker messen, Insulin spritzen, mit Krankheitsfolgen leben lernen: Diabetes grassiert auch in Marburg. Nach Angaben des Statistischen Landesamts sind in Hessen in den vergangenen Jahren 2300 Männer und Frauen an den Folgen der Diabetes gestorben. In Marburg sterben demnach jährlich mehrere Dutzend - etwa 70 Patienten.

Die Zuckerkrankheit ist eine weitverbreitete dauerhafte Stoffwechselkrankheit. Verantwortlich dafür ist eine Störung des Insulinhaushaltes; Insulin ist das wichtigste Hormon zur Steuerung des Zuckerstoffwechsels im menschlichen Körper. Zur Aufklärung und Patienten-Information findet heute der 13. Hessische Diabetestag in Kassel statt. Die Veranstaltung des Landesverbandes Hessen vom Deutschen Diabetiker Bund will Raum und Zeit bieten, um aktuelle Probleme über die „Zuckerkrankheit“ zu diskutieren.

„Jeder zehnte Deutsche ist Diabetiker. Trotzdem ist man nicht in der Lage, Druck aufzubauen“, sagt Diabetologin Dr. Christine Hermann-Rinke.

Gemeint ist damit, dass für Patienten bessere Medikamente vom Gesundheitswesen nicht freigegeben werden. „Es ist nicht immer der böse Arzt, der den Patienten die Medikamente wegnimmt, sondern auch die Politik“, sagt Hermann-Rinke.

Ein neues Medikament names Dapagliflozin, dass einen besseren Wirkstoff enthält, wird von den Behörden nicht freigegeben, weil es günstigere Vergleichsprodukte auf dem Markt gibt. „Das ist ein erschreckendes Bürokratie-Beispiel“, sagt Hermann-Rinke.

Der hessische Landesvorsitzende Professor Hermann von Lilienfeldt-Toal sieht das Gesundheitswesen in der Verantwortung und fordert Verbesserungen.

Für viele an Diabetes erkrankte Menschen wären bessere Medikamente für den Alltag eine Erleichterung. Mitglieder einer Marburger Selbsthilfegruppe wären neuen Mitteln mit einer höheren Konzentration nicht abgeneigt. Wenn es denn Vorteile hätte, würde man diese akzeptieren. Man vertraue schließlich dem Rat des Arztes.

„Am besten ist es, sich gut und rechtzeitig zu informieren“, sagt Hermann-Rinke. Die Marburger Selbsthilfegruppe, die seit zehn Jahren besteht, bietet die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Rat von Ärzten zu erhalten. „Ich finde es erstaunlich, dass über so viele Jahre hinweg immer noch Interesse bei den Leuten besteht“, sagt Hermann-Rinke.

„Die Krankheit lässt beim Patienten Schuldgefühle aufkommen, weil sie nicht als Schicksal empfunden wird. Ein höheres Gewicht entspricht auch einer höheren Diabetes-Gefahr“, sagt sie.

von Matthias Weber

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