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Kleine Lichter zeigen großen Schmerz

Peshawar-Massaker Kleine Lichter zeigen großen Schmerz

Es war ein Ausdruck des Mitgefühls und der Fassungslosigkeit über das Geschehene. Rund 30 Marburger Pakistani gedachten am Mittwoch mit einem Schweigemarsch der Opfer des Terroranschlags in ihrem Heimatland.

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Mit Teelichtern und Plakaten gedenken Pakistani aus Marburg bei ihrem Trauermarsch in der Innenstadt der Opfer des Terroranschlags 
in Peshawar.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Als die Bilder vom blutigen Terroranschlag über die Bildschirme flimmerten, musste Mohammad Ilyas weinen. Wie viele seiner Landsleute konnte er es nicht glauben, was er sah, denn selbst den Taliban hatten sie nicht eine solche Skrupellosigkeit gegenüber Kindern zugetraut. „Viele von uns können den Fernseher im Moment gar nicht mehr einschalten“, sagt er.

Islamistische Taliban hatten einen Tag zuvor ein Blutbad in einer Schule der pakistani­schen Millionenstadt Pesha­war angerichtet. Nach bisherigen Erkenntnissen kamen dabei 155 Menschen ums Leben, 135 davon Kinder und Jugendliche. 250 weitere Menschen wurden bei dem Angriff verletzt.

Die pakistanischen Taliban, die sich zu dem Anschlag bekannten, sprachen von einem Racheakt für eine Offensive der staatlichen Armee in den Stammesgebieten der Taliban und des Terrornetzwerkes Al-Kaida in der Grenzregion zu Afghanistan. Die sieben Extremisten hatten zunächst etwa 500 Schüler und Lehrer in ihre Gewalt gebracht und missbrauchten diese in anschließenden Kämpfen mit der Armee als menschliche Schutzschilde.

Am Mittwochabend haben sich zahlreiche Marburger versammelt um mit einem Schweigemarsch der Opfer des Terroranschlags vom Dienstag im pakistanischen Peshawar zu gedenken. Mit Kerzen und Spruchtafeln zogen sie schweigend durch die Straßen.

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Nicht der erste Fall von islamistischem Terror, erzählt Yasit Ahmed. „Ich konnte in Pakistan nie zur Schule gehen, denn ich hatte immer Angst vor den Taliban.“ Dies sei auch der Grund, warum er nun in Deutschland lebe. Die große Betroffenheit über den entsetzlichen Terrorakt war für die pakistanische Community Anlass, kurzfristig ein Zeichen in der Marburger Innenstadt zu setzen.

Mit einem stillen Trauermarsch ziehen sie mit Teelichtern zum Gedenken an die Opfer am frühen Abend vom Rudolphsplatz in Richtung Gutenbergstraße, wo sie schließlich beten und die Kerzen niederlegen. Mit Schildern wie „Wir wollen Frieden“, „Kinder unter Angriff – ein neues Kapitel der Brutalität“ oder „Helft uns, unsere Kinder zu schützen“ verleihen sie zum einen ihren Gefühlen Ausdruck, zum anderen haben sie aber auch eine Botschaft.

„Wir fühlen eine Menge Schmerz und eine Menge Wut“, sagt Wajid Tahir. Der Politik­student hat den Trauermarsch organisiert. „Wir wollen zeigen, dass wir nicht alle Terroristen sind und dass wir diese kleine Gruppe bekämpfen wollen“, so Tahir, der dabei auf Unterstützung aus dem Ausland hofft. Die internationale Gemeinschaft müsse – ob in Pakistan oder anderswo – „Hand in Hand“ gegen den Terrorismus vorgehen.

von Peter Gassner

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