Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Klamauk unter Klingelhöfern

Großes Familientreffen Klamauk unter Klingelhöfern

Wiedersehen der Weltenwanderer: Alle drei Jahre versammeln sich die Angehörigen der rund um den Globus verstreuten Familie Klingelhöfer.

Voriger Artikel
Nandu in Oberweimar entlaufen
Nächster Artikel
Wunsch: Mietpreisbremse an Lebenssituation anpassen

80 der 141 Verbandsmitglieder trafen sich in Marburg. Privatfoto

Marburg. „Einigkeit macht stark“ steht unter dem Schriftzug des schwarz-gelben Familienwappens. Jenem, das das Klingel-Symbol zeigt. Wolfgang Klingelhöfer (65) ist in der 14. Generation damit verbunden. Sein Stammbaum geht zurück bis 1523. Seine Vorfahrin ist die erste nachweisbare Namensträgerin: Grethe im Klingelhobe, 1523 bis 1529 urkundlich als Pachtzahlerin in Damshausen belegt.

„Mit 20 juckte mich das alles nicht, mit 30 begann ich mich langsam für meine Wurzeln zu interessieren. Und mit jedem Altersjahr mache ich mir mehr Gedanken. Es ist wie eine Suche nach dem Beständigen im Leben“, sagt er. Für ihn sei die Zeit angebrochen, in der er Verwandte und Freunde seltener auf Hochzeiten, sondern häufiger auf Beerdigungen treffe. 15 Jahre ist es her, seitdem er das letzte Mal auf einem der Familientreffen weilte. Kinder, die ihm damals mitunter als seine Verwandten diesen und jenen Grades vorgestellt wurden, stellen ihm nun wiederum die nächste Generation Klingelhöfer vor. „Man kennt nicht jeden. Und man erkennt auch nicht jeden wieder“, sagt er.

Martin Klingelhöfer ist hingegen zum ersten Mal dabei. 53 Jahre, wohnhaft in Daupthe. „Der Reiz hat mich gepackt, jetzt, da das Treffen um die Ecke stattfindet“. In der nun veröffentlichten Familien-Chronik, sagt er stolz, stünden er und seine Kinder bereits im Stammbaum. Vater Hans ebenso. Und Opa Philipp, einst Hufschmied in Caldern, sowieso.

Es sind Geschichten wie die von Wolfgang und Martin, die sich die Namensgenossen gerne erzählen. „Es ist spannend zu erfahren, wen es wohin verschlagen hat, wer wo arbeitet“, sagt Wolfgang. Es gebe, so verrät er, sogar einen Klingelhöfer bei der US-Weltraumfahrt-Organisation Nasa. Es gebe 100-Jährige und Kleinkinder, ergänzt Jürgen Klingelhöfer aus Bochum.

Mit fünf Leuten begannen die regelmäßigen Treffen Mitte der 1980er. 1991 wurde der Verband gegründet. Laut Archivar Helmut Klingelhöfer gibt es heute noch sieben Familien-stämme Klingelhöfer/Klingelhöffer. Feste Schreibweisen für Familiennamen gebe es erst seit 1876, seit Einführung der Standesämter. So, wie der Familienname beim ersten Eintrag von einem Standesbeamten geschrieben wurde, so müsse sich jede Familie bis heute schreiben. „Angehörige aller Stämme leben heute in den USA und in den rheinisch-westfälischen Industriegebieten“, sagt er.

Rund 2000 Menschen in Deutschland tragen den Namen. Laut Wortbedeutung handelt es sich um einen Hof an der Klinge, wobei das mittelhochdeutsche Wort „klinge“ so viel wie Gießbach bedeutet. Es hängt mit unserem Wort „klingen“ zusammen. Der Name bezieht sich dann auf einen Bach, der heute Niedebach heißt und in Damshausen in den Damsbach mündet. „Klingelhöfer ist also ursprünglich jemand, der auf einem Hof lebt, der an einem rauschenden Bach liegt“, erläutert Wolfgang Klingelhöfer.

Wie klein die Welt der Klingelhöfers ist, dazu hat er eine Anekdote parat: Als er 1982 zur Kur im Odenwald war, wurde er von einer Therapeutin zur Behandlung gebracht, neben einen Mann gelegt. „Und dann stellt sich heraus, dass der Mensch, eingepackt in eine Fango-Packung, ein Cousin meines Vaters ist, ein echter Klingelhöfer!“

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr