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Konsumkritikerin plant Reparier-Café in Cappel

Kontra Konsumwahn Konsumkritikerin plant Reparier-Café in Cappel

Basteln und flicken statt wegwerfen und neu kaufen: In Cappel soll bald ein „Repair Café“ entstehen, um vermeintlich Kaputtes wieder funktionstüchtig zu machen.

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Wenn etwa einem Plattenspieler die Puste ausgeht, will Anja Döringer-Zährl dafür sorgen, dass dieser nicht auf dem Müll, sondern vor den Händen der Helfer eines neuen „Repair Cafés“ in Cappel landet.

Quelle: Alexander Graf

Cappel. Der Föhn gibt den Geist auf, der CD-Spieler streikt, der Küchenstuhl knarzt: Weltweit werden Unmengen an kaputten Elektrogeräten, Möbeln oder Fahrrädern entsorgt und im Anschluss neu gekauft – einfach und schnell im Internet. Eine Reparatur der Gegenstände wäre aber oft noch möglich doch unter Umständen teurer als ein Neukauf.

In „Repair Cafés“ können Gäste zusammen mit freiwilligen Helfern ihre Sachen wieder instand setzen. Die Idee wird weltweit zunehmend praktiziert – etwa in Cölbe – bald auch in Cappel.

„Wir wollen dem Konsumwahn etwas entgegentreten. Es ist schade, dass so oft Ruck zuck weggeworfen wird“, sagt Anja Döringer-Zährl. Sie ist eine der Organisatoren, die das Konzept „Repair Café“ in Cappel installieren wollen.

Umweltschonend, Ressourcen sparsam einsetzen, Besinnung auf die Dinge, die man bereits besitzt und lange nutzbar sein können, wenn man sie pflegt, mit ein paar Handgriffen repariert: Im Jahr 2009 wurde in den Niederlanden das erste „Repair Café“ organisiert und von da an trat das Konzept einen regelrechten Siegeszug an. Inzwischen gibt es mehr als 500 Cafés weltweit, Dutzende sind in der Bundesrepublik gegründet worden.

Voneinander lernen

Das Cappeler Konzept sieht vor, dass einmal im Monat – voraussichtlich an einem Samstagnachmittag – die ehrenamtlichen „Reparierer“ ihr Können und Wissen im Sitzungssaal der Verwaltungsaußenstelle zur Verfügung stellen. Bei Kaffee und Kuchen reparieren sie dann gemeinsam mit den Teilnehmern deren kaputte Geräte. „Das geht natürlich nicht bei allen Geräten oder Möbeln, aber fast immer lässt sich was machen“, sagt Döringer-Zährl.

Deshalb sei von Seiten der Teilnehmer auch eine Anmeldung nötig, so könne man im voraus besser planen. Für die Arbeit der Helfer könne im Anschluss eine Spende gegeben werden. Wichtig sei bei der ganzen Veranstaltung die Atmosphäre. „Es sollen Leute aus verschiedenen Altersschichten und mit verschiedenen Fähigkeiten zusammenkommen und voneinander lernen. Das ist auch eine unserer Absichten.“

In Cölbe werde das 
dortige „Repair Café“ äußerst positiv angenommen. Besonders beeindruckt habe sie dort, wie zwei alte Damen an der Nähmaschine saßen und mit großer Freude kaputte Hosen der Teilnehmer flickten – „reparieren kann also Spaß machen“. Ziel sei es, in allen Marburger Stadtteilen ähnlich erfolgreiche Ableger aufzubauen.

Als Konkurrenz zu Fachgeschäften, die Geräte wieder instand setzen, sehen sich Organisatoren von „Repair Cafés“ nicht. Erfahrungsgemäß sei die Klientel eine, die in der Tat Gegenstände eher wegwirft als diese etwa einzuschicken.

von Alexander Graf

 
 Helfersuche
Für die Umsetzung der Pläne werden noch weitere Helfer benötigt. „Bei uns ist jeder willkommen, der sich einbringen will“, bekräftigt Döhringer-Zährl. Freiwillige können sich bei ihr unter der 06421/42920 oder der 0174/5221084 melden.
 
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