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Klare Distanzierung von der "Homo-Heilung"

Parlament Klare Distanzierung von der "Homo-Heilung"

Ein unerwartetes Ende fand die Diskussion über die "Homo-Heiler"-Debatte am Freitag im Marburger Stadtparlament: Die Marburger Linke zog ihren Antrag zurück.

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Die Zentrale des Christus-Treffs (vorne) am Marburger Ortenberg befindet sich im Gebäude des ehemaligen Kurhotels am Ortenberg. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Bereits im Haupt- und Finanzausschuss waren die Wogen hochgeschlagen. Es ging um den Antrag der „Marburger Linken“, dass sich der Christus-Treff (CT) von der sogenannten „Heilung von Homosexuellen“, der „Konversionstherapie“, distanzieren solle. Es seien weitere Indizien dafür aufgetaucht, dass der Marburger Christus-Treff in Praktiken dieser Konversionstherapie verstrickt sei, erläuterte Elisabeth Kula (Marburger Linke) den Antrag.

Die Linken-Forderung zu einer Distanzierung des CT von solchen mit „psychischem Drang“ verknüpften Praktiken ging aus von einer Dokumentation unter der Überschrift „Du sollst nicht schwul sein“ im Fernsehsender Arte aus dem Jahr 2015. Darin seien Marburg und explizit ein Haus des Marburger Christus-Treffs explizit als ein zentraler Ort für die auch „Reparativbehandlung“ bezeichneten Versuche genannt, Homosexuelle von ihrer „krankhaften Neigung“ zu heilen. „Wir würden es begrüßen, wenn diese Praktiken in Marburg nicht stattfinden würden“, sagte Kula.

Auf Unverständnis stießen Kulas Forderungen bei Dirk Bamberger (CDU). Er wehrte sich gegen „vermeintliche Indizien“ und „Vorverurteilungen“, was eine mögliche Rolle des Christus-Treffs in Bezug auf „Homoheilungen“ betreffe. Der „Linken“ warf Bamberger vor, gegen den CT eine Hetzkampagne wider besseres Wissen zu führen. „Wenn Sie in den Dialog mit dem CT getreten wären, dann hätten Sie festgestellt, dass Ihre Vorwürfe nicht zutreffen“, sagte Bamberger.

Doch auch Madeleine Stahl (Grüne) bekräftigte in der Debatte den Aufruf, dass sich der CT von der Homo-Heilung distanzieren solle. Auf die Frage von Matthias Simon (SPD), ob sie sich in dieser Angelegenheit schon einmal persönlich an die Leitung des Christus-Treffs gewandt habe, antwortete Stahl, dass sie das zwar persönlich nicht gemacht habe, es aber Versuche auch aus dem Umfeld des Studentenparlaments gegeben habe.

SPD, CDU und „Bürger für Marburg“ hatten als Vertreter der aktuellen Rathausregierung einen gemeinsamen Änderungsantrag eingebracht. Darin forderten auch sie, dass das Stadtparlament die Durchführung oder Bewerbung von Konversionstherapien, die „als psychotherapeutische oder seelsorgerische Methode zur Umpolung und Umorientierung homosexueller Menschen dienen sollen“, ablehnen solle. Anders als in dem Linken-Antrag war in diesem Antrag aber keine Rede von einer konkreten Marburger Gruppierung, die mit der „Homoheilung“ in Verbindung stehen könnte.

„Es wird seit der Debatte rund um den Lokschuppen mit dem Finger auf eine Religionsgemeinschaft gezeigt, und der CT wird mit Dreck beworfen“, kommentierte Roger Pfalz (CDU) den Linken-Antrag,

Nachdem alle Argumente ausgetauscht waren, gab es eine überraschende Wendung. Unter Zustimmung aller Fraktionen wurde die Sitzung kurz unterbrochen, und Tobias Faix, Vorstandssprecher des Christus-Treffs, ergriff das Wort. Er distanzierte sich für die Marburger Religionsgemeinschaft unmissverständlich von der „Homo-Heilung“. „Wir führen keine Reparativtherapien durch und sprechen uns dagegen aus“, sagte Faix. Zudem gebe es keinerlei Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem DIJG. Zwar pflege die „Jesus-Gemeinschaft“, eine Untergruppe des Christus-Treffs, eine Freundschaft mit der „Offensive junger Christen“. Aber dabei gehe es nicht um das Thema Homosexualität. Faix betonte die Bereitschaft des CT, mit allen politischen Parteien zu sprechen und auch unbequeme Fragen zu beantworten.

Nach diesem klaren Statement zog die „Marburger Linke“ ihren Antrag zurück. Der Gegenantrag von SPD, CDU und BfM wurde bei Enthaltung von FDP/MBL einstimmig verabschiedet.

von Manfred Hitzeroth

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