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Kinderpornos: Familienvater in Haft

Prozess vor dem Amtsgericht Kinderpornos: Familienvater in Haft

Ein 46-Jähriger ist vom Amtsgericht Marburg wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornos zu zwei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden. Der Familienvater ist verurteilter Wiederholungstäter.

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Vor dem Amtsgericht Marburg musste sich ein Familienvater wegen des Besitzes von Kinderpornos verantworten

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Angeklagte ist aktives Mitglied einer Kinderporno-Tauschbörse im Internet, wurde 2004 und 2012 zu mehrmonatigen Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Er sammelte und verbreitete Videos und Fotos von Minderjährigen, die Sex mit Erwachsenen haben oder sich selbst befriedigen.

Laut Anklage soll der Vater zweier Kinder (17,20) nun einer 15-jährigen Marburgerin während eines Chats Bilder von seinem Penis geschickt und das Mädchen aufgefordert haben, ihm erotische Fotos von sich zu schicken. Vier Motive, nackt vor dem Spiegel, Aufnahmen vom Intimbereich sowie bei der Selbstbefriedigung sendete die Jugendliche dem Mann. 51 Kinderporno-Bilder fanden die Ermittler auf Smartphone und Computer des 46-Jährigen. OP-Informationen zufolge sollen jedoch noch viel mehr verdächtige Fotos auf den Festplatten gewesen sein - die aber nicht eindeutig Minderjährige zeigen, deren Besitz und Verbreitung nicht ins Verfahren einflossen.

Der Täter soll Ende Januar 2013 zudem versucht haben, die 15-Jährige zu einem Treffen am Hauptbahnhof zu überreden - das kam nicht zustande, das Mädchen schaltete die Polizei ein. Da sich nicht klären ließ, ob die Initiative zum Treffen vom Täter oder Opfer kam, wurde dieser Vorwurf nicht weiter verfolgt.

Erklärung des geständigen Angeklagten: „Im Chat verstanden wir uns super, sie wollte meine Hilfe um aus ihrem Wohnheim raus zu kommen“, sagte er. „Hilfe durch das Versenden von Penisbildern?“, fragte Cai-Adrian Boesken, vorsitzener Richter nach. „Sie sagte, wenn ich ihr helfe, tue sie alles für mich. Das wollte ich testen“, sagt der Beschuldigte. Er habe das Mädchen auch für 16, nicht 15 Jahre alt gehalten. „Pornos erregen mich sexuell, aber nicht nur Kinder-, auch Erwachsenenpornos.“ Er habe sich „zu tief in diese Sphäre“ ziehen lassen, so dass ihm die missbrauchten Kinder egal geworden seien. „Wenn jemand so etwas mit meinen Kindern gemacht hätte, würde ich ihm als Vater den Kopf abreißen.“

Angeklagter begann 2013 Therapie

Im August 2013 begann der „pädophilen Neigungen unterliegende Mann“, wie der Rechtsanwalt seinen Mandanten bezeichnete, eine Therapie. Brisant: Schon sechs Wochen nach der zweiten Verurteilung im April 2012 lud der Täter abermals Kinderpornos aus dem Internet - das geht aus dem Erstellungsdatum der Dateien hervor, welche ein Sachverständiger für das Gericht im Vorfeld der Verhandlung auswertete.

Die Staatsanwaltschaft plädierte „mit enormen Bauchschmerzen“, wie ihr Vertreter sagte, für eine neuerliche Bewährungsstrafe und eine Strafzahlung von 3000 Euro. Die Verteidigung schloss sich dem Strafmaß an, immerhin verliere der Angeklagte bei einer Gefängnisstrafe sein komplettes soziales Gefüge. „Arbeitsplatz, Mietshaus, Familie und soziales Umfeld wären auf einen Schlag weg. Er bemüht sich, seine Neigungen in den Griff zu kriegen.“

Boesken schmetterte die Bewährungsanträge ab. „Das ist kein männliches Kavaliersdelikt, es ist schwerkriminell. Denn die wahren Auftraggeber für diesen widerwärtigen Missbrauch sind die Leute, die Bilder und Videos betrachten“, sagte er in der Urteilsbegründung.

Bereits in der Urteilsbegründung des Amtsgerichts Friedberg 2012 sprach der Richter davon, dass bei einem neuerlichen Vorfall „eine Haftstrafe unumgänglich“ sei. Das geht aus den Prozessakten hervor. „Zweifach sind Sie vorgewarnt, vorbestraft worden. Man kann nicht jeden Rückfall tolerieren. Auch Leute aus soliden bürgerlichen Verhältnissen muss man unter solchen Vorzeichen ins Gefängnis schicken.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Björn Wisker

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