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„Kinder waren immer das Wichtigste“

Ehrung für Edith Martin „Kinder waren immer das Wichtigste“

Neue Ehrenposition für Vereinschefin: Was da nach ihrer letzten Jahreshauptversammlung als Kopf der Elterninitiative folgte – damit hätte die frischgebackene Ehrenvorsitzende Edith Martin nicht gerechnet.

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Bürgermeister Dr. Franz Kahle (von links) überbrachte die Glückwünsche der Stadt an Edith Martin, deren Nachfolger Peter Becker ist.

Quelle: Holger Langmaier

Marburg. Mit großer Herzlichkeit und zahlreichen lobenden Worte verabschiedete die Elterninitiative für leukämie- und tumorkranke Kinder ihre langjährige Erste Vorsitzende aus ihrem Amt und wählte sie direkt in eine neue Ehrenposition. Ihr Nachfolger wurde Peter Becker.

Eine Riesenüberraschung erwartete eine sehr gerührte Edith Martin während der Sitzung am vergangenen Mittwoch: Sie wurde zur überhaupt ersten Ehrenvorsitzenden des Vereins gewählt, ein Amt, das es zuvor gar nicht gab. Ihr zu Ehren hatten die Vorstandskollegen im Geheimen die Satzung geändert und die neue Position geschaffen, die Abschiedsfeier von langer Hand geplant.

Viel Lob für die geleistete Arbeit erhielt der Ehrengast des Abends, der den Verein fast 20 Jahre lang „stets geführt und nachhaltig geprägt hat“, lobte 
der neue Vorsitzende, Peter 
Becker, der als Nachfolger der 75-Jährigen „in große Fußstapfen tritt“.

Edith Martin war bereits Gründungsmitglied des im Jahr 1985 offiziell ins Leben gerufenen Vereins, der sich aus einem Gesprächskreis von betroffenen Familien mit an Krebs erkrankten Kindern entwickelte. Fünf Jahre später wurde sie zur Stellvertreterin, im Jahr 1998 zur Ersten Vorsitzenden gewählt. Seitdem leitete sie die Elterninitiative durch alle Höhen und Tiefen, „unter ihr wuchs der Verein in einer familiären Atmosphäre heran“, erinnerte Becker.

Als einen Meilenstein der Vereinsarbeit baute Martin unter anderem die ersten Elternwohnungen in der Nähe der ehemaligen Kinderklinik mit auf, eine „große Hilfe und Erleichterung“ für die betroffenen Familien. Sehr wichtig waren ihr auch die Hilfstransporte ins Ausland, unter anderem nach Russland. Auf Initiative des Vereins wurden in den 1980er-Jahren dringend benötigte onkologische Medikamente für Kinder in die ehemalige Sowjetunion geschickt, „ein Highlight unserer Arbeit“, sagte der neue Vereinschef.

Vorsitzender Peter Becker: „Ein Ausstieg auf Raten“

Einen starken Einschnitt erlebte die Organisation erst mit der Privatisierung des UKGM, schließlich im Jahr 2012 mit dem Wegfall der Kinderonkologie am Standort Marburg. Die Station wurde geschlossen, das Krebs-Zentrum nach Gießen verlegt. Diese Umstellung hatte große Auswirkungen auf den mit der Klinik stark vernetzten Verein, war anfangs eine Katas­trophe und wurde doch zu 
einem Meilenstein.

Nach der Schließung der Station musste sich der Verein 
unter der Führung von Martin neu orientieren, wurde mit der 
Anstellung eigener Mitarbeiter noch selbstständiger und konzentrierte sich auf die direkte Unterstützung von Patientenfamilien mit einem an Krebs erkrankten Kind. Und die lagen der Vereinschefin ganz besonders am Herzen, „der Kontakt zu den Familien und die Kinder – das war ihr immer das Wichtigste“, lobte Becker.

Wie Martin selbst in ihrem allerletzten Jahresbericht aufzeigte, verfolgt der Verein den Wiederaufbau einer neuen Kinderonkologie am alten Standort mit großer Zuversicht. Nach Jahren ohne Kinderkrebsstation keime nun „neue Hoffnung“ auf, dass sich demnächst die ambulante, 
langfristig wieder eine stationäre Behandlung am Marburger Klinikum etabliert, berichtete Martin.

Als Ehrenvorsitzende wird sie auch in Zukunft Teil des Vorstands sein, den Sitzungen beiwohnen und ihre Erfahrungen weitergeben – dabei wunschgemäß nicht mehr an erster Stelle. „Es ist ein Ausstieg auf Raten, gänzlich können und wollen wir gar nicht auf sie verzichten“, sagte der neue Vorsitzende.

Zum Abschied aus der ersten Vereinsreihe und zur Wahl ins neue Ehrenamt erhielt Martin zahlreiche Blumengrüße und Präsente von Vereinsmitgliedern, alten Weggefährten sowie ehemaligen Patienten und deren Familien, die bis heute Kontakt zur Elterninitiative halten, das wohl „größte Geschenk“ von allen, freute sich der gerührte Ehrengast.

von Ina Tannert

Neuer Vorstand

Vorsitzender: Peter Becker

Stellvertreter: Holger Langmaier

Kassiererin: Sabine Göbel

Schriftführerin: Mareike Vornam

Beisitzer: Brigitte Schmidt, Amelie Fischer, Inna Richter und Marika Ursprung.

 
 
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