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Kleiner Stich mit großer Wirkung

Serie "Sicher durch den Sommer", Teil 1 Kleiner Stich mit großer Wirkung

Der Sommer ist die Zeit für Ferien und Aktivitäten im Freien. Damit Sie sicher durch den Sommer kommen, präsentieren OP und UKGM in den nächsten vier Wochen Tipps zum richtigen Verhalten bei Notfällen im Sommer.

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Eine Wespe, an einem Erdbeerkuchen naschend, ist in den meisten Fällen nur lästig. Für Allergiker kann aber ein Stich lebensbedrohend werden.

Quelle: Peer Grimm

Marburg. Dabei geht es um Grill-Unfälle, lebensgefährliche Allergien, Bade-Unfälle und Fahrradstürze. Jeder kann hier im Notfall helfen und vielleicht sogar einen Unfall verhindern.

In allen bedrohlichen Situationen sollte der Notruf 112 gewählt und keinesfalls mit dem Privatwagen selbst zur Notaufnahme gefahren werden.

„Die Notrufabfrage beim Notruf 112 erfolgt durch umfassend ausgebildete Leitstellenmitarbeiter, die den Rettungsdienst zum Notfallort entsenden und dem Anrufer Hilfestellungen bis zum Eintreffen professioneller Hilfe geben“, sagt der Leiter des Zentrums für Notfallmedizin am Marburger Uni-Klinikum, Professor Clemens Kill.

Bei allergischen Reaktionen die 112 wählen

Jeder kennt es: der unangenehme Stich einer Wespe oder Biene, der bei den meisten Menschen nur juckt und schmerzt. Gefährlicher wird es bei denen, die auf Insektenstiche allergisch reagieren. Hier kann es binnen kurzer Zeit zu lebensgefährlichen Situationen kommen, die sofortige medizinische Hilfe erfordern.

Bereits wenige Minuten nach dem Insektenstich können juckende Hautausschläge am ganzen Körper, Atemnot, Schwindel, Kreislaufbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen oder sogar ein Bewusstseinsverlust auftreten.

Hier muss sofort der Notruf 112 gewählt werden, damit der Rettungsdienst schnellstmöglich bereits am Notfallort mit Medikamenten die lebensbedrohliche Reaktion unterbrechen kann.

Da diese Notfälle typischerweise in der freien Natur passieren, ist es wichtig, angeben zu können, wo genau der Notfallort ist und wie der Rettungsdienst dorthin gelangt. Bei schneller Hilfe kann in den allermeisten Fällen die Situation beherrscht werden, in jedem Fall muss aber anschließend eine Überwachung in der Klinik erfolgen. Im weiteren Verlauf sollte unbedingt eine fachgerechte allergologische Abklärung erfolgen, um festzustellen, ob und auf welches Insektengift genau eine Allergie vorliegt und ob eine allergenspezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) anzuraten ist.

Diese Behandlung, die sich über mehrere Jahre erstreckt und bei den meisten Insektengiftallergikern erfolgreich ist, führt dazu, dass die Stiche wieder gefahrlos vertragen werden. Überprüfen lässt sich dies durch eine ärztlich überwachte Stichprovokation in einem hierfür spezialisierten Zentrum.

Barfußlaufen kann dazu führen, dass man auf eine Biene tritt

Grundsätzlich sollte jedoch darauf geachtet werden, Stiche zu vermeiden, wofür einige Verhaltensregeln sinnvoll sind. Besondere Vorsicht ist bei Genuss von Speisen und Getränken im Freien geboten, hektische Bewegungen sind zudem zu vermeiden, da Wespen hierdurch aggressiver werden. Bei der Kleidung sind helle Farben zu bevorzugen, auf parfümierte Kosmetika sollte verzichtet werden.

Barfußlaufen kann zudem dazu führen, dass man auf eine Biene tritt.

Kommt es zu einem Stich, so sollte der Stachel mit einem Fingernagel weggekratzt werden, um ein Auspressen oder aktives Auspumpen des Giftsacks zu verhindern.

Ganz wichtig ist es zudem, als Allergiker ein Notfall-Set zur frühzeitigen Selbstbehandlung bei sich zu haben. Dies sollte einen Adrenalin-Injektor und antiallergische Medikamente in Form von Flüssigkeiten oder als Schmelztabletten enthalten. Entscheidend für die korrekte Anwendung ist eine genaue ärztliche Einweisung in die Handhabung.

Wesentlich häufiger als allergische Schockreaktionen sind allerdings übersteigerte Lokalreaktionen, die mit massiven Schwellungen an der Stichstelle und gelegentlich auch Fieber und Schüttelfrost einhergehen können.

Besonders oft sind Kinder davon betroffen. Hier hilft als erste vorbeugende Maßnahme das sofortige Auftragen einer potenten Kortisoncreme, die rezeptiert werden muss.

Um entsprechend versorgt zu sein, sollte daher auch hierfür eine allergologische Beratung erfolgen.

von Professor Wolfgang Pfützner, Dr. Andreas Jerrentrup undProfessor Clemens Kill

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