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Klinik eröffnet Psychosomatik-Station

Krankheit Klinik eröffnet Psychosomatik-Station

Psychosomatische Störungen beeinträchtigen die Lebensqualität wie fast keine andere Krankheit - das sagt Medizinprofessor Johannes Kruse. Und er nimmt mit Kollegen nun den Kampf für eine Verbesserung auf.

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Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Universitätsklinikum Gießen-Marburg eröffnet eine Station, um der wachsenden Bedeutung dieser Krankheitsbilder gerecht zu werde. 20 stationäre und fünf tagesklinische Betten umfasst die neue Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Damit erweitert das Universitätsklinikum seine Kapazität in diesem Bereich, die bisher bei 8 Betten gelegen hatte. Bereits seit 35 Jahren beschäftigt sich das UKGM mit dem noch relativ jungen Fachgebiet der Medizin und gehört somit zu den „Wiegen der Psychosomatik“, wie Kruse meint. Vor anderthalb Jahren kam er nach Marburg und leitet nun die neugeschaffene Station.

Individuelles Therapieangebot

„Die Medizin erkennt zunehmend die Bedeutung von psychischen und psychosomatischen Störungen“, sagt er. Nahezu 20 Prozent der Bevölkerung sei inzwischen davon betroffen, etwa sieben Prozent hätten schon Erfahrungen mit psychischer Behandlung gemacht. Gar 30 Prozent aller Frührentner seien aufgrund entsprechender Erkrankungen in den vorzeitigen Ruhestand gegangen.

Trotz der hohen Zahl der betroffenen Menschen, hätten jedoch viele von ihnen Angst „in eine Schublade gesteckt zu werden“, sagt auch Kruses Stellvertreterin, Dr. Beate Kolb-Niemann. Mit dem Konzept einer kombinierten Behandlung im körperlichen und im geistigen Bereich soll daher die Schwelle zur Überwindung dieser Ängste gesenkt werden. In der Station werde ein individuelles Therapieangebot gemacht, „das körperliche und seelische Leiden gleichermaßen berücksichtigt“, so Kolb-Niemann.

„Diese Verbindung aus Spitzenmedizin und Komplexbehandlung ist einzigartig in Deutschland“, behauptet Kruse. Ein Universitätsklinikum sei für eine solche Kombination der ideale Ort. Oft, so zeigten neuere Erkenntnisse, sei die Sterblichkeit bei anderen Krankheiten, wie Krebs, Herzleiden oder Diabetes doppelt so hoch, wenn diese etwa zu Depressionen führen würden. Menschen die unter dieser doppelten Belastung leiden, könnten nun ohne Stigmatisierung eine Behandlung auf beiden Ebenen erfahren.

Patienten können sich das Zimmer wohnlich einrichten

Aber auch Menschen ohne körperliche Leiden, wie zum Beispiel Burnout-Patienten oder jene „mit körperlichen Scherzen, für die es keine medizinische Erklärung gibt“, fänden auf der Station Platz, so Kruse. Gerade in der Psychosomatik sei es wichtig den Patienten Raum und Zeit bieten zu können. Daher bieten die Klinik-Mitarbeiter verschiedene Behandlungsangebote. Dazu zählen Einzel- und Gruppenpsychotherapie, aber auch Körper- und Bewegungstherapie, Kunst- und Musiktherapie sowie Entspannungstechniken.

Damit sich die Patienten in der durchschnittlich vier- bis sechswöchigen Aufenthaltszeit entsprechend wohlfühlen, stehen gesellige Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Aber auch in den mit medizinischen Betten ausgerüsteten Zimmern besteht die Möglichkeit, sich anders als in gewöhnlichen Krankenzimmern selbst wohnlich einzurichten. In diesen Punkten grenze sich die Station von gewöhnlichen Psychiatrien ab, so Kolb-Niemann.

Morgen lädt die Klinik zu einem Symposium ein. Thema ist die aktuelle Entwicklung in der psychosomatischen Medizin. Sie beginnt um 16 Uhr im Hörsaal I. Darüber hinaus gibt es eine Ambulanzsprechstunde für psychosomatische Beratung von Montag bis Donnerstag jeweils zwischen 8 und 16 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr. Telefon: (06421) 5 86 31 65.

von Peter Gassner

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