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"Kommissar Zufall" schlägt zu

Drogenkurier vor Gericht "Kommissar Zufall" schlägt zu

Einen großen Batzen Haschisch transportierte ein junger Mann per Zug aus Frankfurt nach Marburg, soll damit gehandelt haben. Seit Donnerstag muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

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Ein selbst süchtiger Drogenkurier tauchte vor Wohnung seines toten Dealers auf, als dort die Polizei ermittelte. Jetzt steht er vor Gericht.

Quelle: Archiv

Marburg. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stritt der 27 Jahre alte Angeklagte vor der Strafkammer nicht ab, gab zu, Anfang dieses Jahres einige Monate für ein örtliches Dealernetzwerk tätig gewesen zu sein.

Etwas über achteinhalb Kilogramm Cannabisharz soll der Kurier in dessen Auftrag transportiert haben. Auf frischer Tat wurde er nicht ertappt, der umfangreiche Drogenfund der Kriminalpolizei Marburg war eher ein glücklicher Zufall. Anfang April ermittelten mehrere Beamte in einer Marburger Wohnung, nachdem der Bewohner tot aufgefunden worden war. Eigentlich auf der Suche nach sachdienlichen Hinweisen über die Todesursache des kranken Mannes fanden die Kriminalbeamten erhebliche Mengen Marihuana, Haschisch und Amphetamine in der Wohnung des Toten, der sich scheinbar als Dealer herausstellte. Aufbewahrt wurden die Cannabis-Harzplatten unter anderem in einem Rucksack des Angeklagten, den der Kurier einige Zeit zuvor abgeliefert hatte. In diesem wurden gleichfalls mehrere gefälschte Ausweise des Beschuldigten gefunden.

Als wäre dies nicht Zufall genug, platzte der 27-Jährige mitten in die polizeiliche Maßnahme, tauchte mit der Absicht, den Rucksack zurückzuholen, vor dem Mehrfamilienhaus auf. Nach Ansprache der Beamten suchte er sein Heil in einer schnellen Flucht, wurde kurz darauf auf den gefälschten Dokumenten wiedererkannt und seine Anschrift ermittelt.

Angeklagter sitzt seit Ende April in Untersuchungshaft

Seit Ende April sitzt er in Untersuchungshaft. Stockend berichtete der Beschuldigte vor Gericht, dass er seit Ende vergangenen Jahres selbst nicht wenig Cannabisprodukte konsumiert hatte, der Kontakt zu den Dealern auf diese Weise entstanden war. Regelmäßig hielt er sich in dem Haus auf, freundete sich mit dem Verstorbenen an und stieg schließlich mit ins Geschäft ein, um sich etwas dazuzuverdienen. Kopf des Ganzen soll jedoch „jemand anderes“ gewesen sein, ein unbekannter Mann, der ihn für den Transport der Drogen anheuerte. Den Namen des Auftraggebers wolle er jedoch nicht verraten, „das darf ich nicht sagen“, betonte der bei diesem Thema verängstigt wirkende Beschuldigte.

Anfang April fuhr er mit der Bahn nach Frankfurt, holte das Drogenpaket von einem Unbekannten ab und brachte es in die Wohnung nach Marburg. Als Bezahlung für den Transport sollte er 100 Euro sowie 10 Gramm Cannabis erhalten. Dies sei jedoch der einzige „Gefallen“ für den Dealer gewesen, beteuerte der Mann.

Seine Tat sowie der plötzliche Tod des Bekannten habe ihn schwer getroffen, er begann, große Mengen Alkohol zu konsumieren, „ich kam da drauf gar nicht klar und fing wieder an zu saufen, bis zu zwei Flaschen Wodka am Tag“, sagte der 27-Jährige. Seit Jahren habe er ein Drogen- sowie ein Alkoholproblem, sei auch nach einem Aufenthalt in einer Suchthilfeeinrichtung wieder rückfällig geworden.

In der Wohnung des Verstorbenen fanden die Kriminalbeamten neben dem vollen Rucksack des Angeklagten weitere Betäubungsmittel, insgesamt mehr als zehn Kilogramm Drogen unterschiedlichster Qualität. Laut Wirkstoffgutachten wies der Stoff einen THC-Gehalt zwischen fünf und mehr als zehn Prozent auf.

Polizei: Haus ist „bekannter Drogenumschlagplatz“

Im Zusammenhang mit dem Leichenfund konnte die Polizei schnell weitere Verbindungen innerhalb des Drogennetzwerkes herausfinden, ermittelte bereits gegen weitere Dealer und Konsumenten im selben Wohnhaus, bestätigten mehrere Beamte vor Gericht.

Eine Nachbarin des Verstorbenen berichtete von „Gerüchten im Haus“, dass dort seit Jahren Drogendeals ablaufen, Konsumenten ein und aus gehen, darunter der Angeklagte.

Auch die Polizisten bestätigten das Anwesen als „bekannten Drogenumschlagplatz“. In der Wohnung des Angeklagten wurden dagegen nur wenige illegale Stoffe gefunden, darunter Pulverreste eines Amphetamins in mehreren Plastiktüten, einem „typischen Verpackungsmaterial für Betäubungsmittel“, erklärte einer der Ermittler vor Gericht.

  • Am Montag ab 9 Uhr sollen weitere Zeugen vor Gericht gehört werden.

von Ina Tannert

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