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Kinderporno-Besitzer muss nicht ins Gefängnis

Berufungsverhandlung Kinderporno-Besitzer muss nicht ins Gefängnis

Mit knappem Erfolg hat ein Frankfurter vor dem Landgericht Marburg  Berufung gegen sein Urteil wegen Besitzes von kinderpornografischen Schriften eingelegt.

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Die Polizei hat rund 50 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt auf dem Computer des Angeklagten gefunden.

Quelle: Archiv

Marburg. Im Mai hatte das Amtsgericht Marburg den einschlägig vorbestraften 47-Jährigen wegen Zugänglichmachens pornographischer Schriften an eine Minderjährige sowie dem Besitz von jugend- und kinderpornographischen Schriften zu zwei Jahren Haft verurteilt.  Während der Berufungsverhandlung vor der Jugendkammer des Landgerichts wurde der Fall erneut aufgerollt.

2013 hatte der Angeklagte über ein soziales Netzwerk Kontakt zu einem 14-jährigen Mädchen aufgenommen, ihr eine Bilddatei eines erigierten männlichen Geschlechtsteils geschickt und sie im Gegenzug zur Übermittlung von Nacktbilder aufgefordert. Diesem Wunsch kam die Minderjährige nach. Nachdem der 47-Jährige ein persönliches Treffen mit der Chatpartnerin vereinbart und ihr gedroht hatte, ihre Internetaktivitäten ihren Freunden mitzuteilen, ging die 14-Jährige zur Polizei. Diese fand rund 50 Dateien mit kinderpornographischem Inhalt auf Computer und Handy des Mannes. Bereits 2005 und 2012 war der Frankfurter wegen Verbreitung und Beschaffung kinderpornographischer Schriften in mehreren Fällen verurteilt worden. Während seiner jüngsten Taten befand er sich zudem innerhalb einer Bewährungsfrist.

Angeklagter lebt heute in einer festen Beziehung

Als Grund für die Berufung nannte der Angeklagte eine Verbesserung seiner Lebenssituation sowie diverse eingerichtete „Kontrollmechanismen“ seines Verlangens. Nach der Verurteilung habe er die Angebote eines Hilfsvereins für Straftäter in Anspruch genommen und erfolgreich eine Therapie abschließen können. Zum Zeitpunkt der Taten sei er stets sexuell und emotional frustriert gewesen, habe unter privaten Problemen gelitten und nicht gemerkt, dass die illegalen Bilder „den Todesschuss“ für ihn darstellen könnten, sagte der Täter. Er wusste, dass sein Handeln illegal war, getrieben habe ihn damals „der Reiz des Verbotenen“.

Heute lebe er in einer festen, sexuell ausfüllenden Beziehung, konzentriere sich auf seine berufliche Karriere und sei sich bewusst, dass seine Neigung „immer mehr sein Leben zerstöre“.  Staatsanwalt Jonathan Poppe fragte genauer nach, wie der Täter in Zukunft mit seinem Hang umgehen werde, sollte es mal wieder Probleme in seinem Leben geben. Zur Vermeidung von erneuten Versuchungen habe er seinen privaten Computer abgeschafft, halte sich bewusst von den Verlockungen des Internets fern, betonte der Angeklagte. Mit seinem Therapeuten sei vereinbart, dass er sich umgehend wieder in Behandlung begeben werde, wenn sich irgendetwas an der momentanen Situation ändert. Auch seiner Lebensgefährtin könne er sich anvertrauen, sollten wieder „Bilder in seinem Kopf umherschwirren, die nicht gut sind“.

Schon vor zwei Jahren hatte der Wiederholungstäter versichert, er habe sich von seinen Internetaktivitäten entfernt, erinnerte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Allerdings habe sich die Situation heute gebessert, der Angeklagte zeige die richtigen Ansätze.

Täter muss 2 000 Euro an Kinderschutzbund zahlen

Diese würden für eine Bewährungsstrafe „gerade noch so“ ausreichen, entschied Poppe, wenn auch „mit Bauchschmerzen“. Die vom Amtsgericht bestimmte zweijährige Freiheitsstrafe sei der Tat und Schuld angemessen, stimmte Verteidiger Ulrich Baumann zu. Jedoch gebe es seit der Verurteilung ausreichende Gründe für eine positive Sozialprognose seines Mandanten.  Die Jugendkammer gab der Berufung schließlich statt und wandelte das Urteil des Amtsgerichts in eine zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung um. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Als Auflage muss der Täter 2 000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Einmal im Quartal muss er ein Beratungsgespräch „zur Festigung der Therapie“ absolvieren. Denn: „Die Versuchungen werden nicht weggehen“, betonte Richter Dr. Thomas Wolf. Der Angeklagte sei „kein Pädophiler“, ein gewisser Drang jedoch „Teil seiner Persönlichkeit“, an dem er weiter arbeiten müsse.

Das gesetzlich vorgegebene maximale Strafmaß für Kinderpornografie-Delikte sieht Wolf kritisch. Man müsse sich stets vor Augen halten, dass dem Besitz von kinderpornografischen Schriften ein schwerer sexueller Missbrauch der Opfer vorausgehe, die Täter nehmen diesen billigend in Kauf, mahnte der Richter eindringlich.

von Ina Tannert

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