Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Kollegen bitten neue Chefin, zu bleiben

Neue Leiterin der Staatsanwaltschaft Kollegen bitten neue Chefin, zu bleiben

Ministerin Eva Kühne-Hörmann sprach von „Marburg als Kaderschmiede für Frauen in der Justiz“. Staatsanwalt Oliver Rust erklärte, dass der Standort für seine bisherigen Chefs und Chefinnen ein kurzer Karrieresprung war.

Voriger Artikel
„Onleihe“ wird immer beliebter
Nächster Artikel
Tränen können Verteidiger nicht beeindrucken

Justizministerin Kühne-Hörmann (Zweite von links) führte Annette von Schmiedeberg (links) in ihr Amt als Leiterin der Staatsanwaltschaft Marburg ein. Ihre Vorgängerin Kerstin Reckewell wechselte nach Darmstadt. Generalstaatsanwalt Professor Helmut Fünfsinn freute sich, dass nun mehr Frauen an der Spitze der Ermittlungsbehörden in Hessen stehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Seit mehr als einem halben Jahr ist Kerstin Reckewell bereits als Leiterin der Staatsanwaltschaft Darmstadt tätig. Am Freitag wurde sie offiziell in Marburg verabschiedet, wo sie drei Jahre lang die Staatsanwaltschaft führte.

Ihre Nachfolgerin Annette von Schmiedeberg, die seit etwas mehr als drei Monaten in Marburg tätig ist, wurde ebenfalls am Freitag offiziell in das Amt eingeführt. „Marburg ist eine Kaderschmiede für Frauen in der Justiz“, sagte Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) während des Festakts im Hessischen Staatsarchiv.

Mit von Schmiedeberg habe die Marburger Staatsanwaltschaft nun die vierte Frau an ihrer Spitze. Generalstaatsanwalt Professor Helmut Fünfsinn von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt freute sich in seiner Rede, dass nunmehr der Ausgleich von Männern und Frauen an der Spitze der hessischen Staatsanwaltschaften geschafft worden sei. Fünf der elf staatsanwaltschaftlichen Behörden in Hessen werden von Frauen geführt. Dass eine Frau als Behördenleiterin den Stab an eine Nachfolgerin übergebe, sei noch nicht alltäglich.

Kerstin Reckewell habe nicht nur die klassische Aufgabe der Ermittlungsbehörde im Blick, sondern engagiere sich seit vielen Jahren auch in der Prävention von Straftaten. Reckewell ist Vorsitzende der Arbeitsgruppe Jugendkriminalität im Landespräventionsrat. Die Marburger Staatsanwaltschaft habe sich besonders in der Prävention von häuslicher Gewalt gegen Frauen hervorgetan, erklärte die Ministerin. Dies bekräftigte auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Eine Behörde, die ihre Führungskräfte ausbildet

Häusliche Gewalt werde auch Thema bei dem Programm „Fit für den Rechtsstaat – Fit für Hessen“ sein, bei dem Richter und Staatsanwälte Flüchtlingen „Starthilfe in den Rechtsstaat“ geben, so Kühne-Hörmann. „Unsere Werte, wie die Gleichberechtigung der Frau, hören eben nicht an der Wohnungstür auf“, sagte sie weiter.

Den aktuellen Herausforderungen der Flüchtlingsthematik habe sich auch Annette von Schmiedeberg gestellt, berichtete die Ministerin. Als stellvertretende Leiterin der Staatsanwaltschaft in Gießen habe von Schmiedeberg Fälle aus der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen betreut und dabei hohes Engagement gezeigt, sagte Kühne-Hörmann der OP.

In ihrem neuen Amt ist von Schmiedeberg Chefin von 15 Staatsanwälten, fünf Amtsanwälten sowie 41 weiteren Mitarbeitern. Ihre Stellvertreterin Ute Sehlbach-Schellenberg sprach in ihrer Begrüßungsrede von der guten Atmosphäre in der Behörde. Kerstin Reckewell habe einen Modernisierungsprozess begonnen, den ihre Nachfolgerin fortführen werde. Davon geht auch Landgerichtspräsident Dr. Frank Oehm aus, der ebenfalls ein Grußwort sprach.

Schmiedeberg umgeht Anspielung

Einer der Mitarbeiter, Staatsanwalt Oliver Rust, brachte auf charmante und amüsante Weise eine kritische Botschaft aus dem Kollegium an die Öffentlichkeit. Er sprach ein „Grußwort eines Dagebliebenen“ und berichtete von seinen Recherchen in Archiven und eigener Wahrnehmung: In den vergangenen Jahren seien die Behördenchefs nur wenige Jahre in Marburg geblieben.

Auch Reckewell habe nur drei Jahre für die Staatsanwaltschaft Marburg gearbeitet. „Wir sind eine Behörde, die sich anmaßt ihre Führungskräfte auszubilden“, so Rust scherzhaft. Er überreichte seiner früheren Chefin eine „Ausbildungsplakette“, sie habe erfolgreich das Ausbildungsprogramm in Marburg absolviert und sich damit als Leiterin in Darmstadt empfohlen. „Wir würden uns freuen, wenn Sie uns länger als zwei, drei Jahre erhalten bleiben“, so Rust an von Schmiedeberg.

Gern hätte er aus ihrem Mund den Satz gehört: „Ich bin gekommen, um zu bleiben.“ Die neue Chefin ging nicht auf diese Aufforderung ein, sondern berichtete aus ihrem Lebenslauf. Ursprünglich wollte sie Strafrichterin werden, damals habe es aber keine freien Stellen gegeben. Ihre erste Stelle in Frankfurt habe sie so begeistert, dass sie Staatsanwältin bleiben wollte. Die 50-Jährige hat in Gießen studiert und dort ihre berufliche Laufbahn begonnen.

von Anna Ntemiris

Ein Interview mit Ministerin Kühne-Hörmann finden Sie hier:

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ministerin fordert härtere Strafen

Die aktive Werbung für Terrororganisationen wie den IS sollte verboten werden, sagt Eva Kühne-Hörmann im OP-Interview. Die Justizministerin will auch eine Debatte über die Ausbürgerung von Straftätern.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr