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Kontroverse Debatte über Flüchtlings-Camp

Ringvorlesung Kontroverse Debatte über Flüchtlings-Camp

In der Ringvorlesung „Konflikte in Gegenwart und Zukunft“ hat die Gießener Kulturwissenschaftlerin Melanie Hartmann über das Thema „Räume des Politischen: Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland“ referiert.

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Interessiert verfolgten die Besucher Vortrag und Diskussion.

Quelle: Melchior Bonacker

Marburg. Das Wort Raum dominierte den Vortrag: Hartmann griff den Raumbegriff der Soziologin Martina Löw auf, also den Raum als veränderliche Anordnung von Menschen und Dingen. In diesem Raum entstehen, so Hartmann, drei Spannungsfelder. Macht und Gegenmacht, Herrschaft und Widerstand und Entgrenzungen gegenüber Ein- beziehungsweise Abgrenzungen. Aus der Abgrenzung sei die mentale Einteilung der Flüchtlinge in „gut“ und „schlecht“ entstanden, die dafür sorge, dass „schlechte“ Flüchtlinge, also jene Migranten ohne Nutzen für den Staat, diskreditiert werden, indem sie als „potenzielles Risiko“ oder „Gefahr für unsere Werte“ bezeichnet werden.

Nachdem Hartmann kurz die Situation der Flüchtlinge zusammengefasst hatte, wenn diese nach Deutschland kommen, wies sie auf die sozialen Produkte der Lager hin: Grenzziehung, Exklusion und Marginalisierung seien an der Tagesordnung, Politik werde als Ereignis wahrgenommen. Allerdings seien die Räume oft auch nur eine temporäre Fixierung, die von Flüchtlingen selbst umstrukturiert werden könnten.

Die anschließende Diskussion unter der Leitung von Dr. Johannes M. Becker entwickelte sich schnell zu einer Debatte über die Zustände in Flüchtlingsunterkünften in der Region. Nach der ersten Wortmeldung kam es zu teils kontroversen Plädoyers, da in dieser die Situation im Cappeler Flüchtlings-Camp mit der in einem Ghetto verglichen wurde. Die Migranten seien dort als Gruppe eingesperrt, das Camp sei abgeriegelt und es gebe eine Wachmannschaft, hießen die Argumente für einen solchen Vergleich.

Kontakte sind möglich

Dazu meldete sich unter anderem eine Frau, die das Camp öfter betritt - somit also die Abriegelung relativierte. Schließlich einigten sich die Diskussionsteilnehmer darauf, dass es zwar schwierig, aber machbar sei, Kontakte zu knüpfen. Wenn jedoch aufgrund der Kommunikationsprobleme keine Kontakte zustande kämen, sei der Zustand nicht hinzunehmen.

Ein weiteres großes Diskussionsthema war die vermeintliche „Enttäuschung“ der Flüchtlinge über die Lebensbedingungen in Deutschland. Dazu erzählte die Referentin von ihren Erfahrungen, die insbesondere in Erstaufnahmelagern durchweg positiv gewesen seien. Sie könne sich allerdings auch vorstellen, dass es zu Unzufriedenheit führen könne, wenn man monatelang in ein und demselben Lager festsitze.

von Melchior Bonacker

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