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Kommissar berichtet über Rotlichtmilieu

Vortrag Kommissar berichtet über Rotlichtmilieu

Über Sexualverbrechen und die Abgründe der menschlichen Natur sprach Kriminalhauptkommissar und Autor Toni Feller am Freitag im Welcome-Hotel.

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Kriminalkommissar Toni Feller berichtete im Welcome-Hotel bei seinem Vortrag über seine Arbeit als Ermittler im Rotlichtmilieu und bei Sexualstraftaten.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Vom kriminellen Sumpf des Rotlichtmilieus, sexualisierter Gewalt, über ruchlosen Menschenhandel bis zum schockierenden Mordfall - als langjähriger Ermittler beim Sittendezernat und in der Mordkommission Karlsruhe hat Toni Feller unzählige Sexualdelikte bearbeitet und die ganze erschreckende Palette an Verbrechen mit sexuellem Hintergrund erlebt.

Offen berichtete er über abstrakte wie spektakuläre Fälle aus seiner 26-jährigen Dienstzeit. Als klassisches Betätigungsfeld der Sitte tauchte Feller bereits als blutjunger Anfänger in die Welt der Prostitution und des Menschenhandels ein. Nach seinen Erfahrungen gebe es eine große Bandbreite an Prostituierten - von der erfolgreichen Escortdame über freiberuflich tätige Professionelle bis zur unterdrückten Sex-Sklavin, die mit Gewalt in das Gewerbe gezwungen wurde.

Nicht alle Prostituierten sind "Sex-Sklavinnen"

Mit am schlimmsten betroffen seien die von kriminellen Schleusern in den Westen verschleppten und zur Prostitution zu Billiglöhnen gezwungenen Frauen aus Osteuropa. Diese würden von ihren Peinigern in der Regel durch gezielte Massenvergewaltigung gefügig gemacht, „damit sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie weglaufen“, erklärte der erfahrene Ermittler. Mit Lügen, Drohungen oder Versprechen würden die Frauen „bei der Stange gehalten“. Zudem würden sie unter Druck gesetzt vom Zuhälter, der die Frauen abkassiere und mundtot mache - was die polizeilichen Ermittlungen im Milieu massiv erschwere. „Die Frauen haben einfach Angst. Zuhälterei oder Menschenhandel zu beweisen ist ganz ganz schwierig.“

Daneben gebe es jedoch ebenso „viele Frauen, die ihr Geschäft als normalen Beruf ansehen - es sind nicht alles Sex-Sklavinnen“, so der Polizist, der schätzt, dass etwa 20 Prozent der Prostituierten als Freiberufler tätig seien.

Neben dem horizontalen Gewerbe machte Feller in seiner Laufbahn zunehmend Erfahrungen mit Sexualstraftaten, die sich rasant über das Internet verbreiten. Über einige dieser Fälle berichtete Feller bei seinem Vortrag im Rahmen der „Criminale“. Dabei handelte es sich beispielsweise um die Ermittlungen nach einem in der Schule kursierenden Video, das grauenhafte Sexualpraktiken zeigte.

von Ina Tannert

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