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Kirsten Fründt: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“

Landratswahl Kirsten Fründt: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“

Abend für Abend ist Kirsten Fründt zuletzt in den Ortsvereinen der SPD unterwegs gewesen, um sich vorzustellen. Morgen entscheiden die Genossen auf dem Unterbezirksparteitag in Roth, ob sie ihre Landratskandidatin wird.

Marburg. Es ist eine ganze Menge passiert in den vergangenen Wochen, und der Stress wird wohl bis zur Landratswahl am 8. September nicht mehr abnehmen. Doch Spätstarterin Kirsten Fründt nimmt die unerwartete Herausforderung, die sich durch den Rückzug des schon nominierten SPD-Kandidaten Michael Richter-Plettenberg ergab, an. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, sagt die Mutter zweier erwachsener Töchter über den Einstieg ins Landratsrennen, bei dem sie keiner auf der Rechnung hatte.

Die Marburgerin will sich von den bisher feststehenden Landratskandidaten anderer Parteien unterscheiden - zum Beispiel durch einen kooperativen und kommunikativen Führungsstil, die aktive Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden und die „Rück-Verlagerung von Kompetenzen“ vom Kreis auf die Kommunen. Als Landrätin würde sie Führungspersönlichkeit, vor allem aber „Zusammenbringer“, Vernetzer, Begleiter sein wollen. Und sieht den Kreis vor allem als Dienstleister für das, was Kommunen alleine nicht leisten können.

Nein, alles Programmatische wolle sie vor ihrer Rede beim Unterbezirksparteitag am Samstag nicht verraten, sagt Kirsten Fründt im Gespräch mit der OP. Und geht dann doch auf einige wichtige Eckpunkte ihres Programms ein - das entlang ihres eigenen Werdegangs viel aus der persönlichen Lebenserfahrung widerspiegelt.

Ein Thema, das die Leiterin des Marburger Sportamts in den Vordergrund stellt, ist das „bürgerschaftliche Engagement“. Von den etwa 240000 Einwohnern des Landkreises seien allein 80000, also ein Drittel, Mitglieder in Sportvereinen. Dazu kämen unzählige andere Vereine, die sich im Kreis für die Gesellschaft, für Jung und Alt, engagierten. „Dieses riesige Potenzial möchte ich erhalten, denn was wären wir ohne dieses Engagement?“

Damit das nicht abflaut, sei es notwendig, die Menschen bei ihren Aufgaben zu unterstützen, mit ihnen Ideen zu entwickeln und sie zielführend zu begleiten, so Fründt. Da sei es wichtig, über den Tellerrand zu schauen und verschiedene Bevölkerungsgruppen zusammenzubringen, die vielleicht zwar gleiche Bedarfe und Ziele hätten, aber nicht unbedingt von selbst zusammenfänden.

Stadt Marburg und Umland profitieren voneinander

Auch wenn sie aus Marburg kommt, weiß Kirsten Fründt natürlich: Die wichtigste Herausforderung für den Kreis steckt im Erhalt und der Stärkung der Attraktivität im ländlichen Raum. Dazu zähle neben dem bürgerschaftlichen Engagement die Frage, wie die öffentliche Nahverkehrsanbindung der Dörfer erhalten und nach den Bedürfnissen ausgebaut werden kann oder wie das „Leben im Alter“ gestaltet werden kann.

Wie ähnlich die Interessen bei Stadt Marburg und dem Umland da bisweilen liegen, zeigt sie am Beispiel der Wohnungssituation. Wohnraum, der in Marburg knapp ist, stehe im Umland durchaus zur Verfügung. Doch wer will als Student außerhalb wohnen, wenn er nur schlecht in die Stadt kommt? Marburg profitiere genauso vom Umland wie umgekehrt, und da sieht Kirsten Fründt noch Spielräume in der Zusammenarbeit. Auch in Organisationen, die es sowohl im Kreis als auch in der Stadt gibt. Die Kooperation im Tourismus begrüßt sie, bei den Volkshochschulen könnte sie sich eine intensivere Zusammenarbeit vorstellen. Wichtig sei aber auch hier, dass man gemeinsam Lösungen entwickelt, indem man fragt: Wo kann man voneinander lernen, welche Ideen und Stärken kann man nutzen?

Daneben werde sie auch Themen aufgreifen, die die SPD im Kreis und Michael Richter-Plettenberg vertreten haben. Wie in der Frage der Senkung der Kreisumlage. Dazu sagt sie uneinschränkt „Ja“. Überhaupt will sie Städten und Gemeinden Verantwortung und finanzielle Spielräume zurückgeben - soweit das unter dem „Schutzschirm“, unter den sich der Kreis zur Haushaltskonsolidierung begeben hat, möglich ist.

Auf diese Weise lasse sich die Vielfalt des Landkreises erhalten und die Potenziale nutzen. Denn auch wenn das Amt des Landrats eine Führungsaufgabe sei, die sie gern mit Leben erfüllen will, sei doch auch sicher: „Wenn man etwas umsetzen will, geht das nur mit den Menschen vor Ort.“

von Michael Agricola

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