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Kontrollierte Sprengung ist erfolgreich

Bombenfund in Marburg Kontrollierte Sprengung ist erfolgreich

Ohne Zwischenfälle verlief am Mittwoch die Sprengung der Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die unterhalb von Spiegelslust entdeckt worden war.

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Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes vom Regierungspräsidium Darmstadt zeigt die Stelle, wo die amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gelegen hatte.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Um 11.07 Uhr war es so weit: Eine Sprengladung, die oberhalb des Blindgängers angebracht war, sprengte die Bombe per Funkauslösung. Das Ganze ereignete sich mitten im Wald schräg unterhalb des Aussichtspunktes Spiegelslust. Am Gemeinschaftshaus der Ortenberggemeinde hörte man von der Sprengung nur ein relativ leises Plopp. „Es hörte sich an wie ein Schuss“, meint Polizeisprecher Martin Ahlich, der dort direkt an der Absperrung stand. In einem Umkreis von 500 Metern war aus Sicherheitsgründen alles abgesperrt. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes vom Regierungspräsidium Darmstadt hatten derweil die kontrollierte Sprengung von oberhalb der Bombenfundstelle am Kaiser-Wilhelm-Turm ausgelöst und sich dann unmittelbar danach von der Wirkung überzeugt. Zu dem Team gehörten zwei Experten aus Darmstadt sowie neun Mitarbeiter von Spezialfirmen.

Und es lief sogar besser, als die Experten erwartet hatten. Das erläuterte Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes, der OP gegen 13 Uhr direkt an dem Bombenfundort.

Dort sah man mitten in einem Waldstück zwischen zwei Wanderwegen unterhalb eines mit einem roten Kreuz markierten Baumes ein rund ein Meter tiefes Loch. Dort hatte sich die amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, wohl ein Relikt aus den Bombenangriffen auf den Marburger Hauptbahnhof, befunden. Sie war bei Routineuntersuchungen einer Spezialfirma im Auftrag des Kampfmittelräumdienstes mithilfe eines Magnetometers geortet werden. Unter anderem aufgrund der steilen Hanglage hatten sich die Kampfmittelräumer dazu entschieden, direkt oberhalb der Bombe einen mit 20000 Litern Wasser gefüllten Sack zu platzieren. Das Wasser war von einem Hydranten am Kaiser-Wilhelm-Turm aus von Einsatzkräften der Feuerwehr mit Schläuchen dorthin geleitet worden. Der Wassersack sollte bei der kontrollierten Sprengung als Dämmung dafür sorgen, dass wenig gefährliche Nebeneffekte eintreten. Der Zünder der Bombe war nicht zugänglich und konnte deswegen nicht ausgebaut werden.

Eine Bombe mit 25 Kilogramm Sprengstoff

„Die Sprengung war erfolgreich. Sämtliche Teile der Bombe wurden gefunden. Es hat alles gut geklappt“. Mit diesen Worten gab der Einsatzleiter der Aktion aus dem Einsatzzentrum an der Hauptfeuerwache gegen 12.45 Uhr Entwarnung.

Nach Angaben von Gerhard Gossens war das Objekt rund 75 Zentimeter lang und hatte einen Durchmesser von 25 Zentimetern. Die Bombe wog 50 Kilogramm und war mit rund 25 Kilogramm Sprengstoff gefüllt. Nach der Sprengung waren der Bombenkörper sowie einige scharfkantige Splitter von den Experten entdeckt worden. Eine Streuung der Splitter wurde aber verhindert. Die Explosion war längst nicht so heftig wie befürchtet.

Der Kampfmittelräumdienst hat am Mittwochvormittag erfolgreich eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der "Spiegelslust" entfernt.

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Die Evakuierung von rund 600 Ortenbergern war seit acht Uhr morgens erfolgt. „Das lief reibungslos“, freute sich Christian Prölß, Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Genauso reibungslos verlief der Vormittag an der Uni-Psychiatrie am Ortenberg, wo Mitarbeiter und Patienten nicht ins Freie gehen durften. „Dank der umfassenden Information der Patienten und Angehörigen durch die Ärzte und Pflegekräfte vor Ort war von einer Ausnahmensituation quasi nichts zu spüren“, bilanzierte Christine Bode von der Pressestelle des Uni-Klinikums.

Nur wenige Anwohner nutzten beim sonnigen Wetter das Angebot, Zuflucht im Haus der Ortenberggemeinde zu finden. Drei ältere Damen, Renate Will, Christa Müller und Ilsemarie Walter, waren aber in das Gemeinschaftshaus gekommen. „Ich habe noch extra die Rollos zuhause runtergemacht“, berichtete Renate Will über ihre häuslichen Vorsichtsmaßnahmen. Relativ entspannt war Ilsemarie Walter. „Im Krieg haben wir schließlich mitbekommen, wie wirklich Bomben abgeworfen wurden“, sagte sie.

von Manfred Hitzeroth

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