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Kosmetik für Kosmetikratgeber

„Curiöser Hautdiener“ Kosmetik für Kosmetikratgeber

Nach erfolgreicher Restaurierung ist das Buch „Curiöser Hautdiener“ von Tobias Vogel aus dem Jahr 1690, einer der ersten Kosmetikratgeber in deutscher Sprache, wieder benutzbar.

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Dr. Bernd Reifenberg von der Universitätsbibliothek der Philipps-Universität Marburg präsentiert das frisch restaurierte Buch „Curiöser Hautdiener“ aus dem Jahr 1690.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es passte mit seinem ungewöhnlichen Hochformat in jede Frauenhandtasche und hatte mit 761 eng beschriebenen Seiten einen hohen Nutzwert. Tobias Vogels Buch „Curiöser Hautdiener: vorstellend der menschlichen Haut Schönheit und Heßligkeit; wobei zu deren Erhaltung und Verbesserung dienliche Mittel vorgeschlagen werden“ aus dem Jahr 1690 war einer der „Trendsetter, aus dem andere Publizisten noch ein ganzes Jahrhundert abschreiben sollten“. Dies erläutert Dr. Sabine Sander in einem Aufsatz unter dem Titel „Ärzte im Dienste der Schönheit“ .

Tobias Vogel, der damalige Hofarzt in der thüringischen Stadt Greiz, fasste in seinem Standardwerk unter anderem Rezepturen zur häuslichen Herstellung von Haarfärbemitteln oder zur Beseitigung von Körpergerüchen zusammen, ebenso wie Anleitungen zur Herstellung von Seifen und Parfüms. Rund um die Themen Hautpflege und Kosmetik entstand so ein Bestseller, der sich auch heute nicht nur aus kulturhistorischer Sicht gut lesen lässt.

Im Jahr 1800 erwarb die Marburger Universitätsbibliothek (UB) ausweislich eines Stempels ein Exemplar des „Curiösen Hautdieners“. Doch der Lauf der Jahrhunderte und wohl der vielfältige Zustand setzten dem Buch zu. „Es war in einem grässlichen Zustand“, macht UB-Mitarbeiter Dr. Bernd Reifenberg deutlich. Nicht nur hatte sich der Einband des Buches komplett gelöst. Auch gab es am Anfang und Ende des Buchs viele lose Seiten und zudem auch einige fehlende Seiten.

Drei Paten für Restaurierung gefunden

Kurzum: Der Kosmetikratgeber bedurfte insgesamt einer umfassenden „buchkosmetischen“ Erneuerung. So kam Vogels Buch auf eine Liste von Sorgenkindern der Uni-Bibliothek, in der um Buchpatenschaften geworben wurde. Denn die notwendige Spezialrestaurierung ließ sich durch die UB nicht aus dem laufenden Etat bezahlen, sondern musste ausgelagert werden.

Schließlich fanden sich drei Paten: die Hautmedizinerin Dr. Hannelore Mittag vom Uni-Klinikum sowie Manfred und Adèle Kionke. Mittag hatte das Buch bereits vor einigen Jahren während der Recherche-Arbeiten für eine Ausstellung zum Thema Haut entdeckt und damals bereits auf den beklagenswerten Zustand des Exemplars hingewiesen.

Die drei Paten übernahmen gemeinsam die notwendige 
Summe von 2500 Euro. „Es ist ideal, wenn unsere Buchpaten für ihr Buch ein besonderes 
Interesse haben“, erklärt Dr. Bernd Reifenberg. Die Restauratorin Barbara Hassel übernahm für die Uni-Bibliothek die Restaurierung des Buchs, was in einem Dokumentationsbericht festgehalten wurde.

Jetzt ist der „Curiöse Hautdiener“ prinzipiell wieder ausleihbar, wenn auch wegen seines hohen Alters nur in einen Spezial-Lesesaal. Besonders für 
Experten ist es wichtig und 
interessant, dass das Buch wieder benutzbar ist.
Für das genauere Studium des Inhalts sind übrigens alle Seiten komplett digitalisiert.

von Manfred Hitzeroth

 
Hintergrund

„Unsere Schätze sind in Gefahr“: Mit diesen Worten wird in einem Flyer der Marburger Uni-Bibliothek Alarm geschlagen. Darin wird dafür geworben, wertvolle und seltene Bücher für die Zukunft zu erhalten. Bereits bei der Gründung der Marburger Universität wurde auch die Uni-Bibliothek eingerichtet.

Der wertvollste Teil der Bücher umfasst heute etwa 7500 Werke, die in einem eigens gesicherten und klimatisierten Sondermagazin untergebracht sind. „Der jahrhundertelange Gebrauch ist nicht ohne Folgen für die Bücher geblieben“, heißt es in dem Flyer. Viele Bücher und Handschriften bedürften dringend konservatorischer und restauratorischer Maßnahmen.

Für potenzielle Buchpaten gibt es eine Liste mit zur Restaurierung anstehenden Büchern auf der Homepage www.uni-marburg,de/bis. Weitere Informationen: Dr. Bernd Reifenberg, Telefon 06421 / 282510.

 
Wieder in gutem Zustand befindet sich das Buch aus dem Jahr 1690 aus dem Bestand der Uni-Bibliothek. Foto: Tobias Hirsch
 
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