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Kirsten Fründt: Die ersten Weichen sind gestellt

100-Tage-Bilanz Kirsten Fründt: Die ersten Weichen sind gestellt

Am Sonntag ist sie seit 100 Tagen Landrätin. In diesen gut drei Monaten hat Kirsten Fründt erste Duftmarken gesetzt - nicht nur mit mehr Blumen, die jetzt das Landratsbüro zieren.

Am 11. Mai ist es so weit: Dann ist Kirsten Fründt seit 100 Tagen die Chefin im Landratsamt. Aus ihrer Sicht sind die Weichen dafür gestellt, dass sie ihre Vorstellungen umsetzen kann.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Seit ihrem offiziellen Arbeitsbeginn am 1. Februar hat die 47-Jährige eins gezeigt - Präsenz und viel Einsatz. Der Terminkalender ist rappelvoll, unter der Woche und am Wochenende zeigt sie sich zu vielen Gelegenheiten in den Orten im Kreis, besuchte Gremiensitzungen, stellte sich bei Vereinen, in den Kommunen, bei Unternehmen und Organisationen vor und natürlich auch bei den eigenen Mitarbeitern. Sie habe es noch nicht ganz geschafft, an alle Bürotüren in den drei Standorten der Kreisverwaltung zu klopfen, aber den meisten Mitarbeitern hat sie inzwischen auch persönlich gegenübergestanden, sagt die Marburgerin.

Bei den vielen unterschiedlichen Informationen und Eindrücken, die sie auf diese Weise Tag für Tag aufsaugt, platze einem manchmal abends schon fast der Kopf, lacht sie.Vor allem aber steige ihre Begeisterung über die Aufgabe, die ihr die Wähler am 22. September vergangenen Jahres übertragen haben. Zum Beispiel durch „die unglaubliche Vielfalt, mit ich konfrontiert werde“ und die Menschen dahinter, die sie „schwer beeindruckt“ hätten. Sie habe ja gewusst, wie stark ehrenamtliches Engagement im Kreis ausgeprägt ist, „aber vor Ort ist es nochmal etwas anderes“.

Ein Beispiel sei kürzlich die große Katastrophenschutzübung gewesen, bei der so viele Hände ineinandergreifen und bei der sie schließlich bis nachts um drei Uhr blieb, nicht zuletzt, weil sie vor dem Einsatz der vielen, meist ehrenamtlichen Rettungskräfte sehr hohen Respekt habe.

McGovern-Abwahl meistdiskutiertes Thema

Dass in der Öffentlichkeit derzeit (noch) nicht so sehr die volksnahe Seite der neuen Landrätin diskutiert wird, liegt an dem politischen Thema, das die ersten 100 Tage der Amtszeit dominiert hat: die Bildung einer neuen Koalition aus SPD und CDU im Kreistag und die damit verbundene vorzeitige Abwahl des Ersten Beigeordneten Dr. Karsten McGovern (Grüne). Die wird derzeit von der neuen Mehrheit im Kreistag betrieben und voraussichtlich am 11. Juni mit der Wahl eines neuen Ersten Beigeordneten aus dem Lager der CDU zum Abschluss gebracht. Klar, dass das nicht ohne Diskussionen abgeht.

Als Beobachter kann man noch immer trefflich darüber diskutieren, wer die treibenden Kräfte hinter dem neuen Schulterschluss der beiden großen Parteien und dem für den Kreis durchaus kostspieligen Wechsel des hauptamtlichen Dezernenten waren oder sind. Das lag auch daran, dass die Landrätin selbst sich in dieser Sache bislang eher wenig geäußert hat. Darauf angesprochen, lässt Kirsten Fründt aber keinen Zweifel daran, dass sie mit dem Verlauf äußerst zufrieden ist. „Dass das nicht ohne Diskussionen abgehen würde, war mir schon klar“, sagt Fründt, aber es sei auch ihr erklärter Wunsch gewesen, „mit stabiler Mehrheit regieren zu können, damit ich die im Wahlkampf angesprochenen Schwerpunkte umsetzen kann.

Das kann ich jetzt und darüber bin ich auch froh.“ Die aktive Rolle im „Bäumchen-wechsel-Dich“ der koalitionswilligen Kreistagsfraktionen schiebt Fründt jedoch von sich und ihrer Partei weg: Das sei ja nicht von der SPD ausgegangen, sagt sie. „CDU und Grüne sind auf zu uns zugekommen.“ Das Ergebnis der Gespräche mit der CDU ist nach ihrem Geschmack ausgefallen, es gebe ihr die Möglichkeit, ihre Vorstellungen und thematischen Schwerpunkte auch umzusetzen, sagt die 47-Jährige. Das schlage sich in der Neuverteilung der Zuständigkeiten zwischen den Dezernaten nieder, in der für 2015 angekündigten Senkung der Kreisumlage, aber auch thematisch.

"Viele Vorstellungen sind im Koaloitionsvertrag verwirklicht"

„Viele der Vorstellungen, die mir wichtig sind, sind ja im Koalitionsvertrag enthalten und werden verwirklicht.“ Dass nun möglicherweise neben ihr ein zweiter Neuling im Kreishaus McGoverns Nachfolge antritt, sieht die Landrätin gelassen: „Natürlich wird es so sein, dass ein neuer Erster Beigeordneter sich erst einmal einfinden muss“, gibt sie zu. Aber angesichts der „guten Verwaltung“, die sie vorgefunden habe, „sehe ich darin keine Schwierigkeit“. Auch das „miteinander arbeiten lernen“ zwischen ihr und dem (oder der) Neuen werde sicher kein Problem darstellen.

Schließlich habe die Zusammenarbeit mit dem Noch-Dezernenten Karsten McGovern bislang „gut funktioniert“, und Fründt geht davon aus, dass das auch mit dessen Nachfolger so sein wird. Wer das sein wird, entscheidet laut Koalitionsvereinbarung die CDU. Und die recht offen formulierte Stellenausschreibung lässt viele Möglichkeiten. Büroleiter kümmert sich um mehr Bürgerbeteiligung Ganz anders war dies bei der zweiten wichtigen Personalie, die Fründt in ihren ersten 100 Tagen umsetzen konnte. Der neue Büroleiter Ralf Laumer ist ihr Wunschkandidat. Von der Besetzung dieser Vertrauensstelle mit dem bisherigen Leiter des Presseamts der Stadt Marburg verspricht sie sich Impulse für mehr Bürgerbeteiligung im Kreis: den Aufbau einer Bürgerbeteiligung, zum Beispiel durch Bürgerforen und die Koordination von Projektgruppen und Bürgerprojekten.

Im Kreistag bisher beobachtende Rolle

Daneben zählt die Landrätin in den ersten 100 Tagen einige Themen auf, an deren Bearbeitung sie beteiligt war: etwa bei der Zukunft des Schlachthofs, wo nun gemeinsam nach einer mittelhessenweiten Lösung gesucht werden soll, der gelungene Erhalt des hessischen Jugendfeuerwehrleistungszentrums in Cappel und die Gespräche mit dem Staatlichen Schulamt über die Neuordnung der Berufsschulstandorte im Kreis. Auch auf die politische Arbeit im Kreistag sei sie gespannt. Bisher fiel ihr dort eher die beobachtende Rolle zu. Dass SPD und CDU das Parlament mit Zweidrittel-Mehrheit nun nach Gutdünken dominieren und Oppositionsanträge nach Belieben von der Tagesordnung fegen werden, wie mancher befürchten könnte, glaubt Fründt nicht. „Mein persönlicher Stil ist es nicht, etwas abzulehnen, nur weil es von der Opposition kommt.

Wenn sich der Kreis mit einen Thema beschäftigen muss, dann werden wir auch darüber reden. Sonst würde ich mir widersprechen und ich denke, ich kann das Gleiche auch für meine Fraktion sagen.“ Kirsten Fründt glaubt auch nicht, dass die Diskussion um die McGovern-Abwahl ihrem Ansehen oder ihr persönlich geschadet hat. „Natürlich gab es Stimmen, die gesagt haben: So haben wir uns das nicht vorgestellt.“ Viele andere sähen aus ihrer Sicht darin aber auch kein Postengeschacher, sondern einen normalen politischen Prozess. Sie sei im übrigen auch gar nicht so oft direkt darauf angesprochen worden, sagt sie, „auch nicht bei meiner ersten Bürgersprechstunde auf der Oberhessenschau“.

Diesen direkten Kontakt mit den Bürgern will sie ausbauen. „Ich will das gern regelmäßig vor Ort in den Kommunen anbieten“, sagt sie. Ein Konzept dafür gebe es aber noch nicht. Auch viele andere Dinge, die sie sich vorgenommen hat, werden erst nach und nach zu realisieren sein. Aber noch sind ja auch nur die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit abgelaufen - läuft alles nach Plan, werden denen bis zur nächsten Landratswahl noch mehr als 2000 folgen.

von Michael Agricola

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