Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Kinder lernen in der Teddybär-Klinik

Studie Kinder lernen in der Teddybär-Klinik

Eine Studie von Wissenschaftlern der Philipps-Universität bestätigt: Die „Teddybär-Klinik“ vergrößert das Wissen von Kleinkindern über Körper, Gesundheit und Krankheit.

Voriger Artikel
Polizei sucht Richtsberg-Brandstifter
Nächster Artikel
Gebaut für 300 Schüler, heute sind es 100

Eine Medizinstudentin untersucht zusammen mit einem Kind dessen Teddy. Dr. Corinna Leonhardt (von links) Dr. Jutta Margraf-Stiksrud, Professor Rolf Felix Maier, Lena Niehoff und Thea Reuter stellten die Studie vor.Fotos: Weigel, Krekel

Marburg. Am Montag und Dienstag öffnet auf dem Marburger Marktplatz zum mittlerweile elften Mal die „Teddybär-Klinik“, die von Medizinstudenten organisiert und von den Fachbereichen Medizin und Pharmazie sowie vom Magistrat der Stadt Marburg unterstützt wird. Kindergartenkinder haben die Möglichkeit, ihre kranken Kuscheltiere zur Behandlung zu bringen.

Ziel ist es, Kinder mit den Abläufen im Krankenhaus vertraut zu machen und ihnen so die Angst davor zu nehmen. Gleichzeitig sollen sie spielerisch lernen, wie der menschliche Körper funktioniert und wie sich Krankheiten auswirken und äußern können.

Ob diese Ziele auch tatsächlich erreicht werden können oder ob es sich bei der Veranstaltung nur um pure Unterhaltung für Kinder handelt, haben nun Wissenschaftler der Universität untersucht: In einem gemeinsamen Projekt zwischen der Kinderklinik und dem Fachbereich Psychologie, das von Dr. Corinna Leonhardt, Dr. Jutta Margraf-Stiksrud und Professor Rolf Felix Maier geleitet und maßgeblich von Larissa Kurtz und Andrea Szerencsi durchgeführt wurde, ist dieser Frage nachgegangen worden.

„Die Studie zeigt, dass Wissen über den menschlichen Körper und die Gesundheit mit der Teddybär-Klinik vermittelt wird“, sagt Professor Maier. Zwischen 600 und 700 Kinder würden jährlich an der Veranstaltung teilnehmen.

Für die Studie waren 139 Vorschulkinder im Alter von vier bis fünf Jahren in Form eines Interviews vor und nach der Teddybär-Klinik befragt worden. Neben dieser „Interventionsgruppe“ wurden auch die Ergebnisse der „Kontrollgruppe“ ausgewertet, das heißt die Fragebögen von Kindern, die nicht an der „Teddybär-Klinik“ teilgenommen hatten.

„Das medizinbezogene Wissen verändert sich. Das hat sich deutlich gezeigt“, erklärt Dr. Leonhardt. „Kinder in diesem Alter begreifen intuitiv“, ergänzt Dr. Margraf-Stiksrud. Ein guter Zugang dafür sei dabei die Teddybär-Klinik.

„Dass das spielerische Lernen eine gute Methode ist, hat sich bestätigt“, fügt Dr. Leonhardt hinzu, welche die Mitarbeit der Kindergärten und Eltern lobt. Es habe sich zudem gezeigt, dass die Angst vor dem weißen Kittel generell nicht allzu stark sei, sondern in Situationen, in denen Kinder kleine Verletzungen davontrügen, weitaus größer. Sie hätten herausgefunden, dass ein Viertel der Kinder unangenehme Vorerfahrungen bei Ärzten gemacht hätten. „Für die angehenden Ärzte ist die Teddybär-Klinik auch eine lehrreiche Situation, da eine Interaktion mit Kindern stattfindet“, so Professor Maier. „Ich möchte den Studierenden ein Kompliment aussprechen, denn seit elf Jahren setzt sich die Veranstaltung von Jahrgang zu Jahrgang fort und die Begeisterung bricht nicht ab.“ Thea Reuter und Lena Niehoff, zwei Studentinnen, die an der Veranstaltung wieder teilnehmen, erzählten von ihren Erfahrungen: „Die Kinder werden mit einbezogen und wir Teddy-Docs können Verhaltensstrategien im Umgang mit Kindern entwickeln.“

Die Ergebnisse der Studie wurden mittlerweile in einer internationalen renommierten Fachzeitschrift, dem „Journal of Health Psychology“, veröffentlicht. Es ist erst die zweite Publikation zu diesem Thema; vorher gab es nur eine Studie in Israel.

Offene Sprechstunde in der Teddybär-Klinik auf dem Marktplatz ist am Montag und Dienstag jeweils von 14.30 bis 17 Uhr. Die Vormittage sind den angemeldeten Patienten der Kindergarten-Kinder vorbehalten.

von Julia Krekel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr