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Knackfrische Grüße aus Kirchvers

Erste Ernte Knackfrische Grüße aus Kirchvers

Der Verein Solidarische Landwirtschaft präsentierte am Rande der Mai-­Demo in Marburg seine Produkte am Blochmann-Platz in Marburg.

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In unmittelbarer Nähe zur Mai-Demo am Blochmann-Platz nutzten Mitglieder der Solawi Marburg die Möglichkeit, Werbung in eigener Sache zu machen. Sie hatten ihre erste Ernte des Jahres mit dem Fahrrad nach Marburg gebracht.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. In den letzten Jahren hat sich die Esskultur zusehends verändert, die Menschen versuchen sich bewusster zu ernähren. Sei es die steigende Zahl der vegetarischen und veganen Lebensmittel oder der zunehmende Marktanteil an Bioprodukten, das Thema Ernährung spielt eine immer größere Rolle. Dahinter steht oft auch ein gewisses Misstrauen. Welche Biosiegel sind verlässlich? Woher kommt meine Nahrung? Und kann sich in Zukunft überhaupt noch jeder gesundes Essen leisten?

Diese Fragen und Probleme beschäftigten auch die Gründer des Vereins Solidarische Landwirtschaft Marburg, kurz Solawi, der im Herbst 2012 gegründet wurde. Nicht einmal zwei Jahre später zählt die Gemeinschaft 150 Mitglieder, wovon einige das Maifest zum Anlass nahmen, die erste Ernte des neuen Jahres zu präsentieren. „Durch unser Konzept der solidarischen Landwirtschaft soll es für jeden möglich sein, Biogemüse bezahlbar zu erhalten und sich auch durch eigene Mitarbeit von dessen Qualität zu überzeugen“, beschreibt Vorstandsmitglied Ann-Kathrin Bohner die Idee.

Wie funktioniert das? Kern des Vereins ist die Gärtnerei Grünzeug von Uwe Engelhard im Lohraer Ortsteil Kirchvers, der dem Verein derzeit etwa die Hälfte seiner Erzeugnisse verkauft. Diese werden wiederum wöchentlich an zehn Stationen in Marburg und Gießen verteilt, wo sich die Vereinsmitglieder ihre Portion abholen können.

Die dafür nötigen Finanzmittel kommen auf ganz besondere Weise zusammen, alle Mitglieder steuern in einem Bieterverfahren anonym einen Betrag bei, der ihren Möglichkeiten entspricht - freiwillig. „Natürlich brauchen wir im Jahr eine Mindestsumme, um damit arbeiten zu können, die liegt derzeit bei etwa 85000 Euro zuzüglich Rücklagen für Neuanschaffungen. Wenn in der ersten Bieterrunde nicht genügend zusammen kommt, wird eine zweite eröffnet, bislang hat das dann immer ausgereicht“, erklärt Bohner das Prinzip.

Von der Wochenportion werden derzeit sogar eher zwei Personen satt, es lohne sich, die im Schnitt etwa 54 Euro im Monat, die als Durchschnittswert anzunehmen sind, zu investieren.

Auch Gärtner Engelhard kann sich über die Beteiligung des Vereins freuen, achten die Mitglieder in ihrer Kalkulation doch auf übertarifliche Bezahlung der Angestellten und steuern mitunter auch feste Werte wie ein Kühlhaus bei. Insofern war die Beteiligung am Maifest also auch ein politisches Statement.

„Natürlich ist das Wochenangebot je nach Saison immer anders, Äpfel oder Paprika gibt es eben nicht ganzjährig“, bemerkt Annika Schlüter, die zusammen mit den weiteren Mitgliedern diese erste Ernte mit Fahrrädern, also „komplett schadstofffrei“, vom Hof in Kirchvers bis zum Blochmann-Platz transportiert hatte.

Langfristig geht es dem Verein darum, den Ausstoß an Abgasen im Betrieb zu verringern, außerdem sollen auch tierische Produkte das Angebot vervollständigen. „Es ist uns auch wichtig, dass sich die Mitglieder durch Mitarbeit auf dem Gelände einbringen, so kann man auch gleich für sich überprüfen, dass unsere Erzeugnisse wirklich Bio sind“, betonten Bohner und Schlüter. Und Solawi-Mitglied André Köhler ergänzt: „Wir planen langsam und beständig zu wachsen, die Nachfrage ist auf jeden Fall gegeben.“

Wer sich über das Thema Solidarische Landwirtschaft in Marburg oder eine Mitgliedschaft informieren möchte, kann unter www.solawi-marburg.de nachschauen oder besucht am Samstag, 10. Mai, den Marktplatz am Aktionstag „bio-regio-fair“.

von Marcus Hergenhan

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