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Kontroverse um Vegan-Speisen

Marburger Mensa Kontroverse um Vegan-Speisen

Kritik am Speiseplan der Mensa: Studenten fordern mehr Angebote an veganem Essen. Sie sammeln Rezepte – doch das Studentenwerk ist skeptisch, was die Nachfrage 
angeht.

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Johanna Kuhl und Philipp Schlegel vom Asta-Umweltreferat schauen sich die Speise-Auslage an.

Quelle: Suria Reiche

Marburg. Zu selten, zu teuer und zu oft das Gleiche – die Mitglieder des Umweltreferats haben viel zu kritisieren am veganenen Essen in der Mensa.

„Jeder, der kontinuierlich versucht, in der Mensa vegan zu essen, wird merken, dass das nur mittwochs möglich ist“, sagt Johanna Kuhl. Und selbst an diesem veganen Tag ist laut der 23-Jährigen viel zu bemängeln: „Ein sehr auffälliges und oft kritisiertes Manko sind die Pfannengerichte. An drei von vier Mittwochen im Monat gibt es die. Und sie unterscheiden sich weder optisch noch geschmacklich voneinander.“

Würde es nach den Mitgliedern des Umweltreferats gehen, müsste es möglich sein, an jedem Tag der Woche vegan zu essen – und zwar abwechslungsreich.

Doch das sei gar nicht so einfach, sagt Martin Baumgarten (Foto: Reiche). Seit mehr als zehn Jahren arbeitet der 51-Jährige in den Verpflegungsbetrieben. Er ist täglich mit der Speiseplanung beschäftigt. Und das, was er in der Mensa anbietet, ist „alles andere als Einheitsbrei“.

Trotzdem sieht er einige Probleme, wenn er daran denkt, in einer Großküche vegan kochen zu müssen. Angefangen bei den Standzeiten der Gerichte, also wie lange man sie in der Auslage stehen haben kann, ohne dass sie unappetitlich aussehen. Wenigstens zwanzig Minuten muss das laut Baumgarten der Fall sein.

„Aber wenn ich beispielsweise bei einem veganen Gericht mit brauner Sojasoße gearbeitet habe, sieht es schnell grau aus.“ Wenn man sich mit veganer Ernährung beschäftige, wisse man, dass es, wenn man es nicht richtig mache, „eine Mangelernährung ist“.

Um sich gesund vegan zu ernähren, müsse man eine Menge wissen. Zum Beispiel, dass man viel mit Nüssen arbeiten müsse. „Aber wenn ich Nüsse in die Speiseplanung aufnehme, dann wird’s teuer.“

Mensa und teuer – das passe nicht zusammen, finden auch die Mitglieder des Umweltreferats. Schon sind sie der Meinung, dass das vegane Essen in der Mensa im Vergleich mit den anderen Gerichten zu viel kostet. „Wir können es nicht nachvollziehen, dass ein veganer Salat genau das Gleiche kostet wie ein Schnitzel mit Salat und Pommes.“

„Veganes ist kein Renner“

Verantwortlich für die Preise in der Mensa sind Richtlinien. „Nach denen wird bei uns jedes Essen kalkuliert“, sagt Baumgarten. Natürlich gäbe es da teure und günstige Gerichte. Manchmal seien die Ersatzstoffe beim veganen Essen, etwa Bio-Räuchertofu, teurer.

Preis hin oder her, der entscheidende Punkt in der ganzen Diskussion sei, dass „uns von der Mensa-Leitung gesagt wurde, dass es gar nicht so viele vegane Gerichte gäbe, um immer verschiedene anzubieten“, sagt Kuhl. Die Studenten suchen nun nach möglichen Rezepten. „Wir wollen zeigen, dass es mehr als nur ein Gericht ohne tierische Fette gibt.“

„Unglaublich viele Zuschriften gibt es schon“, sagt sie. Baumgarten entgegnet, dass das vegane Essen „kein Renner“ sei. Nur die wenigsten würden zu den Gerichten ohne tierische Eiweiße greifen. Im Gegenteil, Verkaufsschlager seien Schnitzel. Jedoch: „Wir bieten an, was die Kunden haben wollen – und wenn man uns nur lobt, wäre es ja auch blöd.“ Sobald er Vorschläge bekomme, werde er sie auf Großküchentauglichkeit prüfen.

von Suria Reiche

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