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Klinikum mit „Weltklasseforschung“

UKGM Marburg Klinikum mit „Weltklasseforschung“

Viele der Probleme, die am UKGM gesehen werden, haben mit der Finanzierung der Krankenhausmedizin zu tun, sagt der Kaufmännische Direktor Dr. Gunther K. Weiß. „10 Jahre privatisiertes UKGM“, hieß der Titel des 20. Stadtforums am Mittwochabend, und Gastgeber Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) machte vor 50 Zuhörern gleich zu Beginn deutlich, dass er nicht mehr über die Frage diskutieren wolle, ob die Privatisierung ein Fehler war oder nicht.

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Die Beschilderung am UKGM: Seit einigen Wochen heißt es hier „Universitätsklinikum Marburg“.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Er macht sich vielmehr Sorgen um den Standort Marburg, der gegenüber Gießen ins Hintertreffen zu geraten drohe. Ein Indiz: Die angedachte Eröffnung des berufsbegleitenden Fortbildungs-Studiengangs „Medizin“, in einer Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen, der sich vor allem an examinierte Pflegekräfte richten sollte, wurde in Marburg nicht umgesetzt.

Dr. Gunther K. Weiß, der Kaufmännische Geschäftsführer des UKGM, versuchte die Bedenken zwar zu zerstreuen und betonte, das UKGM funktioniere nur als Einheit beider Standorte. Dass die UKGM-Geschäftsleitung aber sehr wohl wahrnimmt, dass es Kritik an der Geschäftspolitik des Klinikums vor allem in Marburg, aber nicht in Gießen gebe, das machten Dr. Weiß wie auch der Ärztliche Direktor Professor Dr. Jochen A. Werner deutlich. „Am Standort Marburg haben wir ein schlechtes Image“, ärgerte sich Werner.

Vielleicht hilft dem Image, dass das UKGM sich zum Standort Marburg bekennt: Etwa auf den Hinweisschildern am Standort Lahnberge, auf denen das Wort „Universitätsklinikum Gießen und Marburg“ ersetzt wurde durch den Begriff „Universitätsklinikum Marburg“.

Sorgenkind Notaufnahme

Für viele Ärgernisse am UKGM gibt es Erklärungen, die nichts mit der privaten Organisationsform zu tun haben. Beispiel Notaufnahme: Hier sind stundenlange Wartezeiten an der Tagesordnung, kritisierte Ralf Schrader vom Bündnis „Notruf 113“. Professor Werner ergänzte aber, dass die Regel sei, dass möglichst jeder Patient innerhalb der ersten 30 Minuten eine qualifizierte Ersteinschätzung erhalte.

Patienten ohne lebensbedrohende Erkrankung müssten dann tatsächlich viele Stunden warten, bis sie behandelt werden – „aber diese Patienten gehören eigentlich nicht in die Notaufnahme eines Universitätsklinikums“, sagte Werner. Ein Universitätsklinikum habe für diese Patienten in dem komplizierten Beziehungsgeflecht von stationärer und ambulanter Behandlung „keinen Behandlungsauftrag“, ergänzte Professor Andreas Neubauer aus dem Publikum.

Das UKGM habe versucht, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst direkt ins Haus zu bekommen, um Patienten ohne lebensbedrohliche Erkrankung unkompliziert überweisen zu können. Die Ärzte hätten sich anders entschieden, so Werner.

Der Spagat in Marburg

Diese Bemerkung brachte den Medizinethiker Dr. Friedrich Heubel auf die Frage, warum das UKGM versuche, Fachärzte mit eigenen Praxen in seinen Räumen anzusiedeln. Er vermutet einen Zusammenhang mit der Strategie von Rhön-Patriarch Eugen Münch, der für die Erstuntersuchung von Patienten Apparate statt Mediziner einsetzen will. Dies sei eine Vision vor allem angesichts des Fachärztemangels auf dem Land, sagte Weiß, Heubel sprach dagegen von dem Versuch, Patienten mit weniger schweren und damit weniger lukrativen Erkrankungen „auszusortieren“.

„Es geht nicht darum, auszusortieren, sondern es geht darum, dass wir Strukturen schaffen müssen, dass wir beide Aufgaben leisten können“, entgegnete Weiß: So etwas wie ein Kreiskrankenhaus zu sein für die Grundversorgung und zugleich ein Universitätsklinikum für die Hochleistungsmedizin. Professor Andreas Neubauer formuliert das so: „Ein Universitätsklinikum betreibt Weltklasseforschung!“

Privatisierung
Der Beschluss zur Fusion der Uniklinika in Gießen und Marburg war im Juni 2005 im Landtag gefallen, die Privatisierung des fusionierten Klinikums wurde dann mit dem Verkaufsbeschluss von 95 Prozent der Anteile an die Rhön-AG durch den Landtag im Januar 2006 besiegelt.

von Till Conrad

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