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Kinder in den Garten!

Saisongarten Kinder in den Garten!

Für Kinder ist der Garten vor allem ein geschützter Spielplatz mit Schaukel und Sandkasten. Ein eigenes Beet öffnet für den Nachwuchs aber eine ganz neue Welt.

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Die kleine Madita wässert ihr Gemüsebeet. Kinder lassen sich leicht für das Gärtnern begeistern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Marburg. Volle Gemüsebeete, liebevoll gepflegte Blumenrabatten und tobende Kinder bergen im Garten immer ein gewisses Konfliktpotenzial. Wenn der eigene Nachwuchs zumindest ahnt, wie viel Herzblut für Papa und Mama mit der blühenden Pracht verbunden ist, kann das für die Nachbarkinder schon außerhalb aller Vorstellungen liegen. Wenn dann der Fußball zwischen Gurken und Buschbohnen landet oder die prächtige Sonnenblume köpft, ist der Ärger vorprogrammiert.

Schon deshalb ist es sinnvoll, Kinder früh mit der anderen Seite des Gartens bekannt und vertraut zu machen. Mit etwas Glück wird diese natürliche Form der Umwelterziehung vom Kindergarten oder der Grundschule vorbereitet, die Regel ist ein Schulgarten heute allerdings nicht mehr.

Die Motivation hochhalten

Was also können oder sollten Kinder gärtnern? Mehr als die meisten Erwachsenen ihnen zutrauen! Mit einem eigenen Beet wachsen in den Jungen und Mädchen das Verständnis für die botanischen Abläufe und das stolz machende Gefühl, etwas geschaffen zu haben. Um die Erfolgsaussichten für ein solches Projekt zu steigern, gibt es ein paar Dinge, die Eltern oder Großeltern beachten sollten.

Verantwortungsbewusstsein ist ein Pflänzchen, das langsam wächst. Die Freude am regelmäßigen Gießen wird bei Kindern immer wieder mal unterbrochen werden, weil gerade ein anderes Freizeitangebot wichtiger ist. Da hilft es, wenn die Eltern eine verständnisvolle Rückendeckung bilden und mal nachfragen, ob sie heute das Gießen übernehmen sollen. Das erinnert den Nachwuchs an die nötige Versorgung der Pflanzen und verhindert frühe Misserfolge im „Kinderbeet“, die der weiteren Motivation nur abträglich sind.

Häufig gehört auch die Geduld nicht zu den hervorstechenden Charaktereigenschaften der Kinder. Wenn die Jungen und Mädchen selbst säen, sollten sie dafür Samen in die Hand bekommen, die zuverlässig und schnell keimen. Kresse etwa garantiert ein baldiges Erfolgserlebnis, die etwas größeren Samen von Tomate, Zucchini und Kürbis lassen sich leichter fassen als etwa die winzigen Samenkörner des Fingerhuts.

Machen Sie die Sämereien zu einem Gemeinschaftsprojekt, bei dem der erwachsene Gärtner selbst genau die Aussaat-Hinweise liest. Spätestens mit der Nachfrage „ist das bei allen Samen so“ wird dem Nachwuchs klar, dass es da etwas zu beachten gibt.

Das gilt auch für das regelmäßige Kontrollieren und Gießen der Sämereien. Werden daraus gemeinsame Rituale, schult das die notwendige Geduld.

Regelmäßiges Lob für die getane Arbeit - „die sind ja schon groß geworden“ - lässt auch den Nachwuchs mächtig wachsen. Und mit dem Stolz über die großgezogene Zucchinipflanze, dem Staunen darüber, dass aus diesem kleinen Samen eine solch imposante Pflanze geworden ist, nimmt ebenso das Interesse an der Botanik zu.

Dann werden auch kleinere Misserfolge leichter weggesteckt und im besten Falle als Anreiz verstanden, es beim nächsten Mal besser zu machen oder noch genauer nach den Ursachen für das Missraten zu suchen. Mit den ersten Blüten stellen sich die Insekten ein - und mit einem Male verlieren sogar die brummenden Hummeln alles Bedrohliche. Stattdessen werden sie zu nützlichen Helfern, die dafür sorgen, dass sich aus den Tomatenblüten nach einigen Tagen winzige Fruchtansätze bilden.

Jetzt ist buchstäblich das Ziel der gärtnerischen Bemühungen zu sehen. Und während die erste eigene Zucchini schon im Juli mit besonderer Ehrfurcht gegessen wird, lassen sich die Tomaten mit dem Rotwerden bedenklich lange Zeit.

Die vielen Gießkannen, die der Nachwuchs schon zum eigenen Beet getragen hat, lassen indes den Respekt für die Lebensmittel wachsen und die Erkenntnis, dass Tomaten keine Selbstverständlichkeit sind, dass es vielmehr gute Erde, den Samen, regelmäßig Wasser, die Insekten und nicht zuletzt eine gehörige Portion Geduld braucht, ehe sie gegessen werden können.

Etwas stimmt nicht

Wenn dann noch im Herbst der erste Frost Tomaten und Zucchini ein jähes Ende bereitet, können die Kinder auch verstehen, dass mit den Tomaten, die im Januar im Supermarkt angeboten werden, irgendetwas nicht stimmen kann.

Gut möglich, dass auch im kommenden Jahr noch ein Fußball zwischen Gurken und Buschbohnen landet. Das wird dann aber nicht nur den Eltern weh tun, sondern auch bei den Kindern ganz andere Gefühle hervorrufen als die Angst vor der möglichen Strafpredigt. Vielleicht ist sogar das Verantwortungsbewusstsein im vergangenen Jahr so gewachsen, dass der Sohnemann den Kick auf die Nachbarwiese verlagert - auch aus Angst, die Sonnenblume im eigenen Beet könnte ansonsten leiden.

von Frank Rademacher

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