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Kirchenvertreter sind aufgeschlossen

Sexualität Kirchenvertreter sind aufgeschlossen

Nach wegweisenden Entscheidungen in Irland und den USA  wird auch in Deutschland über die Einführung der Homo-Ehe diskutiert. Die Marburger Kirchen zeigen sich demgegenüber weitestgehend offen.

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Ein schwules Paar läuft vor Beginn des Christopher Street Day über die Straße. Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ist aktuell in der Diskussion.

Quelle: Jens Ressing

Marburg. „Der Glaube entwickelt sich stetig weiter“, sagt Dekan Burkhard zur Nieden vom Evangelischen Kirchenkreis Marburg. Auch wenn es „keine ausgearbeitete Position“ zum Thema Homo-Ehe gebe, sei die evangelische Kirche „im Bezug darauf relativ entspannt“. Zur Nieden weist darauf hin, dass es sich aus protestantischer Sicht bei der Ehe „um ein bürgerliches Rechtsgeschäft und nicht um ein Sakrament“ handele. Eine Segnung für gleichgeschlechtliche Partnerschaften würde daher bereits jetzt angeboten.

Es geht um die Auslegung der Bibel

Einzig „wegen der Tradition und dem Text der Bibel“ gebe es ein gewisses Zögern in seiner Religionsgemeinschaft. An diesem Punkt gehe es um eine „kluge und besonnene Auslegung“. Die Frage, die sich dabei stelle, laute: „Hat Jesus auch an zwei Männer gedacht, wenn er von der Ehe spricht?“

Die Marburger beziehungsweise die deutsche Seite, müsse sich zudem bewusst machen, „dass wir nicht die Avantgarde sind“. Der christliche Glaube sei weltweit stark verbreitet. Dementsprechend sei es „schwierig, den Kontakt in andere Länder zu halten und sich zu solchen Themen abzustimmen“. Die westliche Liberalität sei „für andere manchmal nur schwer zu ertragen“, so zur Nieden.

Dechant Franz Langstein, katholischer Pfarrer in der Kugelkirche, will, dass „Menschen, die sich lieben, alle Rechte bekommen – ohne Diskriminierung“. Sowohl mit steuerlicher Gleichstellung als auch mit dem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partner habe er keine Probleme. Den Begriff der Ehe möchte er aber geschützt sehen. Nach katholischer Definition sei die Ehe „der Bund der Liebe und Quell des Lebens“ – den zweiten Teil könnten Homosexuelle jedoch aus biologischen Gründen nicht erfüllen.

„Ehe neu definieren“

Um Schwulen und Lesben die Eheschließung zu ermöglichen, müsse man „den Begriff der Ehe neu definieren“. Er plädiert stattdessen dafür, homosexuellen Paaren gleiche Rechte einzuräumen, ihren Bund aber nicht Ehe zu nennen.
„Der Staat lebt davon, dass es Nachkommen gibt“, sagt Langstein. „Eigentlich müsste man den Ehe-Begriff da eher stärken.“ Vielmehr solle darüber diskutiert werden, dass Kinder „oft eine Armutsfalle“ seien. „Sobald Kinder da sind“, solle es eine verstärkte finanzielle Förderung geben. Das gelte auch für homosexuelle Paare mit adoptierten Kindern.

Das Thema Homo-Ehe wird in den vergangenen Wochen wieder verstärkt diskutiert, nachdem sie zunächst in Irland eingeführt wurde. Ende Juni hatte dann auch der Oberste Gerichtshof in den Vereinigten Staaten das Verbot der Homo-Ehe in einzelnen Bundesstaaten aufgehoben. In den sozialen Netzwerken hatten sich daraufhin viele Internet-User solidarisiert und ein Profilbild mit Regenbogen-Farben im Hintergrund gewählt.

von Peter Gassner

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