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Kinderchirurg ermöglicht den Dreiklang

Professor Guido Seitz Kinderchirurg ermöglicht den Dreiklang

Mit der Berufung von Professor Dr. Guido Seitz als Professor für Kinderchirurgie und Ärztlichen Direktor der Klinik für Kinderchirurgie wollen Uni und UKGM in der Kinderheilkunde zu den führenden Kliniken aufsteigen.

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Freuen sich über die Verstärkung durch Professor Guido Seitz (Mitte): Professor Harald Renz (von links), Professorin Stefanie Weber, Professor Dieter Maier, Medizin-Dekan Professor Helmut Schäfer und UKGM-Chef Dr. Gunther Weiß.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Mit der Berufung des renommierten Kinderchirurgen Professor Seitz (41) ab 1. Mai und der Kindernephrologin (Nierenheilkundlerin) Professor Stefanie Weber ab 1. April (die OP berichtete) hat, so der Ärztliche Direktor des UKGM, Professor Harald Renz, die Kinderheilkunde in Marburg „einen Entwicklungsschritt vollzogen, wie wir ihn so noch nicht hatten.“

Neben dem Leiter der Kinderklinik, Professor Rolf Maier, sind in Professorin Weber und Professor Seitz zwei weitere Hochschullehrer an den Fachbereich Medizin und die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin berufen worden. Dr. Gunther Weiß, der kaufmännische Leiter des UKGM, hält dies für eine „Strukturentscheidung für die nächsten 15 bis 20 Jahre.“

Vernetzung mit Kinderärzten

Das wird wohl auch notwendig sein, denn „die Konzentration der Kinderheilkunde auf wenige Universitäts-Standorte wird kommen“, prognostiziert Weiß. So wie Marburg jetzt aufgestellt sei, sei es dabei. „Wir haben jetzt eine gut Plattform, von der aus wir die Patientenzahlen steigern können“, freut sich Professor Renz.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, so ergänzt Professorin Stefanie Weber, ist die Vernetzung mit Kinderärzten und zuweisenden Kliniken aus der Region. Sie und Professor Seitz suchen deswegen die enge Zusammenarbeit, „die Kinderärzte 
nehmen das sehr positiv auf“, berichtet Seitz, der seit Amtsantritt vielleicht 50 Kinderärzte in der Region besucht hat – im Schnitt einen pro Arbeitstag.

Professor Seitz definiert Kinderchirurgie als „alles außer Herz- und Neurochirurgie“, sein wissenschaftlicher und medizinischer Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf der onkologischen Chirurgie und hier im besondereren in der Behandlung von Sarkomen (Weichteiltumoren).

Damit, so berichtet Professor Renz, sei ein „Dreiklang“ in der Behandlung kindlicher Tumore 
geschafft, der in Deutschland einmalig sei: In Marburg können nun kindliche Tumore mit der onkologischen Kinderchirurgie durch Professor Seitz, strahlentherapeutisch durch Professorin Engenhart-Cabillic und das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum MIT oder onkologisch durch den Kinderonkologen Professor Dieter Körholz behandelt werden, der in Gießen eine Professur innehat und eine kinderonkologische Ambulanz in Marburg betreut. Dies soll, so sagt Professor Renz, zukünftig für die Kinder aus der Region und überregional verstärkt genutzt werden. Der wissenschaftliche Schwerpunkt von Professor Körholz sind Lymphome, also Tumoren des Lymphgewebes.

Uni setzt „Findungskommission“ ein

Ein Lehrstuhl für Kinderchirurgie war schon 2001 verabredet, als Professor Maier seine Stelle als Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin antrat, berichtet er. Jetzt endlich, 15 Jahre später, ist der Plan umgesetzt worden. Auch der Dekan des Fachbereichs Medizin, Professor Helmut Schäfer, spricht von einer „langen Vorgeschichte“ im Zusammenhang mit der Besetzung der Professur für Kinderchirurgie.

An der Universität war sogar eigens eine „Findungskommission“ unter Leitung des früheren Ärztlichen UKGM-Direktors Professor 
Jochen A. Werner eingesetzt worden. „Die Kinderchirurgie ist ein akademisches Fach, das nicht in allen Universitäten sehr groß ist“, umschreibt es Schäfer, und Professor Seitz ergänzt, dass es nur an 13 der 33 Universitätskliniken einen Lehrstuhl für Kinderchirurgie gebe.

Die Klinik für Kinderchirurgie betreut chirurgisch kranke Kinder und Jugendliche. Das Spektrum der Behandlungen umfasst die allgemeine und viszerale Chirurgie (Eingeweidenchirurgie), die Neugeborenen- und Fehlbildungschirurgie, die Kinderurologie, die Kindertumorchirurgie, Chirurgie des Brustraums, die Kinderunfallchirurgie, Verbrennungschirurgie und die minimal-invasive Chirurgie – besser bekannt unter dem Stichwort „Schlüssellochchirurgie“, die gerade bei Kindern eine wichtige Rolle spielen soll: „Wir haben es mit Gewebe zu tun, das noch 80 Jahre halten soll“, sagt Professor Seitz; „da ist jeder Schnitt, der vermieden werden kann, wichtig.“


Sein Ziel: Durch den Einsatz moderner Operationsverfahren wie der Schlüssellochchirurgie oder der kindgerechten Versorgung von Knochenbrüchen sollen Kinder und Jugendliche so schonend wie möglich behandelt werden.

von Till Conrad

 
Zur Person
Professor Guido Seitz (41) stammt aus Tübingen, hat hier auch, unterbrochen durch mehrere Auslandsaufenthalte, studiert. Er war danach lange als Oberarzt in der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie in Tübingen tätig. Seitz ist verheiratet und hat einen Sohn.
 
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