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Kochmützen und Kroketten-Zauber

Schüler-Kochwettbewerb Kochmützen und Kroketten-Zauber

Sie schlagen Eischnee von Hand, kreieren selbst gemachte Kroketten und zaubern einen Nougatkuchen, der selbst einen Konditor erblassen lässt. Beim 16. Schülerkochpokal blieb ein Nachgeschmack haften: purer Respekt.

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Anweisungen vom Chef-Juror: Leon Boßhammer und Michael Hartmann bei den Vorbereitungen. Der Kochwettbewerb wird unterstützt von der Entega Privatkunden GmbH & Co. KG. Initiiert wird er durch die „Kochen macht Schule GmbH“.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am Kochtopf wird geschwiegen. Konzentrierte Stille. Jeder Handgriff sitzt. Jeder Arbeitsschritt ist einstudiert. Kochen ist Kunst. Und harte Arbeit. Das zumindest haben drei Schüler der Wollenbergschule Wetter in den vergangenen Monaten gelernt. Michael Hartmann (14), Benjamin Scherer (13) und Leon Boßhammer (12) wollen den 16. Schülerkochpokal mit nach Hause nehmen. Unbedingt. Und dafür stehen sie am Herd. Seit Monaten. Einzige Hürde: der Landesentscheid. Erst wenn die drei Jungköche da überzeugen, können sie auch auf Bundesebene ihr Können beweisen. Gestern kam es in der Lehrküche der Käthe-Kollwitz-Schule zum direkten Kochvergleich der Hessen-Finalisten. Team Wollenbergschule gegen das Team der Ernst-Reuter-Schule in Offenbach.

40 Mal Probekochen

Die Koch-Konkurrenz wird ignoriert. Keine Zeit, in fremde Töpfe zu schielen. Keine Zeit, sich über die Kochkunst der Mitbewerber Gedanken zu machen. Der eigene Zeitplan ist straff. Zwei Stunden für ein Drei-Gänge-Menü. Inklusive Tischdekoration. Und dann ist da noch diese Sache mit der Aufregung. Dieses Kitzeln im Nacken, wenn die Juroren mit strengem Blick über die Schulter schauen. Jeden Arbeitsschritt beäugen. Anerkennend „Ah“ und „Oh“ sagen - und manchmal nur „interessant“ murmeln und weiterziehen. „Interessant?“ Bei diesem Wort sieht man Leon Boßhammer die Augenbrauen heben. Der junge Koch weiß: Interessant kann alles bedeuten. Er ist der Jüngste in der Runde. Der Zwölfjährige ist für das Schaumsüppchen von Kopfsalat mit Nordseekrabben zuständig. 40 Mal hat er es im Laufe der letzten Wochen und Monate gekocht. Sich immer wieder die Arbeitsabläufe eingeprägt. Immer wieder das Rezept perfektioniert. „Diese Aufregung“, sagt er mit feuerroten Wangen. Sie will einfach nicht verschwinden. Seine Teamkollegen kümmern sich um Haupt- und Nachspeise. Tranchen von der mit Schwarzwälder Schinken umhüllten Hähnchenbrust an Rahmwirsing, Rote-Beete -Schaum und Herzoginnenkartoffeln. Im Anschluss: Schokoladenkuchen, gereicht mit einer mit Bounty gefüllten Erdbeere, umhüllt mit Schokolade. 18 Euro durften ihre Zutaten kosten. Keinen Cent mehr. Da ist Fantasie gefragt, weiß auch Juror und Vorsitzender der Marburger Köchevereinigung, Ulrich Hahn.

Scherben für den Sieger

Zwei Stunden haben die Schüler Zeit. Ein Wettrennen gegen die Uhr. Während bei den Wollenbergschülern der Umgangston ein bisschen rauer, die Hektik größer wird, herrscht beim Mitbewerber pure Gelassenheit. Hahn und seine drei Mitjuroren, Nico Goth, Betriebswirt, Thomas Heilmann, angehender Betriebswirt, und Marie Lisa Schulz, Redakteurin der Oberhessischen Presse, beobachten die Vorbereitungen mit kritischem Blick. „Sauberkeit und Organisation sind das A und O in der Küche“, erklärt Hahn. Nur wer auch hier die Jury überzeugt, hat nachher Chancen auf den Sieg. Die Offenbacher Schüler scheinen das genau zu wissen. Jedem Arbeitsschritt schließt sich schrubben, putzen, reine machen an. Ihr Menü überzeugt: Selleriesuppe mit Kroketten, Hühnchenbrust an Bandnudeln mit Buttergemüse und als Dessert Knuspernougat mit Joghurtmousse.

Aufregung? Kennen sie nicht.

...behaupten sie zumindest. Sie arbeiten schweigend. Sind aufeinander abgestimmt. Die Kochschürzen sitzen, die Mützen werden gerade gerückt. Der Umgangston: freundlich. Aber bestimmt. Keine Zeit für Plaudereien. Bei so viel Professionalität staunt sogar die Jury. Um Punkt drei Uhr stößt der erste Löffel eines Jurymitgliedes in die Suppe. Kritischer Blick.

Anerkennendes Nicken. Schmeckt. Das Kopfsalat-Schaumsüppchen überzeugt. Das Alter des Kochs beeindruckt. Sechs verschiedene Gerichte, sechs Mal die Frage: Wie viele Punkte geben wir? Am Ende sind es die vier Schüler aus Offenbach, die den Pokal mit nach Hause nehmen. Zumindest theoretisch. Denn ganz so „unaufgeregt“, wie behauptet, ist zumindest die einzige weibliche Köchin des Tages nicht. Celina Holzdörfer lässt den Pokal fallen. Der Trost: Scherben bringen Glück - vielleicht auch für den Bundesentscheid. Platz zwei in Hessen ist für die Wollenbergschüler ist ein Erfolg. Sie versichern: Wir kochen weiter.

von Marie Lisa Schulz

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