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Kinderheim des St.-Elisabeth-Vereins war beteiligt

Arzneimitteltests Kinderheim des St.-Elisabeth-Vereins war beteiligt

Der St. Elisabeth-Verein in Marburg war an der Medikamentenvergabe in Kinderheimen beteiligt. Bei dem „Kinderheim St. Elisabeth" handelt es sich um das Haus Kaffweg 2 - dem heutigen Hermann-Jacobsohn-Weg 2, teilt der Verein nun mit.

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Historiker Harald Bausen mit Akten beim St. Elisabethverein.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg.. In einer der Jugendhilfeakten des St. Elisabeth-Vereins aus den 1960er Jahren existiere ein Hinweis darauf, dass ein 1956 geborenes Kind im Zeitraum Mai und Juni 1962 an einer Polio-Schluckimpfung teilgenommen habe. Die damalige Heimleiterin des Elisabethhauses, so eine weitere Bezeichnung des Heimes, bat mit Schreiben vom 2. Mai 1962 um die Einwilligung dazu, die sie mit einem Schreiben vom 4. Mai 1962 von der Kreisjugendfürsorge beim damaligen Dillkreis erhalten haben muss. Mit dem Datum 24.Juni 1962 bestätigte der Stiefvater, die Schluckimpfungsbescheinigung für den Stiefsohn erhalten zu haben.

Hintergrund: Eine Forschungsarbeit hat mögliche Medikamenten-Tests an Heimkindern in Hessen aufgedeckt. Nach Recherchen der Pharmazeutin Sylvia Wagner besteht der Verdacht, dass vor Jahrzehnten in einem nordhessischen Heim Medikamente an Kindern getestet wurden. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung der evangelischen Hephata Diakonie in Treysa (Schwalm-Eder-Kreis). In einer Liste im Anhang eines Aufsatzes zu Arzneimittelstudien an Kindern führt die Forscherin unter anderem das Neuroleptikum Decentan sowie Hephata in Treysa auf. Auch die damaligen Marburger Kinderheime Bethanien und St. Elisabeth seien davon betroffen gewesen.

"Menschenverachtend"

„Die in der Forschungsarbeit der Krefelder Pharmazie-Historikerin  Sylvia Wagner über Arzneimittelstudien an Heimkindern dargestellten  Medizintests und -Versuche mit noch nicht zugelassenen Medikamenten sind erschütternd und menschenverachtend", erklärt Hans-Werner Künkel,  Vorstand des St. Elisabeth-Vereins, an Freitag in einer Pressemitteilung. „Die Forschungsarbeit von Frau Wagner und unsere bisherigen Rechercheergebnisse zeigen aber auch auf, dass im Sinne und zum Wohl aller Beteiligten bei der notwendigen Aufarbeitung der Vergangenheit differenziert vorgegangen werden sollte", so Künkel weiter.

Es müsse nicht nur zwischen Versuchen, Tests und begleitenden Studien unterschieden werden, sondern auch Transparenz und Motivation des Handelns sowie die gesellschaftliche Situation betrachtet werden. 1961 sei in der Bundesrepublik die höchste Polio-Rate in Europa nach einer Epedemie aufgetreten.

von Björn Wisker
und Anna Ntemiris

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Historiker Harald Bausen mit Akten beim St. Elisabethverein. Foto: Thorsten Richter

Der St. Elisabeth-Verein in Marburg war an der Medikamentenvergabe in Kinderheimen beteiligt. Bei dem „Kinderheim St. Elisabeth" handelt es sich um das Haus Kaffweg 2 - dem heutigen Hermann-Jacobsohn-Weg 2, teilt der Verein nun mit.

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