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Kinder trällern Lieder für Dorfladen

Dorf-Shopping Kinder trällern Lieder für Dorfladen

Bei der Eröffnung vor zehn Jahren hatte es viele Skeptiker gegeben, doch der Dorfladen Michelbach bewährte sich und bietet seit kurzem ein Vielfaches des Angebots. Viele Gäste kamen zur Geburtstagsfeier.

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Die Michelbacher Kinder aus Grundschule und Kindergarten trugen zur Feier des zehnjährigen
Jubiläums des Dorfladens mehrere Lieder bei. Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Michelbach. „Ich bin sehr zufrieden mit dem neuen Angebot. Es gibt wenig, was ich anderswo einkaufen muss. Vorher gab es hier vieles nicht. Statt wöchentlich kaufe ich jetzt nur noch alle drei Wochen außerhalb ein“, sagt Christine Althaus, Stammkundin im Dorfladen. Dann wandte sie sich wieder dem Obstregal zu, um sich die Weintrauben anzuschauen.

Der Schritt, den Dorfladen Michelbach nach neuneinhalb Jahren als Gutkauf-Außenstelle aufgrund sinkender Umsätze mit tegut als neuem Handelspartner umzubauen und auf nun 260 Quadratmetern ein mehr als fünfmal größeres, auf den Bedarf des Ortes zugeschnittenes Sortiment samt Post und Lottoannahme umzustellen, scheint richtig gewesen zu sein. Statt früher bis zu 800 gibt es nun 4200 Artikel. Seit der Wiedereröffnung Anfang Juni hätten sich die Umsätze mehr als verdoppelt, berichtete Rainer Dolle, der Geschäftsführer und Pädagogische Leiter von „Arbeit und Bildung“. Deren Tochter „Neue Arbeit Marburg GmbH“ betreibt den Dorfladen. Außerdem gibt es nun einen Lieferservice im Dorf, den man noch ausweiten möchte, weil man ihn für den Umsatz brauche.

Somit gab es doppelten Grund, das zehnjährige Jubiläum des Dorfladens zu feiern. Und die Michelbacher beteiligten sich daran: sie hatten Kuchen gebacken, die Kinder aus Grundschule und Kindergarten eröffneten die Feier mit zwei fröhlichen Liedern, bevor etliche politische Vertreter aus Stadt, Kreis und Land mit Grußworten gratulierten.

Rainer Dolle betonte zu Beginn, dass er der Politik dankbar sei, ohne deren Anstoß dieser Dorfladen nicht existieren würde. Am Anfang habe der Beschluss gestanden, drei solcher Läden in Marburger Stadtteilen zu eröffnen, die beiden anderen im Stadtwald und in Ginseldorf.

Damit konnten in Michelbach, wo der Dorfladen zugleich ein Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekt ist, in dem Behinderte und Nichtbehinderte zusammen arbeiten, dauerhaft Arbeitsplätze für Menschen geschaffen werden, die sonst Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben. Zurzeit sind auf den so genannten Bürgerarbeitsplätzen zwölf Mitarbeiter beschäftigt, normalerweise trage so ein Laden drei bis vier Personen.

Der Dorfladen Michelbach finanziert sich überwiegend aus Verkaufserlösen. Daneben wird er unterstützt durch die Stadt Marburg. die Aktion Mensch, die Agentur für Arbeit und das KreisJobCenter. Zuschüsse gibt es dabei nicht für den laufenden Betrieb, sondern projektbezogen für die Mitarbeiter, die hier sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Dies sei wichtig für deren Selbstwertgefühl, betonte Dolle, und hob hervor, dass 80 Prozent derjenigen, die nach ein bis vier Jahren Arbeit den Dorfladen verlassen, anderswo eine Beschäftigung fänden. Aus einer Arbeitsstelle heraus sei man einfach besser zu vermitteln, erklärte er. Karsten McGovern (Grüne), Erster Beigeordneter und Sozialdezernent des Landkreises, betonte, dass es „vieler Bausteine“ bedürfe, um Menschen in Arbeit zu bringen. Im vergangenen Jahr seien die Mittel für Eingliederung um die Hälfe reduziert worden, aber die Zahl der Arbeitslosen sei gestiegen. Zugleich wolle man die Infrastruktur auf dem Lande unterstützen. „Viele gehen in den Supermarkt auf der grüne Wiese und wundern sich dann, wenn der Dorfladen nach einer Weile nicht mehr funktioniert. Manche haben das gemerkt und kommen wieder zurück“, sagte er. Marburgs Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) wies darauf hin, dass alle drei Dorfläden mit ihren unterschiedlichen Konzepten durchgehalten hätten. Michelbach sei vom Umsatz her der größte. Der Landtagsabgeordnete Thomas Spies (SPD) meint, dass „Dorfläden tolle Projekte sind, deren Funktion als Begegnungsort im Dorf eine soziale Infrastruktur erzeugen“. Diese Nähe der Nachbarschaft könne man künstlich gar nicht herstellen.

von Manfred Schubert

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