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Konzept soll bis Sommer stehen

Altenhilfe Konzept soll bis Sommer stehen

Bis zum nächsten Sommer soll der Magistrat nach den Vorstellungen des Sozialausschusses sein überarbeitetes Konzept für die Zukunft der Marburger Altenhilfe vorlegen.

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Noch immer diskutiert die Kommunalpolitik in Marburg über die Zukunft der Altenpflege in Marburg. Jetzt soll bis zum Sommer ein Konzept her.

Quelle: Sven Hoppe

Marburg. Ausdrücklich besteht der Ausschuss darauf, dass der Magistrat das Konzept mit der Heimaufsicht abstimmt, mögliche Standorte bewertet und die Auswirkung auf die Wirtschaftlichkeit der Marburger Altenhilfe beurteilt.

Hintergrund: Das nach mehr als fünf Jahren Diskussion 2015 vom Stadtparlament beschlossene „Marburger Modell“ war von der Pflegeaufsicht beim Regierungspräsidium zurückgewiesen worden. Dieses Modell sah ein Nebeneinander von Hausgemeinschaften wie in Cölbe und klassischen stationären Pflegeangeboten auf derselben Etage vor. Die Pflegeaufsicht hatte dies, so Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, vor allem deswegen abgelehnt, weil beide Betreuungsformen - ambulante und stationäre Pflege - unterschiedliche Mindestanforderungen haben.

„Ein Nein der Heimaufsicht zu einem Konzept heißt Nein“, sagte Spies mit Bezug auf einen Berichtsantrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, die wissen wollten, inwiefern sich die neuen Überlegungen zur Zukunft der Altenhilfe mit dem Parlamentsbeschluss von 2015 decken. Im Klartext: Das damals beschlossene Nebeneinander unterschiedlicher Betreuungsformen auf gleichen Etagen ist nicht durchführbar. Räume und Personal dürften nicht gemeinsam von Bewohnern unterschiedlicher - und unterschiedlich finanzierter - Pflegeangebote genutzt werden.

Im September hatte Spies deswegen in einer Bürgerversammlung zwei alternative Konzepte vorgestellt und angekündigt, im Parlament darauf hinzuwirken, beide Alternativen durch den Magistrat prüfen zu lassen. Der Sozialausschuss beauftragte den Magistrat nun damit, diese zwei alternativen Varianten zu prüfen - das Parlament muss am kommenden Freitag noch zustimmen.

In der Sudetenstraße entstehen vier Hausgemeinschaften mit jeweils 12 Plätzen in den ersten vier Etagen. Im dritten Block der unteren vier Etagen werden die bisherigen Plätze in Mietwohnungen umgewandelt. In den Geschossen fünf und sechs sind 32 Plätze in der klassischen stationären Pflege vorgesehen, die nach und nach abgebaut werden können, wenn der Bedarf dafür nicht mehr vorhanden ist. „Wir wollen flexibel sein“, sagte Spies, „und soviel stationäre Pflege wie nötig und so viel ambulante Pflegeformen wie möglich anbieten.“

Alternativ sollen in der Sudentenstraße Plätze für umfassend betreutes Wohnen ohne stationären Heimaufenthalt entstehen, darüber hinaus im Erdgeschoss ein Beratungs- und Begegnungszentrum mit Café und Mittagstisch etabliert werden. Außerdem fänden hier ein ambulanter Dienst der Marburger Altenhilfe St. Jakob und eine Tagespflege Platz. Die Stockwerke drei bis sieben könnten komplett vermietet werden.

Parallel sollen auf dem Vitos-Gelände Wohngruppen nach dem Hausgemeinschafts-Prinzip für intensiv pflegebedürftige Menschen entstehen. Kooperationen zu nahegelegenen Sozialeinrichtungen wie Aura, Vitos-Klinik und Kindertagesstätte sollen entwickelt werden.

Ob der vom Sozialausschuss geforderte Zeitplan zu halten ist, konnte Spies nicht zusagen. Das hänge auch von der Heimaufsicht beim RP ab. Spies kündigte aber an, man werde sich „zeitnah“ zu einem Gespräch mit der Heimaufsicht zusammensetzen.

Der CDU-Altenhilfeexperte Joachim Brunnet übte scharfe Kritik an der jahrelangen Diskussion um Konzepte, die schlussendlich jetzt von vorne losgehe. Die Marburger Altenhilfe habe dadurch Einnahmeverluste in Millionenhöhe gehabt. Die CDU habe immer gefordert, die Wirtschaftlichkeit der diskutierten Konzepte zu prüfen. Dass dies „jetzt endlich“ auch die Haltung der anderen Fraktionen sei, begrüßte Brunnet. Die CDU hatte in den Dauerdebatten der vergangenen Jahre stets eine Mindestgröße von 80 stationären Pflegeplätzen als Voraussetzung für wirtschaftlichen Betrieb angenommen. SPD und vor allem Grüne konzentrierten sich in ihren Konzepten auf Alternativen zur stationären Heimpflege.

von Till Conrad

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