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„Kindheit ist etwas vollkommen Unbekanntes“

Kindheitsforscherin „Kindheit ist etwas vollkommen Unbekanntes“

Interessierte sowie lokale Politiker und Pädagogen trafen sich im Rathaus, um das 30-jährige Bestehen des bsj zu feiern.

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Die Kindheitsforscherin Professorin Sabine Andresen hielt im Rathaus den Festvortrag.

Quelle: Melchior Bonacker

Marburg. Der bsj - oder voll ausgeschrieben: der Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit - fördert seit 1986 Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung. Dabei liegt der Fokus, wie der Name schon zu erkennen gibt, auf der Erlebnispädagogik.

Jochem Schirp, Geschäftsführer des Vereins, erklärte in seiner einleitenden Rede jedoch: Auch die frühe Bildung, Berufsorientierung sowie die Arbeit im Stadtteil- und Gemeinwesen und die Flüchtlingsarbeit sind Themen, welche die Arbeit des bsj ausmachen.

Die Leistungen des bsj als ­regionaler und überregionaler Impulsgeber in der Kinder- und Jugendhilfe seien vor allem auf die Dynamik der entwicklungsoffenen Institution zurückzuführen.

Eine Institution in seinem Fachgebiet ist der bsj zweifellos: Rund 30 Kindertagesstätten und 50 Schulen arbeiten allein im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit dem Verein zusammen - zudem organisiert der bsj Fachtagungen, auf denen renommierte Wissenschaftler die sozialpädagogische Praxis und wissenschaftliche Theorie gemeinsam diskutieren.

Herausforderung durch Flucht und Migration

Eine dieser Wissenschaftlerinnen sprach auch als Festrednerin zum 30-jährigen Bestehen: Professorin Sabine Andre­sen aus Frankfurt, die sich als Kindheitsforscherin mit der Theorie der Pädagogik im 20. Jahrhundert einen Namen gemacht hat, stellte zur Feier des Tages Kindheitskonzepte in der Moderne vor. Besonderen Wert legte Andresen dabei auf die Theorien Jean-Jacques Rous­seaus, sowie die der schwedischen Pädagogin Ellen Key.

Anhand des in Rousseaus „Emile“ formulierten Satzes „Die Kindheit ist etwas vollkommen Unbekanntes“, arbeitete sie die Unterschiede zwischen der Erziehung von Kindern und Jugendlichen, Jungen und Mädchen heraus. Auch ging sie auf die Herausforderung durch das Thema Flucht und Migration ein. Das Kind im Brennpunkt sozialer Differenzen sei ein Thema, das lange Zeit übergangen worden sei, da das Kind nur als Teil des Haushalts gesehen wurde. Dabei habe man übersehen, welche Auswirkungen soziale und finanzielle Mängel auf die Entwicklung des Kindes haben können, so Andresen. Durch die neuen Betrachtungen sei es nun möglich, eine Art „Durchschnittskindheit“ zu ermitteln, anhand derer neue pädagogische Konzepte entstehen können.

Diese neuen Konzepte versuchten das Spannungsverhältnis zwischen dem Schon- und Schutzraum der Kindheit und dem Geborenwerden in eine­ bestehende Welt voller Traditionen zu begreifen und zu ­berücksichtigen.

Anhand von Studien wie „Child­ren‘s worlds“ versucht man nun herauszufinden, was eine gerechte Kindheit für Kinder und Jugendliche in aller Welt bedeutet - und im Endeffekt, wie man diese erreichen kann.

von Melchior Bonacker

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