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Klassenzimmer werden zu Seminarräumen

Schwertransport Klassenzimmer werden zu Seminarräumen

Augenmaß und Fein­gefühl: Diese zwei Eigenschaften waren Trumpf bei dem Schwertransport, der Mittwochnacht durch Marburg führte.

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Marburg. „Es ist wie im Fußball: Man kann noch so gut vorbereitet sein. Vor dem Anpfiff ist man immer nervös“, sagte Michael Greif wenige Minuten bevor am Mittwochabend um 22.10 Uhr der Startschuss fiel für einen Schwertransport mitten durch die Marburger Innenstadt. 7,15 Meter breit und 8,10 Meter hoch sind die drei Container, in denen bis vor
Kurzem noch Schüler der  Martin-Luther-Schule (MLS) unterrichtet wurden. Durch die umfangreiche Sanierung der Marburger Stadthalle, neben der die Container bisher standen, musste Platz für die Bauarbeiten geschaffen werden – zumal die Unterrichtsräume von der MLS nicht mehr benötigt werden.

 

Die Hauptschwierigkeit bei dem Transport: Das Auseinanderbauen der Container war nicht möglich, so dass die jeweils 90 Tonnen wiegende Last mit Schwertransporten manövriert werden musste – in zwei Touren mitten durch die Marburger Innenstadt über die Universitätsstraße, Schwanallee, Konrad-Adenauer-Brücke bis in die Wilhelm-Röpke-Straße. Denn der kürzeste Weg über die Weidenhäuser Brücke war wegen der Schwere der Container nicht möglich.
„Wir können das“, war sich Greif sicher, noch bevor sich der erste Lastwagen aus der Savignystraße in Bewegung setzte, schließlich ist das Lahntaler Unternehmen spezialisiert auf Transporte dieser Art – auch wenn die „Abmessungen sehr groß sind“.
Die Planungen dauerten mehrere Monate und auch die vorbereitenden Arbeiten begannen schon vor sechs Wochen. Bäume wurden beschnitten, Leitungen abgebaut, Verkehrsinseln und -schilder abmontiert und Bogenampeln gedreht. Die Savignystraße wurde bereits am 21. Mai gesperrt und zwei der Container auf zwei Lkw geladen. Logistisch eine große Herausforderung für Greif und sein Team. Denn jedes noch so kleine Detail, das auf dem Weg hätte übersehen werden können, hätte eine Verzögerung im Zeitplan bedeutet. Und der sah vor, dass alle drei Container bis 6 Uhr an ihrem Bestimmungsort sein sollten. Ein knapper Zeitrahmen, aber schließlich sollte die Behinderung für den sonstigen Straßenverkehr, allen voran in der morgendlichen Rush Hour, möglichst in Grenzen gehalten werden.

Foto: Nadine Weigel

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Schon auf den ersten Metern zeigte sich das eigentliche „Problem“ des Transports: Nicht nur die Anwohner in den umliegenden Häusern schauten interessiert aus ihren Fenstern. Schnell hatte sich um das Geschehen eine Traube von Schaulustigen
gebildet, die eifrig fotografierten, filmten und natürlich auch jede Menge Fragen an die gut 20 Helfer hatten, die neben der gleichen Anzahl an Polizisten und Mitarbeitern des Ordnungsamts halfen. „Der Menschenauflauf ist mit die größte Schwierigkeit“, meinte Greif. Trotzdem bahnte sich der Schwertransport bis in die Universitätsstraße unbeirrt seinen Weg. Häufige Blicke der Fahrer in die Seitenspiegel, ein reger Funkkontakt mit den Helfern vor, neben und hinter den Fahrzeugen und die jahrelange Erfahrung der Fahrer sorgten auch an kniffligen Stellen, wo oft nur wenige Zentimeter Platz waren, für einen reibungslosen Ablauf. Auch die Hydraulik der Transporter kam immer wieder zum Einsatz, um das gesamte Fahrzeug abzusenken.
Der erste Konvoi kam deshalb mit nur etwas Verspätung an seinem Bestimmungsort an. Somit blieb noch ein Container, der in die Wilhelm-Röpke-Straße transportiert werden musste. Hauptvorteil diesmal: Die Erfahrung um schwierige Stellen aus der ersten Tour. Und so schaffte es das Team von Greif, auch den letzten Container überpünktlich um 5.10 Uhr auf dem Universitätsgelände abzuliefern.
Ganz vorbei ist die Reise für die neuen Seminarräume, für die die Philipps-Universität mit noch notwendiger Ausstattung und Umbauten wie dem Anschluss an das Internet insgesamt 330 000 Euro investieren wird, aber noch nicht. 15 Meter werden die Container im Herbst noch verrückt. Derzeit nisten Vögel in einer Hecke neben dem endgültigen Standort. Im Frühjahr sollen dann die ersten
Seminare in den Containern stattfinden.

von Andreas Arlt

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