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Koalition will über Seilbahn nicht reden

Stadtparlament Koalition will über Seilbahn nicht reden

Die Lahnberge sollen so schnell wie möglich durch Radwege an das Lahntal angebunden werden – ein erster Schritt für ein Konzept zur klimafreundlichen Mobillität zwischen Lahntal und Lahnbergen.

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Droht eine Zerreißprobe im Tauziehen um das Thema „Lahnberge-Seilbahn, wie hier bei unserer Fotomontage mit (von links) Henning Köster (Linke), Wieland Stötzel (CDU), Dr. Franz Kahle und Dietmar Göttling (beide Grüne)?

Quelle: Montage: Sven Geske

Marburg. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Stadtparlaments empfahl die Anbindung durch Radwege einstimmig, und das Stadtparlament wird, daran besteht kein Zweifel, dieser Empfehlung am kommenden Freitag folgen.

Konkret soll geprüft werden, ob vom Alten Kirchhainer Weg bis zur Mensa Lahnberge eine Radwegeverbindung geschaffen werden kann, die für den Zweirichtungsgverkehr geeignet ist und auch von E-Bikes und Pedelecs genutzt werden sollte.

Parallel sollen der Ausbau eines E-Bike-Verleihsystems und die Auszahlung von finanziellen Hilfen für die Anschaffung von Elektrofahrrädern geprüft werden.

Hintergrund der Überlegungen ist die unbestrittene Notwendigkeit, den Pkw-Verkehr von und zu den Lahnbergen dramatisch zu reduzieren durch Schaffung attraktiver Alternativen. Immerhin fahren Studierende und Beschäftigte von UKGM und Universität Jahr für Jahr 100 Millionen Kilometer vom Tal auf die Lahnberge und zurück – Alternativen lohnen sich also.

SPD: Seilbahnverbindung „nur eine Detailfrage“

Durch intelligente Verkehrskonzepte, etwa den Ausbau von Verleihstationen für antriebsgestützte Fahrräder (Pedelecs), weitere Bus-Schnelllinien oder den Ausbau des ÖPNV auch auf dem Uni-Gelände auf den Lahnbergen selbst ließe sich der Anteil des Pkw-Verkehrs vom Lahntal auf die Lahnberge von derzeit etwa 14.000 Fahrten am Tag bis zum Jahr 2020 auf 10.600 Fahrten reduzieren. Das sagt eine Studie, die die Planungsgruppe Nord (PGN) aus Kassel im Auftrag der Stadt erstellt hat. Nicht eingerechnet hat die PGN in dieser Zahl die Effekte, die der hoch umstrittene Bau einer Seilbahn über den Ortenberg und Spiegelslust auf die Lahnberge bringen würde.

Die Seilbahnpläne wurden von der Ausschussmehrheit nur „zur Kenntnis genommen“, gleichwohl aber einmal mehr ausführlich debattiert. Unübersehbar war nämlich der Versuch der rot-grünen Koalition, das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Bündnis 90/Die Grünen), nach eigenem Bekenntnis „hoch interessiert“ an dem Thema, sagte, es gehe zunächst darum, alle anderen Maßnahmen zu prüfen, „ob die Seilbahn irgendwann einmal gebaut wird oder auch nicht, entscheiden wir nicht heute.“

Auch SPD-Mann Uwe Meyer wiegelte ab: „Die Seilbahn ist nur einer von vielen Vorschlägen“ und verstieg sich gar zu der Behauptung, das sei eine „Detailfrage“. Das sieht die Opposition naturgemäß anders. CDU-Fraktionschef Wieland Stötzel forderte die Koalition zu einem Beschluss auf, die Seilbahnpläne nicht weiter zu verfolgen, sein Fraktionskollege Joachim Brunnet fühlte sich von Rot und Grün gar „verarscht“. Das vorgelegte Klimaschutz-Teilkonzept beinhalte auch Überlegungen zu den Effekten einer Seilbahn. „Wir sollen das durch die Hintertür mit beschließen“, argwöhnte Brunnet.

Köster vermisst politischen Willen zur Umsetzung

Vergebens beteuerte Kahle noch einmal, der Magistrat wolle nur die Zustimmung zu einem Teil der Maßnahmen, nämlich der Konkretisierung der Radwegeverbindung. Die kostet Schätzungen zufolge im Übrigen zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Euro. Die Vorlage, die nun am 24. April im Stadtparlament diskutiert wird, sei im Magistrat einstimmig verabschiedet worden – will heißen, einschließlich der Stimmen der CDU-Mitglieder.

Henning Köster (Marburger Linke) sieht in der Studie ein „Füllhorn von Anregungen“ und eine „Fundgrube für Anträge“ seiner Fraktion, vermisst aber den politischen Willen in der Stadt „für eine andere Verkehrspolitik“. Die Investitionen für eine Seilbahn (man spricht von mindestens 50 Millionen Euro) seien deutlich besser angelegt „für die Verbesserung der Mühen des Nahverkehrs-Alltags“, sagte Köster – und befand sich damit, selten genug im Umwelt- und Verkehrsausschuss, ganz auf der Linie der CDU, die die Koalition offensichtlich nicht mehr aus der Seilbahn-Debatte entlassen will. „Sagen Sie, was Sie wirklich wollen“, forderte Stötzel die Koalition gleich mehrfach auf.

Kahle vermied konkrete Aussagen an diesem Dienstag – ebenso wie der Grüne Jan Sollwedel, der sich stattdessen allgemein über den Stellenwert von Bürgerbefragungen ausließ, und Vertreter der SPD-Fraktion, die die Diskussion interessiert, aber stumm verfolgten.

von Till Conrad

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