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Kirchhof: Partyzone statt Parkplatz?

Oberstadt-Umgestaltung Kirchhof: Partyzone statt Parkplatz?

Wenn es nach dem Willen der evangelischen Kirche und der Stadt Marburg geht, wird der Lutherische Kirchhof in der Oberstadt zukünftig autofrei sein. Viele Anwohner befürchten dann mehr Lärm und Müll durch Feiernde.

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Noch parken Autos an der Lutherischen Pfarrkirche. Doch dort sollen 18 Parkplätze wegfallen. Foto: Heiko Krause

Marburg. Zu einer Bürgeranhörung, bei der die ersten Pläne vorgestellt wurden, kamen am Mittwoch 30 Marburger ins Bauamt. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) berichtete, dass der Kirchenvorstand der Pfarrkirche St. Marien den Wunsch nach einer Umgestaltung geäußert habe. Das entscheidende Defizit des Platzes seien die parkenden Autos. „Das entspricht nicht der Stadtgestaltung, wie wir sie uns vorstellen“, so Kahle.

Der Kirchhof ist Kircheneigentum. Pfarrer Ulrich Biskamp erläuterte im Namen des Kirchenvorstands, dass sich dort im Mittelalter der Friedhof befunden habe. Mit der Stadt sei vor langer Zeit ein Nutzungsvertrag geschlossen worden, nach dem Kurzzeitparkplätze geschaffen werden sollten. Heute handele es sich jedoch vorwiegend um Dauerparker.

Ein autofreier Kirchhof würde den Blick auf eines der bedeutendsten historischen Bauwerke wieder freigeben, so Biskamp. Das sei auch im Hinblick auf steigende Touristenzahlen wichtig. Zudem könne er vermehrt für Veranstaltungen genutzt werden.

Laut Auskunft von Baudirektor Jürgen Rausch würden 18 Parkplätze wegfallen. Darüber hinaus werde auch die Kirche auf das Abstellen von Fahrzeugen im Bereich der Schranke verzichten und nur noch an- und abfahren. Im vorderen Bereich von der Nikolaistraße kommend würden die beiden Behindertenparkplätze sowie acht Stellplätze erhalten bleiben. Auf dem Gelände des dann ehemaligen Parkplatzes sollten neue Bänke für mehr Aufenthaltsqualität sorgen. Dass Parkplätze wegfallen, das sorgte für wenig Kritik. „Wir beanspruchen keine Dauerparkplätze und viele nutzen Carsharing“. Lediglich Wünsche zum Anwohnerparken in der Oberstadt wurden geäußert, denen Kahle wegen mangelnder Stellfläche bei gleichzeitig sehr vielen Berechtigten jedoch eine Absage erteilte. Eine Zufahrt für Bewohner des Rübensteins solle zum Entladen in jedem Fall erhalten bleiben, versprachen die Beteiligten. Möglich sei eventuell eine Anfahrt über die Kugelgasse und die bestehende Schranke.

Vielmehr sorgen sich die Anwohner, dass der Platz zukünftig vor allem nachts von Feierwilligen genutzt werden könnte. Bereits jetzt sei es oft laut und in die Gärten und auf den Platz werde Müll geworfen. Ein anderer Anwohner hob jedoch hervor, dass er es für richtig halte, den Verkehr aus der Innenstadt herauszunehmen. „Und im Zweifelsfall sind mir gesellige Menschen lieber als parkende Autos“. Betont wurde unter anderem auch, dass der dann größere Platz auch von Familien genutzt werden könnte.

Pfarrer Biskamp versicherte, dass die sommerlichen Biergärten der Kirche auf drei Abende begrenzt blieben. „Ich bin schließlich im Hauptberuf Pfarrer und nicht Brauer“. Ansonsten könnte er sich beispielsweise Sommertheater oder Konzerte der Kantorei dort vorstellen, die meisten Veranstaltungen wären aber tagsüber.

von Heiko Krause

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