Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Kinderchirurg rettet Baby das Leben

Therapieangebot der Kinderklinik Kinderchirurg rettet Baby das Leben

In einer Dreieinhalb-Stunden-Operation rekonstruierte der Arzt die fehlgebildeten Gallenwege der kleinen Tilda.

Voriger Artikel
Sammler sind fasziniert
Nächster Artikel
Tim Bendzko in Dagobertshausen

Markus, Tilda, Stephanie und Mathes mit dem Kinderchirurgen, Professor Guido Seitz.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wenn die nur sieben Monate alte Tilda mit ihrem zarten Händchen aufs Bilderbuch klatscht, gehen die Herzen über. Da kann sich auch Chefarzt und Kinderchirurg Guido Seitz nicht halten und dem Kind auf Vater Markus‘ Schoß mit großen Augen zulachen.

Tilda ist mit ihrer Familie zur Nachsorge in der Uniklinik Marburg. Wenige Tage nach der Geburt der Kleinen Ende April bemerkten Mutter Stephanie und Vater Markus, dass etwas nicht stimmt. Die Augen von Tilda hatten einen gelben Schimmer, der Stuhl war eher weiß wie ein Papierblatt, denn gelblich, wie er hätte sein müssen.

Der Kinderarzt in Schwalmstadt überwies Kind und Familie an die Kinderklinik Marburg von Professor Rolf F. Maier. „Wir waren sehr beunruhigt“, sagt der 32-jährige Vater. Über Tage standen Dutzende Untersuchungen an, um alle möglichen Diagnosen auszuschließen.

Nur eins von 15.000 Babys betroffen

Für Mutter Stephanie, die nicht von der Seite der kleinen Tilda wich, war das besonders belastend. Auch heute noch ist ihr eine gewisse Erschöpfung anzusehen, gelindert allerdings durch das wieder muntere Treiben der Tochter.

Tilda hatte eine schwere Fehlbildung der Gallenwege. Eine lebensbedrohliche Erkrankung. „Das kommt so einmal unter 15.000 Neugeborenen vor“, erklärt Maier. Also selten. Bislang hätte man Tilda in Marburg nicht helfen können. Vielleicht hätte die Familie zur Operation 
nach Tübingen oder Hannover gemusst. Doch mit der Verstärkung der Kindermedizin in Marburg durch Professor Guido Seitz – der sein Handwerk in Tübingen gelernt hatte – haben sich die Möglichkeiten der Kinderheilkunde in Marburg deutlich erweitert.

Bei Tilda waren die Gallenwege aus der Leber in den Zwölffingerdarm fehlgebildet. Normalerweise entgiftet die Leber den Körper über die Gallengänge, indem sie die Gallenflüssigkeit in den Darm ausschüttet. Ist dieser Kanal defekt, würde sich die Leber selbst vergiften, und zwar irreversibel – wenn die Krankheit nicht schnell erkannt wird.

Bei einer Operation in den ersten zwei Lebensmonaten sind die Erfolgschancen einer Heilung optimal. In einer Dreieinhalb-Stunden-Operation entnahm Seitz Gewebe und rekonstruierte die Verbindung. Tilda nimmt heute noch ein Medikament und isst eine Spezialnahrung, um die Leber zu entlasten. Doch körperlich und geistig verhält sie sich absolut entwicklungsgemäß, sagt Kinderarzt Maier.

Eltern froh über Mutter-Kind-Haus

Es ist vermutlich die Erleichterung und Freude um die 
Gesundung des Kindes, wieso Markus und Frau Stephanie sowie der dreijährige Sohn Mathes ihre Geschichte mit der Öffentlichkeit teilen. Ein weiterer Punkt spielt eine Rolle: Markus, der während der wochenlangen Untersuchungen, der Operation und der intensivmedizinischen Betreuung danach viel unbezahlten Urlaub genommen hat, fühlte sich auf der Kinderstation der Uniklinik bestens aufgehoben. „Wir mussten rund 50 Kilometer nach Marburg fahren. Dort war alles vorbereitet“, erinnert sich Vater Markus.

Die Familie konnte im Mutter-Kind-Haus eine Wohneinheit beziehen. Auch Sohn Mathes war für Wochen dabei. „Auch unsere Eltern und Freunde konnten uns besuchen“, sagt Stephanie.

„Das war schon glücklich, dass die Klinik die Räume bereitstellt und der hiesige Rotary-Club die Einrichtung der Zimmer finanzierte“, sagt Maier mit Blick auf das Mutter-Kind-Zentrum im zweiten Bauabschnitt der Klinik auf den Lahnbergen. Und für den Kinderarzt Maier ist 2016 ohnehin ein glückliches Jahr. Die Kinderheilkunde in Marburg ist mit der erfolgreichen Berufung von Professor Seitz als Kinderchirurg und Professorin Stephanie Weber (von Essen) als Kinder-Nierenspezialistin komplett und hochrangig aufgestellt.

Die Uniklinik könne nun 
alles anbieten, wobei die Kinder-Neurochirurgie vom Chefarzt der Neurochirurgie, Professor Christopher Nimsky, vertreten wird und die Kinder-Herzchirurgie am UKGM in Gießen angeboten wird. Dort zahle sich unsere Strategie aus, in der Kinderheilkunde auch in Spezialdisziplinen zu investieren, betont Professor Harald Renz, der ärztliche Geschäftsführer des UKGM in Marburg.

von Martin Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr