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Klosterkirche war auch Kornspeicher

Universitätskirche Klosterkirche war auch Kornspeicher

Die wechselvolle Geschichte der Marburger Universitätskirche ist das Thema des letzten und fast vollendeten Buchs von Margret Lemberg, die vor einem Jahr starb.

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Sophie Vogts um 1932 entstandenes Gemälde ziert das Buchcover und zeigt die Universitätskirche (rechts) zusammen mit dem Auditoriengebäude der Universität (heute Alte Universität).

Quelle: OP-Repro

Marburg. Am 5. Mai vergangenen Jahres verstarb die Marburger Historikerin Dr. Margret Lemberg. Sie hinterließ ein letztes, so gut wie fertiges Manuskript über die Universitätskirche zu Marburg. Mit Unterstützung früherer Wegbegleiter und Freunde von Lemberg hat die Historische Kommission für Hessen das Buch jetzt druckfertig gemacht und kann es nun ein Jahr nach ihrem Tod im Staatsarchiv der Öffentlichkeit vorstellen.

„Es ist das letzte Werk aus der Feder Margret Lembergs, die über gut zwei Jahrzehnte eines der kreativsten und produktivsten Mitglieder der Historischen Kommission war“, erklärt Dr. Andreas Hedwig, Leiter des Marburger Staatsarchivs und der Historischen Kommission für Hessen.

In dem reich bebilderten Band schildert Margret Lemberg die wechselvolle, mehr als 700 Jahre dauernde Geschichte der für Marburg markanten Kirche. Sie wurde um das Jahr 1300 als Dominikanerkirche erbaut und war Bestandteil einer Klosteranlage. Durch den Predigerorden der Dominikaner wurde sie Johannes dem Täufer geweiht. Nach der Aufhebung des Klosters durch den protestantischen Landesherren Landgraf Philipp den Großmütigen wurde der gesamte Gebäudekomplex durch die von Philipp 1527 gegründete Philipps-Universität genutzt. Die Kirche wurde ab 1578 zum Kornspeicher umgebaut. Erst im Jahr 1658 wurde sie durch Landgraf Wilhelm VI. als Kirche wiederhergestellt und für den Gottesdienst der reformierten Gemeinde genutzt.

Nach einer großen Innenrenovierung im Jahr 1927 zur 400-Jahrfeier der Marburger Universität gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach 1945 eine erneute Zäsur, die Vereinigung aller evangelischen Gemeinden in Marburg. So wurde die Universitätskirche zur „Evangelisch-reformierten Stadt- und Universitätskirche“, die nach wie vor zu einem Gebäudeensemble gehört, dessen zweiten Teil das Gebäude der Alten Universität bildet, in dem heutzutage der Fachbereich Evangelische Theologie und die Alte Aula untergebracht sind.

Margret Lemberg spürt in ihrem Buch akribisch in das Gebäude und seine Ausstattung eingeschriebene Geschichte auf und zeichnet sie nach, immer nahe an den archivischen Quellen, in denen sie ausgiebig recherchiert hat. Neben einer umfassenden Würdigung der einzelnen zeitlichen Abschnitte der Bau- und Nutzungsgeschichte widmet sie sich in einem Kapitel auch dem Thema „Die Universitätskirche als Motiv“ - von den ältesten Holzschnitten bis zu Gemälden, die erst in diesem Jahrhundert entstanden sind. Dabei beschreibt sie auch ausführlich Sophie Vogts um 1932 entstandenes Gemälde mit dem Titel „Blick auf das Auditoriengebäude und die Universitätskirche“, das durch seinen besonderen Blickwinkel und eine intensive Farbgebung besticht.

  • Die Vorstellung des Buches „Die Universitätskirche zu Marburg“ von Margret Lemberg findet am Dienstag ab 17 Uhr im Landgrafensaal des Staatsarchiv Marburg, Friedrichsplatz, statt. Zunächst hält Dr. Andreas Hedwig einen Vortrag mit dem Titel „Margret Lemberg - Ihr historisches Werk und Wirken“. Dann präsentiert die Kunsthistorikerin Dr. Cornelia Dörr, eine langjährige Weggefährtin von Lemberg, das Buch.
  • Margret Lemberg: Die Universitätskirche zu Marburg. Von der Kirche der Dominikaner zur reformierten Stadt- und Universitätskirche. Marburg 2016 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 82). 226 Seiten;114 Abbildungen. 36 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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