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Kranke Eiche muss gefällt werden

Naturdenkmal Kranke Eiche muss gefällt werden

Die alte Eiche an der Friedrichstraße 24 wird gefällt. Ein Baum-Sachverständiger rät zur Fällung, weil die Standsicherheit bei starkem Wind nicht mehr gewährleistet ist.

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Bürgermeister Dr. Franz Kahle (rechts) und Naturschutzbeirats-Vorsitzender Professor Hans Bohle (Zweiter von rechts) sowie Baumpfleger Dieter Happel (links) vor der Eiche. Fotos: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Das tut einem in der Seele weh“, meint Dieter Happel vom Fachdienst Stadtgrün über die bevorstehende Fällung der rund 250 Jahre alten Eiche auf einem Gartengrundstück an der Friedrichstraße 24. Die Stadt ist mit der Zukunft des auf einem dem Land Hessen gehörenden Grundstück stehenden Baum befasst, weil die Eiche eines von 13 ausgewiesenen Naturdenkmalen in Marburg ist.

Bei einem Pressegespräch vor Ort erläuterte Happel gestern, dass an der alten Eiche bereits im Jahr 1998 bei Routinekontrollen der Pilzbefall entdeckt worden sei: Der Baum ist vom „Tropfenden Schillerporling“ befallen, einem aggressiven Pilz, der verantwortlich für den sehr weit fortgeschrittenen Fäulnisprozess im Wurzelbereich sei. Dieses habe dazu geführt, dass es an den Wurzeln und am Stamm in Bodennähe einen massiven Holzabbau gegeben habe. Der Stamm ist innen ausgehöhlt, und die tragenden Wurzeln sind laut Happel so ausgetrocknet, dass sie bei starkem Wind in Orkanstärke nicht mehr ihre Pfeilerfunktion wahrnehmen könnten.

Bereits im Jahr 2005 und 2009 war die Baumkrone gestutzt worden, um so für einen geringeren Wind-Widerstand zu sorgen. So hat der Baum, der früher 30 Meter hoch war, jetzt nur noch eine Höhe von 24 Metern. Damals hatte man noch gehofft, dass man den Pilzbefall unter Kontrolle behalten könne.

Doch im Februar dieses Jahres hatte Happel bei einer Baumkontrolle bemerkt, dass der Pilz jetzt zu einer besonders starken Wurzelfäule beigetragen hat. Die Empfehlung des Baumsachverständigen Thomas Sinn lautet, dass der Baum auch aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss, erläuterte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne).

Schnelles Handeln ist jetzt ais Kahles Sicht notwendig, und zwar bevor die Eiche in diesem Frühjahr Laub austreibt. Und so soll ein Fälltermin bereits in der kommenden Woche gefunden werden. „Es ist sehr bedauerlich, dass dieser markante Baum ganz verschwindet“, sagte Professor Hans Bohle, der Vorsitzende des Marburger Naturschutzbeirates.

Schließlich erinnert der Baum an die Zeit, als es das Südviertel noch nicht gab und an dieser Stelle vor den Stadttoren Landwirtschaft betrieben worden sei. Aber auch die weitere Kappung der Baumkrone, um zumindest noch eine Baumruine als Erinnerung an das Denkmal stehen zu lassen, mache aus Sicht des Beirats wegen der nicht gesicherten Standfestigkeit keinen Sinn. 13 Naturdenkmäler , alle 1970 oder 1971 von der Oberen Naturschutzbehörde (Regierungspräsidium Gießen) ausgewiesen, gibt es derzeit in Marburg (siehe auch Grafik rechts):

1) ein Türkischer Haselnussbaum (Kapelle am Friedrich-Siebert-Weg), 2) ein Türkischer Haselnussbaum (Paul Ehrlich-Weg/Götzen­hainweg, 3) zwei Lärchen (Schlosspark), 4) eine Fichte (Am Wilhelmsbau, Schloss), 5) ein Türkischer Hasel­nussbaum (An der Löwentreppe), 6) eine Rosskastanie (Barfüßertor 18), 7) eine Linde (Universitätsstraße 48), 8) eine Eiche (Friedrichstraße 24), 9) Gruppe Lebensbäume (Friedhof Wehrda, 10) Lärchen (Grundschule Wehrda), 11) eine Steineiche (westlich von Dagobertshausen), 12) eine Linde (Friedhof Elnhausen), 13) eine Winterlinde (Friedhof Wehrshausen).

von Manfred Hitzeroth

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